Tarek Leitner: „Für die ZiB brauchst a G’spür“

Denkt man an die „Zeit im Bild 1“, denkt man an Tarek Leitner. Der Moderator führt das ORF-Publikum bereits seit 2004 ebenso professionell wie sympathisch durch die reichweitenstärksten Nachrichten des Landes. Abgehoben ist er trotz seines Erfolges keineswegs, vielmehr legt Leitner Wert auf Augenhöhe – mit Publikum als auch Kolleg:innen. Ein Porträt.

von Tarek Leitner: Moderator der "Zeit im Bild" auf ORF im Studio am Küniglberg © Bild: Elke Mayr

Steckbrief Tarek Leitner

  • Name: Tarek Leitner
  • Geboren: Am 25. September 1972 in Linz
  • Wohnort: Wien-Neubau
  • Ausbildung: Studium der Rechtswissenschaften (Mag. iur.)
  • Beruf: Moderator, Autor und Journalist
  • Familienstand: verheiratet mit Claudia Lahnsteiner
  • Kinder: zwei Töchter

Seit 2004 präsentiert Tarek Leitner allabendlich das Weltgeschehen in der „Zeit im Bild“ um 19.30 Uhr – also seit beinahe 20 Jahren. Was treibt einen nach so langer Zeit im selben Job immer noch tagtäglich an, einen guten Job zu machen, wie motiviert man sich? „Ich kann immer noch jeden Tag über die Welt staunen“, sagt Tarek Leitner dazu im Interview mit News.at. Mehr noch werde sie ihm mit jedem Tag rätselhafter, weshalb er sie ergründen möchte – „und auch dazu beitragen, dass sie nicht zerbricht“, erklärt er.

Tarek Leitner: Moderator der "Zeit im Bild" auf ORF im Studio am Küniglberg
© Elke Mayr Tarek Leitner in der für das Publikum gewohnten Umgebung: Dem "ZiB"-Studio im ORF

Die zumutbare Wirklichkeit

Damit spielt er natürlich in erster Linie auf die Corona-Pandemie an, die seit zwei Jahren unser aller Leben beherrscht und die Gesellschaft zunehmend spaltet. Hier setzt Leitner an und versucht „trotz klarer persönlicher Haltung in manchen Fragen“ vereinend zu wirken. „Selbstverständlich transportieren wir die Wirklichkeit, wie wir sie recherchieren und erkennen, auch wenn so manche Menschen erwiesenermaßen Irrtümern aufsitzen“, sagt Leitner. Die Kunst bestehe darin, „ihnen die Wirklichkeit näherzubringen, sodass sie diese als zumutbar empfinden.“

»Man kann schon einmal ein Stück vorausgehen, aber sollte natürlich Sichtkontakt mit dem Publikum halten«

Doch nicht nur in Bezug auf die Pandemie ist Tarek Leitner ein Zusammenführen wichtig. Im Jahr 2019 sorgte er etwa als erster „ZiB“-Moderator, der genderte, also Frauen nicht mehr nur „mitmeinte“, sondern sie auch gezielt ansprach, für Schlagzeilen – und wohl auch für Kritik von vielen Zuseher:innen. Haben sich diese inzwischen daran gewöhnt? „Man kann schon einmal ein Stück vorausgehen, aber sollte natürlich Sichtkontakt mit dem Publikum halten“, sagt er heute zu seinem Schritt damals, der richtig und wichtig war, aber eben auch nicht allzu zu groß ausfallen dürfe.

Tarek Leitner und Sebastian Kurz
© APA/Hochmuth Tarek Leitner beim Sommergespräch 2017 mit Ex-Kanzler Sebastian Kurz

„Für die ZiB brauchst a G’spür“

Vorausgehen, Sichtkontakt halten, alle „einfangen“ – und das stets mit der feinen Klinge. Wie gelingt dem ORF-Anchor diese Gratwanderung? „Für die ZiB brauchst a G’spür“ findet der Moderator, der wohl nicht zuletzt genau deshalb oftmals als „Info-Allzweckwaffe des ORF“ beschrieben wird und neben der „ZiB“ auch schon Sommergespräche (2017) moderiert hat sowie immer wieder für diverse Diskussionsrunden im Einsatz ist. Es gehe, erklärt er, eben oft nicht nur darum, welche Informationen zu transportieren seien, sondern auch viel um die Tonalität, eine Ausgewogenheit sowie die Tagesverfassung des Publikums. Und diese Dinge könne man sich nicht „anlesen“ die müsse man einfach „spüren“. Eine Eigenschaft, die er übrigens auch seiner Mitmoderatorin Nadja Bernhard, mit der er seit 2015 in Doppelconference tätig ist, attestiert.

