Zum vierten Mal bespielt die Kunstmesse die Pavillons am Otto Wagner Areal – Mit jungen und arrivierten Künstlerinnen und Künstlern, Performances und Küchenkunst – Bis Sonntag.
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Mit dem Anschneiden einer goldenen Kuppel-Torte in Anlehnung an die Otto-Wagner-Kirche ist am Mittwoch die 14. Parallel Vienna im Jugendstiltheater auf der Baumgartner Höhe eröffnet worden.
Zum vierten Mal bespielt das „Hybridwesen aus Kunstmesse, Pop-up-Museum und Social Hub“, so der künstlerische Leiter Stefan Bidner, Pavillons auf dem Areal. Bis Sonntag stellen 130 Galerien, Museen oder Off-Spaces aus. Höhepunkt: Die frühere Betriebsküche mutiert zur „Parallel Kitchen“.
Hommage an Daniel Spoerri
Dieser geflieste Ausstellungsraum ist eine Hommage an den Künstler Daniel Spoerri (1930-2024) und den von ihm geprägten Begriff der Eat Art. Einige seiner berühmten Arbeiten mit Küchenutensilien hängen an den Wänden. Neben ausgestellten Werken und Objekten – u.a. von Hermann Nitsch, Ingrid Wiener, Anna Paul und Erwin Wurm – wird hier am sozialen Kunst-Treffpunkt auch gekocht.
„Bitte leise putzen“ steht auf einem Tischtuch, das über der Essensausgabe hängt. Mit dieser Arbeit aus einer Serie verschränkt die Künstlerin Christine Lederer ein weiblich codiertes Haushaltsobjekt, Sprache und feministische Kritik. Um die Wurst geht es auch dem Künstler Sebastian Kelemer in seinen Wurstgesichtern „Bildnisse eines Clowns“ – einer Stickerei auf Baumwolle.
Konsum-Objekte durch den Fleischwolf gedreht
Unter dem Schlagwort „Süper Markt“ versammelt der Ausstellungsraum „Büro Weltausstellung“ in der Parallel Kitchen allerlei Objekte zum Thema Konsum: Auf einem schwarzen Ballon-Kleid von Valerie Lange X Unikatessen prangt „All You Can Eat“, das 77 Zentimeter lange Objekt „Soletti“ von Martin Grandits ist ebenso arrangiert wie eine bemalte „Magnum Bründlmayer“ von Christian Eisenberger, die Steinwürste von Taro Messner oder die achtteilige Reihe unbetitelter Zeichnungen mit Schweinsfett und Bleistift auf Papier von Rudolf Polanszky. Niklas Konstacks Bronze-Senftube „Schoafe Mischung“ wäre ebenso zu erwerben wie Daniel Eckers „Pez Candy“ aus Marmor.
Unter den Lustern des Jugendstiltheaters haben die Veranstalter einen kleinteiligen Ausstellungsraum geschaffen, in dem sich Galerien präsentieren. Arrivierte Positionen finden sich neben Entdeckungen: Galeristin Sophie Tappeiner zeigt riesige Kandelaber aus Heu von Albin Bergström. Das vermeintlich billige Material aus der Landwirtschaft irritiert an den mehrarmigen Kerzenständern, die eigentlich dem gutbürgerlichen Milieu und repräsentativen Umgebungen zugeschrieben werden.
Für die Galerie Charim hat die renommierte Fotografin, Filmemacherin und Künstlerin Lisl Ponger Arbeiten ausgewählt, die sich mit Stereotypen, Rassismus und der Konstruktion des Blicks beschäftigen. In der Leuchtkastenarbeit „There be Dragons“ hat Ponger Christoph Kolumbus neben einem Frontex-Beamten inszeniert. Der Blick von beiden richtet sich aufs offene Meer. Ebenso zu sehen ist ihr fotografisches Diptychon „Theater of War“.
Immer für eine Überraschung gut
Die Kollaboration zwischen den alten Klinik-Gebäuden und zeitgenössischer Kunst ist immer für eine Überraschung gut: Die iranische Künstlerin Arezou Shayesteh Sadafin besiedelt für die Galerie Smolka Contemporary für die Messe-Zeit einen Raum im Pavillon 13, der früher die Urologie/Gynäkologie beheimatete, mit ihren formstrengen Faden-Arbeiten auf Karton. Schon die Umgebung zahlt hier ins Kunsterlebnis ein: Zahlreiche Performances von Künstlern, Musikern und DJs begleiten die heurige Ausgabe. Erstmals steht zum Finale am Sonntag auch eine Live-Auktion der Galerie Ostlicht auf dem Programm.
Ebenfalls im Pavillon 13 (Raum 12) stellt die kosovarische Künstlerin Albana Ejupi für die Galerie Lukas Feichtner unter dem Motto „Blues“ ihre Werke aus. Sie reflektiert über Intimität, wie sie heute gelebt wird: vermittelt durch Bildschirme, geprägt von Ablenkung und einer ständigen Sichtbarkeit ausgesetzt.
Ein Herz für Schweine
30 junge Künstlerinnen und Künstler werden unter dem Schlagwort „Artist Statement“ präsentiert: Die in China geborene Malerin Rui Cao hat ihren Raum mit Rindenmulch ausgelegt. Zwei Gemälde zeigen dicht gedrängte Schweine in einem Stall, ein Schweinekopf ist mit einem roten Herz in einer Zielfernrohr-Optik markiert, auf dem Boden liegt ein ausgeschnittenes und zerstochenes rosa Leinwandherz.
Die Parallel ist mittlerweile nicht nur Ausstellungsraum, sondern auch Spektakel und Happening. Zahlreiche Performances stehen auf dem Programm, die Gastronomie hat wie im Vorjahr Mochi übernommen – im Küchen-Duett mit Künstlerinnen und Künstlern.
Der Start der Parallel ist erst der Startpunkt in eine dichte Kunstwoche: Am Donnerstag feiert die Kunstmesse Astoria Artshow in einer Garage in der Josefstadt ihre Premiere, einen Tag später eröffnet das Galerienfestival curated by seine 17. Ausgabe. Das Zentrum heuer befindet sich im mumok in Wien.

