Sehr geehrter Hr. Sichrovsky!
2025 gab es in Österreich einige politische Gedenktage, aber auch heuer gibt es einige - kulturpolitische Gedenktage. 1948 begann ein großes Theater in Wien, aber die Spielzeit dauerte leider nur 8 Jahre. Es war die Scala, mit hervorragenden Schauspielern, aber dieses Theater stand ja im russischen Sektor!! ....Therese Ghiese..... Fritz Muliar.....Karl Paryla....Fritz Imhof...Dorothea Neff...Helene Weigel... um nur einige zu nennen. Mira Lobe verfasste ein Jugendstück über Entlassungen und Arbeitslosigkeit.....und 1953 wurde das Stück - Die Mutter mit Helene Weigel gebracht, wo an den letzten Proben auch Bert Brecht teilnahm. 1956 musste dieses Theater schließen, dort wo 1948 auch - Der Bockerer - uraufgeführt wurde. In den letzten Wochen und Monaten vor der Schließung, an der leider auch zwei prominente Journalisten großen Anteil daran hatten, gab es etliche Proteste, Briefe wurden von internationalen Künstlern an die Politik geschrieben, auch Bert Brecht schrieb noch im Februar 1956 einen Brief an Kulturstadtrat Mandl, aber es hat leider nicht genützt. Im Juni 1956 war Schluss.
Ja und einige Wochen später starb auch Bert Brecht im August 1956.
Also aus meiner Sicht zwei ... kulturpolitische Gedenktage aus den österreichischen Nachkriegsjahren.
Mit freundlichen Grüßen
Hunacek Richard


Heinz Sichrovsky verteidigt Kunst und Kultur: Heute monothematisch: Abschied von Föttinger (01.05.26)
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Lieber Heinz Sichrovsky,
Föttinger geht und er geht erhobenen Hauptes, er ist nicht rechtzeitig verstorben und die Wokeness bewegten "Anschuldigenden" haben sich an seiner Person die Zähne ausgebissen. Wie sagen Sie so treffend? Die Ära konnte ihm keiner abschneiden. Ich liebe dieses schöne Wortspiel. Aber damit es nicht zu monothematisch wird! Eine andere Ära ist abgeschnitten worden und die Ehre gleich dazu. In der Wochenendausgabe der Salzburger Nachrichten schreibt Frau Hedwig Kainberger eine "Analyse" zur Ausschreibung der künstlerischen Leitung bei den Salzburger Festspielen.
Sie meint, die Latten seien in der Ausschreibung hoch gelegt. Was ich danach lese, erinnert mich an den unschönen Spruch von der "eierlegenden Wollmilchsau". Aber das ist es nicht , was mich so empört. Meint doch Frau Kainberger, das sei ja alles schon viel, aber man müsse noch drei weitere Anforderungen auf die Wunschliste setzen. Geschenkt. Aber folgender Absatz hat es wohl in sich. Zitat:"Vielleicht wird es Karin Bergmann gelingen, etwaige Disruptionen aus Markus Hinterhäusers Führungsstil schon in eineinhalb Jahren mehr oder weniger zu heilen.
Doch: Dass ein derart gravierendes Fehlverhalten einer Führungskraft, das erst eine Wohlverhaltensklausel und zwei Jahre später eine Vertragsauflösung bedingt hat, offenbar lang hingenommen oder gar geduldet worden ist, ist so himmelschreiend wie einst die jahrelang übersehenen Malversationen zweier Mitarbeiter von Salzburger Festspielen und Osterfestspielen." Zitat Ende. Jemandem, den man gerade vor die Stadttore gejagt hat, noch hinterherzuspucken, ist letztklassig. Ich habe am vergangenen Mittwoch im Musikverein Schuberts Winterreise gehört. Irgendwie habe ich das Gefühle, hier wird gerade Hinterhäusers künstlerische Winterreise inszeniert. Was für ein Elend.
Wie immer mit herzlichen Grüßen, schönen Sonntag Riki Pacik
Lieber Heinz Sichrovsy !