Tarek Leitner und Nadja Bernahrd
© ORF/Thomas Ramstorfer Tarek Leitner mit Moderationspartnerin Nadja Bernhard

Tarek Leitner, uneitler Teamplayer

Dieses Kompliment an die Kollegin unterstreicht wohl auch, was über den Tarek Leitner abseits der Kameras gesagt wird: Er gilt als uneitel, netter Kollege und Teamplayer, „der auch in Stresssituationen nie ungut wird“, schrieb ihn etwa der „Falter“ 2017 mit Verweis auf Kolleg:innen über ihn.

Tarek Leitner, der Autor

Zudem sei Leitner ein Einzelgänger; in keinem ORF-Freundeskreis und keiner „Twitterblase“ aktiv. Letzteres unter anderem wohl auch deshalb, weil er in den sozialen Medien gar nicht präsent ist. Tarek Leitner besitzt kein Profil auf Facebook, Twitter und Co.. Vielmehr widmet er sich abseits der Kameras dem gedruckten Wort. Lesend (der Ordnungs-Liebhaber soll in jedes Buch eintragen, wann er es gelesen hat) aber vor allem auch schreibend. „Das Schreiben von Büchern macht mir immer mehr Freude, weil das 200-seitige Buch ist so der Antipode zur 20-sekündigen Moderation“ sagte er 2021 in einem Interview mit „krone.at“.

Tarek Leitner: Moderator der "Zeit im Bild" auf ORF im Studio am Küniglberg
© Elke Mayr Tarek Leitner: Abseits des TV als Autor aktiv

Gegen die Verschandelung unserer Lebensräume

Vier Bücher hat er bereits veröffentlicht, das fünfte steht kurz davor. Dreimal widmete er sich unseren Lebensräumen bzw. der Verwandlung dieser. So handelt das in kürze erscheinende Buch „Der Siebte“ vom Wiener Gemeindebezirk Neubau als „Laboratorium dafür, wie sich das Leben in der Stadt verändern kann“. Auch schon in zwei Werken davor („Mut zur Schönheit“ und „Wo leben wir denn?“) fokussierte er nicht ganz unähnliche Themengebiete, nämlich den verschwenderischen Umgang mit der Landschaft bzw. der Verschandelung dieser. Woher kommt diese Passion? „Sie [Anm.: die Bücher] gründen auf meinem Unwohlsein, wenn ich ins Salzkammergut fahre. Fast jedes Mal sehe ich irgendwo neue Ungetümer entstehen. Jedes für sich genommen ist nicht der Rede wert. Aber in Summe und über die Jahre ist das nicht erträglich“, erklärt Leitner. Ist diese „Verschandelung“ bzw. Verbauung inzwischen ein breit diskutiertes Thema, schrieb Leitner vor zehn Jahren bereits darüber. Sein Anliegen, einen Beitrag dazu zu leisten, dass „die Welt nicht zerbricht“, es blitzt auch hier durch.

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"Der Siebte" als Heimat

Sein eigener Mittelpunkt der Welt ist übrigens ebenjener Bezirk, den er im neuesten Buch beschreibt: Der „Siebte“, also Wien-Neubau. Hier lebt Tarek Leitner seit langem – und das gerne: „Dieser Bezirk ist ein Dorf. Aber er ist deshalb so großartig, weil dieses Dorf mitten in der Großstadt liegt.“

Kindheit und Elternhaus

Geboren wurde er allerdings nicht in Wien, sondern 1972 in Linz. Er wuchs dort bei seiner Mutter auf und besuchte eine katholische Privatschule, wo er in Zeiten Waldheims oder des Aufstiegs Jörg Haider politisiert wurde. Neben der Schule engagierte er sich bei den Pfadfindern, wo er unter anderem Umweltprojekte organisierte oder Kinder und Jugendliche mit Behinderungen integrierte.

