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Oper wie für einen Netflix-Zweiteiler

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Eine florentinische Tragödie: Dmitry Golovnin, Asmik Grigorian und Christopher Maltma

©Wiener Staatsoper, Marcel Urlaub

Regisseur Vasily Barkhatov und Dirigent Alain Altinoglu verbinden „Eine florentinische Tragödie“ von Alexander Zemlinsky mit „Herzog Blaubarts Burg“ von Béla Bartók an der Wiener Staatsoper.

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Zwei Einakter, die nichts miteinander zu tun haben, weder musikalisch noch inhaltlich, außer, dass ein Paar im Zentrum steht, werden an der Wiener Staatsoper zu einem Beziehungs-Thriller zusammengefügt. Der eine, Alexander Zemlinskys „Florentinische Tragödie“, wird fast nie aufgeführt und verschwand quasi nach den ersten Aufführungen 1917 von den Spielplänen.

Der andere „Herzog Blaubarts Burg“ wird immer wieder mit anderen Werken kombiniert. Eines der jüngsten herausragendsten Beispiele war bei den Salzburger Festspielen 2022 in der Regie von Romeo Castellucci, dirigiert von Teodor Currentzis, zu erleben.

Intendant Markus Hinterhäuser kombinierte das düstere Schlüsselwerk des 20. Jahrhunderts mit Carl Orffs apokalyptischer Chor-Oper „De temporum fine comoedia“. Auf den ersten Blick ein gewagtes Unterfangen. Doch es ging auf. Da wurde der Weltuntergang, die Größe dieser Meisterwerke spürbar. 

Zurück in die Gegenwart

Die Staatsoper holt diese beiden Werke in die Gegenwart. Barkhatov schafft für Zemlinsky und Bartók eine simple Klammer, nämlich die Beziehungsprobleme eines Paares. Eine Ehefrau sucht einen Paartherapeuten auf, weil sie keine Lust auf ihren Gatten mehr verspürt. Der aber hat keine Lust auf eine Therapie. Zumindest ist der Geschäftsmann bereit, den Mann zu Hause zu empfangen. Der schlägt dem Paar ein Spiel vor und gibt folgende Regel vor. Wenn jemand das Gefühl hat, es geht zu weit, solle er das Wort „Narr“ sagen, gleichsam als Stopp.

Als Spiel im Spiel nimmt Barkhatov einfach die Handlung von Zemlinskys Oper. Der vertonte dafür Oscar Wildes gleichnamiges Stück. Simone, ein Kaufmann im Florenz der Renaissance, erwischt seine Ehefrau Bianca in flagranti mit Guido Bardi, dem Prinzen. Er fordert ihn zum Duell, tötet ihn und entfacht damit die Leidenschaft seiner Frau. Bei Barkhatov fungiert der Therapeut als Prinz. Ein eher langweiliger Typ, der selbst überrascht ist, als ihn Bianca küsst. Niemand ruft Stopp, das Duell wird mit Vorhangstangen oder Schürhaken ausgeführt. Am Ende ist der Therapeut tot und landet im Ehebett. Dort bleibt er auch im zweiten Teil. 

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Herzog Blaubarts Burg: Asmik Grigorian und Florian Boesch

 © Wiener Staatsoper, Marcel Urlaub

Das Setting für „Blaubart“ ist gleichgeblieben. Das Designerhaus (Bühne: Christian Schmidt) wird zur Burg mit sieben geheimnisvollen Türen. Die Frau heißt hier Judith und will hinter das Geheimnis des Herzogs kommen. Bartóks Werk ist voller Symbole (bei Barkhatov einige Projektionen), im dunklen Gemäuer bluten die Wände, eine Folterkammer, ein verborgener Garten und schließlich der Ort, an dem er Judiths Vorgängerinnen von der Welt verschlossen hält. Sie sind für ihn Morgen, Mittag und Abend, Judith steht für die Nacht. Ein leeres Kinderzimmer steht für sich.

Bevor Blaubart und Judith am Ende im Ehebett zueinanderfinden, versenken sie den toten Therapeuten im Bettzeugkasten. Wer beide Werke nicht kennt, mag das alles sehr gut finden, denn es funktioniert als Stück für sich. Das Drehbuch wäre ideal für einen Netflix-Zweiteiler, der Tiefe und Symbolik ausspart. 

Starke Besetzung

Dass dabei Spannung aufkommt, liegt vor allem an der Besetzung. Asmik Grigorian verkörpert beide Frauenrollen. Die Bianca in der „florentinischen Tragödie“ ist eine eher kurze Gesangspartie, aber sie setzt sich in der präzisen Personenregie glänzend in Szene. Da ist sie diese geheimnisvolle Frau, die ihren Mann zum Mord treibt.

Christopher Maltman ist ein vokales und auch darstellerisches Kraftwerk. Er widersetzt sich mit seinem Bass-Bariton den Wogen aus dem Orchestergraben. Tenor Dmitry Golovnin ergänzt als in jeder Hinsicht eher blasser Therapeut. Bei „Blaubart“ reißt Grigorian als Judith das Kraftzentrum mit vokaler Intensität an sich. Florian Boesch zeigt den Herzog als gebrochenen Mann, intoniert zurückhaltend, aber nuanciert. 

Dirigent Alain Altinoglu schlägt in dieselbe Kerbe wie der Regisseur. Bei Zemlinsky setzt er mit dem hervorragend disponierten Staatsopernorchester auf dessen Klangfarben und die Nähe zu Richard Strauss. Das erinnert  in vielen Passagen an „Salome“, dessen Oscar-Wilde-Vertonung. Seine Bartók-Interpretation spart wie die Regie das Mystische, Archaische, Düstere des Werks aus, setzt auf gleißende Klänge und lässt das Orchester seine Qualitäten ausspielen. 

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