Danke für diesen wunderbaren Newsletter, weiters für die Kritik und das Interview !!!
Ich lasse mir von dem und noch mehr ein extra Buch binden als Erinnerung an eine große ÄRA !!
♥lichst
Schönes Wochenende
Gunnar Grässl
Lieber Herr Sichrovsky,
Kredit schon verspielt, meine ich - und zwar durch die unverständliche Hinauswurf-Orgie, durch Ihren (Marie Rötzer) unverschämten Darsteller-Kahlschlag!
Jetzt muss sie (erst einmal) zeigen, wie es mit einem neuen Ensemble wieder zu den gewohnten Höchstleistungen geht.......
Wir sind zu Recht entsetzt über Trumps Hinauswurf-Marathon und nehmen die selbe miese Tour auf dem Theater wort- (na ja, vielleicht nicht ganz) und/aber konsequenzlos hin?! Mir fehlt das Verständnis dafür - nur weil ich die Josefstadt liebe, wünsche ich der "Neuen" keinen Beinbruch!
Herzlich, Ihr R. Köck
Lieber Heinz Sichrovsky,
wie man vielerorts lesen kann, hat Herbert Föttinger sich selbst mit Peter Turrinis Stück ein fulminantes Abschiedsgeschenk gemacht. Ein gelungener Abschied, die Ära Föttinger geht damit zu Ende. Und mit diesem Ende wird auch das Dasein einiger Schauspieler und Schauspielerinnen an der Josefstadt beendet. Vielleicht bin ich naiv und verstehe zu wenig vom Theater. Wenn ich es aber kritisch betrachte, kann man "Was für ein schönes Ende" zumindest in dieser Besetzung nur ganze zwei Monate im Theater in der Josfstadt sehen. Was für ein schönes Ende und was für eine Verschwendung. Sie fordern das Publikum auf, die feine Aufführung in Scharen zu bejubeln. Ich bin mir sicher, das wird geschehen. Ob es Publikumspflicht ist, der neuen Direktion großzügig Kredit einzuräumen, wage ich zur Stunde allerdings in Frage zu stellen.
Die Erklärung ist relativ einfach. Vergangenen Sonntag gab es im Kurier ein Interview mit Marianne Nentwich, der Doyenne des Theaters in der Josefstadt. Am Schluss dieses Interviews stehen die schmerzlichen Worte von Frau Nentwich:"Ich komme nicht als Gast in die Josefstadt, in der ich 62 Jahre lang zu Hause war." "Unwiderruflich?" fragt Thomas Trenkler. "Unwiderruflich. Ich werde die Josefstadt nicht mehr betreten", ist die Antwort. Ich möchte Frau Rötzer gerne sagen: "Das tut man nicht!" Aus welchem Grund auch immer.
Zurück zu Herbert Föttinger. Er hat in den letzten Tagen viele Interviews zu seinem Abschied gegeben, unter anderem in "News" und in der "Presse". Dabei kam die Sprache auch auf Karin Bergmann. Was er darüber sagt, ist erstaunlich mutig. Zitat aus dem "Presse"- Interview:
"Als Schausieler bin ich so ein kleiner Hobbypsychologe. Ich kann alle Niederungen der menschlichen Seele und jede Niedertracht nachvollziehen.
Ich kann sogar nachvollziehen, dass Frau Bergmann die künstlerische Leitung der Salzburger Festspiele übernommen hat." Das sitzt! Diese Äußerung ist hart und doch richtig. Wenn man etwas als Ungeheurlichkeit empfindet, dann tut man es auch nicht. Auch nicht der Kunst zuliebe.
Für mich ist es der Grund für meine Vorbehalte und mein Unbehagen Frau Bergmann und Frau Rötzer gegenüber. So etwas tut man nicht.
Die Zeit heilt bekanntlich alle Wunde. Die Sonne über Ägypten wird für Herbert Föttinger sicher das Nötige für die Heilung tun. Und dann möge er voller Tatendrang zurückkommen zur Freude seines Publikums.
Ich grüße Sie wie immer herzlich, alles Liebe Riki Pacik