Ein Buch über den Vater

Seinem Vater widmete Tarek Leitner mit „Berlin – Linz“ ein ganzes Buch. Er beschreibt darin, wie dieser zweimal den Weg von Berlin nach Linz auf der Reichsautobahn zurückgelegt hat; „einmal im Jahr 1938 mit dem Auto, als diese Straßen Propaganda des Machtrauschs waren – und einmal im Jahr 1945 mit dem Fahrrad, als der Kontinent in Trümmern gelegen ist“ und spürt im Text nach „wie ein Leben zu dem wird, was es am Ende gewesen ist.“

»Anständigkeit braucht nicht immer einen großen theoretischen moralisch-ethischen Überbau. «

Wie ihn diese Geschichte beziehungsweise generell das Elternhaus in Linz geprägt hat? Leitner: „Es gibt auch so etwas wie die Banalität des Guten. Davon wurde ich geprägt. Anständigkeit braucht nicht immer einen großen theoretischen moralisch-ethischen Überbau. Manchmal sind es kleine Dinge des Alltags, die einen Menschen prägen.“

Tarek Leitners Karriere: Anfänge und Aufstieg

Noch als Schüler begann der heutige News-Anchor seine journalistische Karriere im ORF-Landesstudio Oberösterreich. Während der Ferien jobbte er als Regieassistent, später im Aktuellen Dienst. Nach der Matura absolvierte er das Studium der Rechtswissenschaft und wechselte als Reporter nach Wien. Im Jahr 1999 erlangt er größere Bekanntheit mit seinem Einsatz beim Lawinenunglück in Galtür und wenig später moderiert er erstmals die „Zeit im Bild“-Formate, darunter auch die „ZiB 1“ wofür er auch dreimal mit einer Romy als beliebtester Moderator ausgezeichnet wurde.

Tarek Leitner mit Frau
© imago/SKATA Tarek Leitner mit Ehefrau Claudia Lahnsteiner

Familie und Kinder

War es also seine beste Entscheidung, damals neben der Schule beim ORF zu jobben? Nein, winkt er ab: „Meine beste Entscheidung war, vor über 20 Jahren hartnäckig hinter einer Frau her gewesen zu sein. So leicht war das nicht. Wiesehr vieles, was mir gelungen ist, mit ihr zusammenhängt, wird mir erst nach und nach bewusst.“ Diese Frau, die Tarek Leitner für sein Glück (mit)verantwortlich macht, ist seine Ehefrau Claudia Lahnsteiner, ebenfalls ORF-Mitarbeiterin, mit der er zwei Töchter hat. Die Mädchen würden ihren Papa wiederum ein bisschen mit der Figur des Otto aus „Walking on Sunshine“ vergleichen. „Vielleicht haben sie ein bisserl recht“, schmunzelt Leitner zu diesem Vergleich.

tarek leitner mit familie
© imago/SKATA Tarek Leitner mit seiner Familie (2009)

Ausgleich und Erholung

Recherchieren, moderieren, Bücher schreiben, Kinder groß ziehen,… Langeweile dürfte bei dem vielbeschäftigten ORF-Star kaum herrschen. Erholung findet er im Salzkammergut, wo er mit seiner Frau ein Haus besitzt. „Es gibt keinen Ort, an dem ich besser ausspannen und mich sammeln kann“, sagt er. Das tolle dort? Unter anderem die schlechte Internetverbindung im Haus, lacht er. „Dadurch vorübergehend von manchen Nachrichten abgeschnitten zu sein, ist ein Genuss.“

Was die Zukunft für Tarek Leitner bringt

Zum Genuss zählt für ihn auch immer wieder einmal etwa eine gute Zigarre – oder ein Bier nach der „ZiB“. Die „ZiB“ und Tarek Leitner, das scheint irgendwie unzertrennbar. Gibt es – abgesehen vom Bier – Pläne für ein etwaiges danach? „Nach dem Bier denke ich über das nächste Buch nach. Weil ‚Der Siebte‘ geht ja schon bald in Druck“, lacht er.