Eine Organisation, die sich für die köstliche Verbesserung der Welt einsetzt, aber kein elitärer Foodie-Verein sein will. Wie das klappen kann, fragen wir Daniela Wiebogen, Geschäftsführerin von Slow Food Österreich.
Bei seiner Gründung haben viele noch die Nase gerümpft und gemeint, dass es wohl zuerst um Ernährung der Weltbevölkerung gehen müsse als um das Recht auf Genuss. Das hat sich mittlerweile geändert, der Dekadenz-Verdacht steht bei Slow Food nicht mehr im Raum, oder?
Genuss wurde nie als Selbstzweck verstanden, sondern als Schlüssel für Veränderung. Carlo Petrini hat schon früh darauf hingewiesen, dass hochwertige, gesunde, kulturell verankerte Lebensmittel kein Luxus sein sollten, sondern ein Recht für alle Menschen.
Deshalb sprechen wir auch nicht nur von gutem Essen, sondern von Lebensmitteln, die „gut, sauber und fair“ sind – Genuss, verbunden mit ökologischer Verantwortung und sozialer Gerechtigkeit. Der eigentliche Widerspruch besteht meiner Meinung nach darin, dass wir momentan in einem Ernährungssystem leben, in dem solche Lebensmittel oft als Luxus wahrgenommen werden, obwohl sie eigentlich die Norm sein sollten.
Slow Food ist mittlerweile eine riesige internationale Organisation. Wie finanziert sie sich? Und gibt es eine interne Umverteilung von „reichen“ Slow Food-Organisationen zu „armen“?
Slow Food ist weniger eine zentrale Organisation als vielmehr ein internationales Netzwerk. Slow Food Österreich ist als gemeinnütziger Verein organisiert und finanziert sich selbstständig. Die wichtigste Säule unserer Finanzierung sind Mitgliedsbeiträge und Spenden, öffentliche Mittel erhalten wir nur punktuell für einzelne Projekte.
Umgekehrt leisten wir jährlich einen Beitrag an Slow Food International und tragen damit zur Finanzierung des internationalen Netzwerks bei. Wenn man so will, ist das eine Form von Solidarität innerhalb unserer Bewegung.
Ja, die Entwicklungen der letzten Jahrzehnte geben durchaus Anlass zur Sorge
Wie findet die Auswahl der Kooperationspartner statt? Ist jeder willkommen oder gibt es Ausschlusskriterien?
Bei unseren Mitgliedsbetrieben – Produzentinnen, Lebensmittelhandwerker und Gastronominnen und Gastronomen – arbeiten wir mit Kriterien, mit denen wir die Slow-Food-Prinzipien „gut, sauber und fair“ für österreichische Bedingungen übersetzt haben. Uns ist wichtig, dass transparent und nachvollziehbar ist, warum ein Betrieb Teil unseres Netzwerks ist.
Grundsätzlich aber ist jede und jeder willkommen, der unsere Kriterien erfüllt und unsere Werte teilt. Bei Kooperationsprojekten arbeiten wir ausschließlich mit Organisationen zusammen, deren Werte und Ziele mit unseren Grundsätzen vereinbar sind. Dazu zählen beispielsweise Organisationen aus der nachhaltigen Landwirtschaft wie die Bio Austria.
Ist der Kampf gegen Landraub, Industrialisierung, Vereinheitlichung und Qualitätsverschlechterung der Nahrungsmittel nicht eigentlich schon verloren? Oder gibt es da noch berechtigte Hoffnung?
Nein, ich glaube nicht, dass dieser Kampf verloren ist. Sonst würden wir uns nicht jeden Tag für eine Veränderung hin zu einer zukunftsfähigen Ernährungs- und Esskultur einsetzen. Ja, die Entwicklungen der letzten Jahrzehnte geben durchaus Anlass zur Sorge, gleichzeitig merken wir, dass das öffentliche Interesse an der Herkunft von Lebensmitteln, an Biodiversität, Bodengesundheit und fairen Preisen für Bäuerinnen und Bauern wächst.
Viele Themen, für die Slow Food seit Jahrzehnten eintritt, sind heute Teil einer breiten gesellschaftlichen Debatte. Ich bin überzeugt, dass Veränderung möglich ist, wenn wir bereit sind, jene Menschen zu unterstützen, die heute schon zeigen, wie gute, saubere und faire Lebensmittelproduktion funktioniert.
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 26/2026 erschienen.







