In der Ausstellung „Glanzstücke“ konfrontiert das Museum für angewandte Kunst (MAK) Meisterwerke seiner Sammlung mit Prunkstücken des Pariser Schmuckerzeugers Van Cleef & Arpels. Feinstes Juweliershandwerk trifft auf selten gezeigte Kostbarkeiten (bis 27. September 2026).
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Zartes, gleißendes Licht fällt auf einen prächtigen Teppich im Zentrum des abgedunkelten Saals. Das wertvolle, sieben Meter lange Gewebe aus dem 17. Jahrhundert darf nur zu besonderen Anlässen ans Licht der Öffentlichkeit. Ein solcher ist die eben eröffnete Ausstellung „Glanzstücke“ im Wiener Museum für Angewandte Kunst (MAK).
Reise durch Zeiten und Kulturen
Preziosen des französischen Schmuckerzeugers Van Cleef & Arpels werden da Meisterstücken aus der hauseigenen Sammlung gegenübergestellt. Orientiert habe man sich nach Gemeinsamkeiten um den Jugendstil, erklärt MAK-Direktorin Lilli Hollein beim Gang durch die Räumlichkeiten. Ihr Haus repräsentiert den Wiener Jugendstil, die Maison Van Cleef & Arpels wurde 1906 in der Blüte der Pariser Version dieser Kunstrichtung gegründet.
Naheliegend also, Analogien zu ergründen. So entstand eine „Schau der Superlative und eine Entdeckungsreise, die mäandernd durch Zeiten und Kulturen führt“, so Hollein. Das klingt angesichts der Preziosen sogar noch untertrieben. Denn schon die Inszenierung der Ausstellung für sich ist ein Kunstwerk. Das in Paris ansässige japanische Atelier Tsuyoshi Tane (ATTA) lässt in einem labyrinthartigen Szenario von sechs Abschnitten Erzeugnisse der Haute Joaillerie in den Dialog mit Meisterwerken der MAK-Sammlung treten. „An der Schwelle zu einem Gebäude des 19. Jahrhunderts (des Museums, Anm.) verblasst der Alltag, und die Grenzen von Zeit und Raum beginnen zu verschwinden“, schildert Tane sein Konzept.
Bereits der erste Abschnitt mit dem Titel „Wanderlust“ vereint die Welt der portugiesischen Eroberer mit Luxus aus dem beginnenden 20. Jahrhundert. Den verkörpert die Miniatur-Nachbildung einer Yacht namens Varuna. Wilde Wogen aus hellgrünem Jaspis erzeugen die Illusion eines auf hoher See treibenden Schiffs. Die Yacht selbst ist aus Email gefertigt. Jede Luke, jeder Mast ist detailliert nachgebildet. Das Objekt selbst fungierte einst als Tischglocke.
Hollein: „Mir war bei der Gegenüberstellung der Objekte wichtig, dass das Publikum spürt, wie freudvoll dieser Dialog gestaltet wurde und dass die Objekte unserer Sammlung selbst, wenn sie beispielsweise aus Papier sind, mindestens ebenbürtige Pendants der glitzernden Stücke sind.“
Als Beispiel führt sie die spezielle Technik, die Van Cleef für das unsichtbare Fassen von Steinen entwickelt hat, mit einem Henkelkorb von Koloman Moser, einem Erzeugnis der Wiener Werkstätten aus dem Jahr 1907 an. „Hier trifft eine nahezu ingenieurhafte Technik auf konstruktionsgetriebene Ästhetik“, so Hollein. Einzigartig sei die Art, wie die Rubine, Smaragde und Saphire geschliffen wurden.
Der Henkelkorb (1907) von Josef Hoffmann, ein Erzeugnis der Wiener Werkstätten.
© MAK/Georg MayerVerblüffend ähnliche Kunst des Ornaments: Unabhängig voneinander entstanden der Entwurf für einen Wiener Werkstätten-Stoff von Max Sinischek 1929 und die ikonischen Broschen in Form von Blumen-Silhouetten aus Gold, Rubinen und Diamanten des Pariser Juweliers im Jahr 1937.
© MAK1933 ließ sich das Unternehmen die „Serti Mysterieux“ genannte Juwelierskunst patentieren. Jedes einzelne Stück ist von Hand geschliffen und wird in ein filigranes Schienensystem aus Platin oder Gold geschoben, das für den Betrachter unsichtbar bleibt. Das erfordert Hunderte von Arbeitsstunden.
Die Ausstellung führt indes weit über die bloßen Kunstfertigkeiten hinaus. „Wir haben auch eine Möglichkeit gefunden, eine außergewöhnliche Frauenbiografie abzubilden“, sagt Hollein und führt zu einer Vitrine, in der eine aus Gold konstruierte globusartige Skulptur den Blickt fängt. „Das ist unsere Armillarsphäre“, erläutert sie mit Stolz. Leuchtende Sternbroschen und eine mit Diamanten besetzte Halskette, die ein Flugzeug trägt, wurden darüber auf filigranen, nahezu unsichtbaren Halterungen in eine Art Schwebezustand versetzt.
Blick in den Kosmos und den Schmuck einer legendären Pilotin: Die Amillarsphäre aus der MAK-Sammlung und das Collier der Pilotin Jacqueline Auriol. Das auf Ausstellungsmontage spezialisierte Unternehmen Adaptiv versetzte die Schmuckstücke in den Vitrinen in einen optischen Schwebezustand.
© © MAK/Hanady MustafaDie Kette ließ der französischen Industrielle Marcel Dassault für Jacqueline Auriol anfertigen. Die 1917 geborene Französin und studierte Kunsthistorikerin ließ sich als Pilotin ausbilden und wurde Teil einer Fliegerstaffel. 1953 durchbrach sie als erste Europäerin die Schallmauer.
Gäbe es etwas wie eine Schallmauer für die Präsentation von Luxusgütern, Lilli Hollein würde sie durchbrechen.
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 27/2026 erschienen.
