Wer Thriller schätzt und trotzdem nicht auf literarische Qualität verzichten will, kommt bei Jo Nesbø, Birgit Birnbacher und Romy Fölck auf seine Rechnung. Wer den klassischen Who-Donnit-Krimi vorzieht, wird bei Anna Nicholas und Eva Almstädt fündig.
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Jo Nesbø: insel der Ratten
Die Romane über seinen Serienermittler Harry Hole verkaufen Millionen Exemplare. In seinem aktuellen Roman kommt Jo Nesbø ohne den Bringer aus. Die Dystopie führt in die USA. Eine Pandemie hat die Welt ins Chaos gestürzt, Banden regieren in den Metropolen. Der Hightech-Millionär Colin Lowe findet auf der titelgebenden „Insel der Ratten“ Zuflucht.
In einem ehemaligem Gefängnis richtet er für seine Familie und die Reichsten der Stadt ein neues Zuhause ein. Kurz vor der Abfahrt ermordet Colins Sohn die Tochter seines Freundes, die ihn zurückgewiesen hat. Furios erkundet der norwegische Meister des Grauens menschliche Abgründe.
Ullstein, € 20,95
Romy Fölck: Fünf Fremde
Der Meteorologe Mats Nilsson, die Nonne Charlotte Hahnel, Kommissarin Annika Lundt und Vogelwartin Michelle Welm besuchen unabhängig voneinander den Ort ihrer Kindheit, die Nordsee-Insel Neuwerk. Als die Journalistin Sinje Bianchi für eine Reportage anreist, bricht ein Orkan los und weckt Erinnerungen an ein Verbrechen, das 30 Jahre zurückliegt.
Lübbe, € 23,95
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„Susanne Zobls beste Seiten“
Anna Nicholas: Die Lockvögel
Die ehemalige Kommissarin Isabel Flores lebt wie ihre Schöpferin, die Britin Anna Nicholas, auf Mallorca. Flores will sich nur noch dem Handel mit Immobilien auf der Baleareninsel widmen. Da kommen wie Vorboten des Unheils die Hunde und Katzen des Nachbarn abhanden. Und dann verschwindet die junge Floristin Paloma Crespí. Klar, dass Flores zu ermitteln beginnt.
Diogenes, 19,95
Birgit Birnbacher: Sie wollen uns erzählen
Der kleine Oswald Haag, von allen Ozzy, genannt, kommt nicht darüber hinweg, dass er sich am Tod eines Schulkaninchens schuldig gemacht hat. Er will seiner Mutter erzählen, wie es dazu gekommen ist. Aber er leidet an ADHS und seine Mutter an Neurodivergenz. Sublim schildert Birgit Birnbacher, Bachmannpreisträgerin des Jahres 2019, wie der Neunjährige und seine Mutter zu kommunizieren versuchen.
Dann verschwindet die Großmutter, und Ann vertraut Ozzy ihrer Schwester an. Die nimmt das Kind während der Sommerferien in ihr Haus im Waldviertel mit. Und Ozzy ergreift die Flucht. Der Roman beginnt mit der liebevollen Schilderung einer Mutter-Sohn-Beziehung und kippt in einen Thriller von nervenaufreibender Intensität, die an Hitchcocks Meisterschaft erinnert. Eines der Atouts des Romans ist die stringente Art des Erzählens. Hier fehlt nichts zum herausragenden literarischen Resultat.
Zsolnay, € 24,70
Birgit Birnbacher
© IMAGO/serienlichtEva Almstädt: Die letzte Predigt
Seine Predigt über Freundschaft und Verrat sollte die letzte des Pastors Tammo Gerdes sein: Am Tag danach liegt er tot im Watt. Die Polizei weiß wieder einmal nicht weiter, so wie es in der Nordsee-Reihe von Eva Almstädt üblich ist. Die Anwältin Fentje Jacobsen und der Journalist Niklas John, der sich von seiner Katze Blofeld inspirieren lässt, ermitteln.
Lübbe, € 14,95
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 28+29/2026 erschienen.
