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Georg Desrues über Triests gastronomische Vielfalt

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Erich Bernard, Georges Desrues (v. li.)

©Foto: Getty Images/Connect Images, Styria Verlag

Triest ist zwar nicht groß, die gastronomische Dichte ist aber enorm. Wir fragen Autor Georges Desrues, wie sich der Tourismus auf die Stadt auswirkt, was man kosten soll, was man sich sparen kann.

Triest gilt mittlerweile als beliebter Zweitwohnsitz für Österreicher, Deutsche und Kroaten, die großen Kreuzfahrtschiffe legen ebenfalls gerne in Triest an. Hat das Einfluss auf die bis dahin so eigenständige Triestiner Gastronomie?

Die Kreuzfahrtschiffe haben keinerlei Einfluss, weil die Kreuzfahrer nichts dalassen. Und die Zweitwohnsitzer spürt man auf der Ebene eigentlich auch nicht wirklich. Es gibt halt immer mehr nichtssagende Lokale, die so Brettljausen mit Prosciutto, Mortadella, Käse und dergleichen auf Hochtischen verkaufen. Ein wenig wie überall in Italien, wo Touristen sind.

Triest galt lange als sterbende, alte Stadt. Das hat sich spätestens mit dem EU-Beitritt Sloweniens geändert, da Triest jetzt wieder Hinterland hat. Lieben die „jungen“ Triestiner Kaiserfleisch, Golas und Jota genauso wie die alten?

Triest verliert nach wie vor im Schnitt 1.000 Einwohner im Jahr, stirbt also weiter. Viele der alten Buffets im Zentrum verkaufen, werden danach zwar als Buffets weitergeführt, das allerdings mehr als Konzept, nicht wirklich mit Leben gefüllt.

Die Karst-Weine erlebten in den vergangenen 20 Jahren eine tolle Renaissance. Profitierte Triest davon? Wurde Triest zu einer Wein-Metropole?

Der Erfolg der Karst-Winzer war vielleicht sogar etwas zu groß, Skerk, Zidarich, Skerl & Co verlangen über 35 Euro pro Flasche – für die Gastronomen ein Ding der Unmöglichkeit. Es gibt allerdings einige Weinbars, die sich auf die sich auf die in der Gegend ja stark vertretenen Naturweine spezialisieren und die gehen gut, auch wegen der Touristen, die solche Weine anziehen.

Was sollte man unbedingt kosten, wenn man in Triest ist, was kann man getrost bleiben lassen?

Eben die großartige Jota, die panierten Sardellen, Baccalà-Aufstrich, handgeschnittenen Beinschinken, ein Zungen-Semmerl mit Kren beim Da Pepi, die Gulaschsuppe im Approdo, die Fischsalate im Eataly, die Fischsuppe und den Baccalà alla Vicentina im Salvagente, die Seespinne im Menarosti, den hausgemachten Prosciutto in der Osmiza am Karst, die Bigoli a cassopipa in der Tavernetta al Molo. Sparen kann man sich die Original-Sachertorte im Caffè Sacher, die Brettljausen in der Via Cavana, die Pizza „al taglio“, die grassierenden Poke-Bowls und Ramen-Lokale.

Steckbrief

Georges Desrues

Georges Desrues, 60, wurde in Paris geboren, wuchs in Wien auf, arbeitete in Wiens Szene-Gastronomie und besuchte die Slow-Food-Universität. Seither arbeitet er als Autor und Reporter mit Schwerpunkt Essen und Trinken für Magazine im In- und Ausland. Seit über 20 Jahre lebt Desrues in Italien, die letzten zehn davon in Triest.

Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 28/2026 erschienen.

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