Die gern mordende Leichenbestatterin Blum hat dem Tiroler Bernhard Aichner zu Wohlstand und einer exzellenten Netflix-Serie verholfen. Nach neun Jahren holt sie ihr Schöpfer aus dem Ruhestand. „Totenfrau – die Rückkehr“ zeigt die Blum in verzweifelter Defensive.
Und schreiben kann der! Nicht zu vergleichen ist das mit den verkaufsstarken Instant-Blutsuppen. Bernhard Aichner, 54, geht es sanft an. Doch hat er sich einmal in die Seele seines Täters geschlichen, findet sich der Leser in der Hölle wieder.
In deren wohnlichster Ecke hat jetzt neun Jahre lang die Leichenbestatterin Brünhilde Blum von ihren Mordtaten ausgeruht. Sie bietet in Kroatien Segelkurse an und scheint im Frieden mit sich selbst. Da meldet sich ein Gespenst aus der Kindheit, und das Töten hebt wieder an. Aber nicht als greller Racheakt wie in den drei Vorgängerbänden. Sondern als Kampf ums Leben, verschärft durch die fassungslose Empörung der langsam begreifenden Tochter. Für die sie doch alles getan hat, auch das Schlimmste.
Und wie hätte es anders kommen können nach Blums eigener, noch dazu von familiärem Missbrauch verfinsterten Kindheit im ererbten Erwerbszweig? „Totenfrau – die Rückkehr“ beginnt mit einem Bild 35 Jahre vor den Ereignissen: „Wenn das kleine Mädchen die Tür zum Kühlraum öffnet, ist da dieser schrecklich süße Gestank. Früher hat er ihr Angst gemacht, jetzt ist er vertraut. Die Toten wollen ihr nichts Böses. Kalte, leblose Körper, die darauf warten, ein letztes Mal berührt zu werden.“

Totenfrau – Die Rückkehr (Die Totenfrau Serie, Band 4)
Nach drei mit Fortune verfilmten Bänden kommt Aichners Totenfrau zurück: Bei Brünhilde Blum klopft die Kindheit an. Rowohlt
2014 war die Blum eine literarische Sensation. Sie verwirklichte dem gelernten Fotografen Aichner den Traum, von der Literatur leben zu können, und wurde Protagonistin eines formidablen Netflix-Zwölfteilers mit Anna Maria Mühe. Jetzt darf auch diesbezüglich auf Fortsetzung gehofft werden.
Aichner ist Serientäter, aber der Gegenentwurf zu Kollegen wie Donna Leon, die den einmal ersonnenen Ermittler von den besten Jahren in die Vordemenz begleiten. Er etabliert ständig neue Protagonisten zur Serienreife, um die alten zu verdrängen.
Doch die Blum, sagt Aichner, leiste unter seinen drei großen „B“ den beharrlichsten Widerstand. Den Tiroler Totengräber Max Broll hat er 2016 nach vier Bänden zugunsten der Branchenkollegin Blum in Pension geschickt. Der vage autobiografische Pressefotograf Bronski hingegen, der 2023 zurücktreten musste, drängt noch im Kopf seines Schöpfers auf Wiederkehr. Leicht wird er es nicht haben. Denn die Blum, sagt Aichner, sei seine große Liebe.
Steckbrief
Bernhard Aichner
Bernhard Aichner geboren 1972 in Heinfels in Osttirol, ist ein österreichischer Schriftsteller und Fotograf. Nach Tätigkeiten als Kellner, Fotolaborant und Pressefotograf studierte er Germanistik und veröffentlichte im Jahr 2000 seinen ersten Erzählband. Der internationale Durchbruch gelang ihm 2014 mit dem Thriller „Totenfrau“. Seine Bücher wurden in 16 Sprachen übersetzt und mehr als eine Million Mal verkauft. Mehrere seiner Werke wurden verfilmt, darunter die „Totenfrau“-Reihe für ORF und Netflix. Aichner ist Mitinitiator des Krimifests Tirol und wurde vielfach ausgezeichnet. Er lebt mit seiner Familie in Innsbruck.
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 40/2025 erschienen.
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