Wer ist Lou Lorenz-Dittlbacher?

Über 10 Jahre moderierte sie die "ZiB2", nun wird sie ORF-III-Chefredakteurin. Eigentlich wollte sie Lehrerin werden

Über zehn Jahren war sie nun eines von drei Gesichtern der „Zeit im Bild 2“: Lou Lorenz-Dittlbacher. Nun wird sie ORF-III-Chefredakteurin und folgt auf Ingrid Thurnher. Was zeichnet Lorenz-Dittlbacher aus? Und wer ist die Frau abseits des Bildschirms?

von Lou Lorenz-Dittlbacher © Bild: ORF/Thomas Ramstorfer
  • Name: Marie-Louise Lorenz-Dittlbacher (geb. Lorenz)
  • Geboren am: 19. August 1974 in Wien
  • Beruf: Journalistin und Moderatorin der "ZiB2" auf ORF (bis 2021), ab Jänner 2022 ORF-III-Chefredakteurin,
  • Familienstand: Verheiratet mit Fritz Dittlbacher
  • Kinder: eine Tochter

Eigentlich hatte Lou Lorenz-Dittlbacher gar nicht geplant, vor einem Millionenpublikum zu stehen, sondern nur vor wenigen Zuhörern. Sie wollte eigentlich Lehrerin werden und begann nach ihrer Matura ein Lehramtsstudium für Französisch und Latein. Doch nach wenigen Semestern kam die Einsicht, dass das doch nichts für sie war und der Wechsel zu einem Hochschulkurs für Europajournalismus inklusive Jobs bei diversen Zeitungen. Erste TV-Erfahrungen machte Lorenz-Dittlbacher beim Wiener Privatsender „wien1“ bevor sie 1999 zum ORF kam. Dort war sie als Redakteurin der „Zeit im Bild“ tätig, moderierte Kurzausgaben oder Wahlformate und wirkte an der Entwicklung der „ZiB 24“ mit, bevor sie 2010 die „ZiB2“-Moderation übernahm.

Ab Jänner 2022 ORF-III-Chefredakteurin

Im Dezember 2021 wurde bekannt, dass Lou Lorenz-Dittelbacher mit Jänner 2022 die "ZiB2" verlassen wird und die Chefredaktion von ORF III von Ingrid Thurnher (die zur ORF-Radiodirektorin aufsteigt) übernehmen wird. "Lou Lorenz-Dittlbacher ist eine der profundesten Journalistinnen des Landes und vielfach ausgezeichnet", streute Wrabetz der Wienerin Rosen. Und auch Roland Weißmann steht via Aussendung dem Lob in Nichts nach: "Es freut mich sehr, eine TV-Persönlichkeit wie Lou Lorenz-Dittlbacher für diese so wichtige Management-Aufgabe gewonnen zu haben."

»Fakten von Fake News zu trennen, gehört zu den großen Aufgaben, die uns die Pandemie gestellt hat.«

Lorenz-Dittlbacher selbst hat dabei klare Vorstellungen von ihrer künftigen Rolle: "Fakten von Fake News zu trennen, gehört zu den großen Aufgaben, die uns die Pandemie gestellt hat. Ich möchte mich als Chefredakteurin von ORF III mit einem jungen, engagierten Team dieser Aufgabe stellen." Für Lorenz-Dittlbacher übernimmt Margit Laufer den Posten in der "ZiB2".

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Von Fischer bis Stronach

Von 2010 bis 2021 war Lorenz-Dittelbacher Anchorwoman der "ZiB2". In ihrer ersten Sendung, am 8. Juli 2010 - ihre Tochter war zu diesem Zeitpunkt gerade einmal zwei Monate alt – interviewte sie Alt-Bundespräsident Heinz Fischer. Seit diesem Tag befragte unzählige Gäste zu den diversesten Themen live auf Sendung. Ein Gast, der Lorenz-Dittlbacher auch Jahre danach noch gut in Erinnerung ist, war Frank Stronach. Gerne erwähnt sie dieses Interview aus dem Jahr 2012, wenn sie nach ihrem schwierigsten gefragt wird. „Schon während des Beitrags wurde klar, dass er mit der Berichterstattung nicht einverstanden war und nach dem Beitrag wollte er das sofort deponieren ohne überhaupt eine Frage abzuwarten. Das war ein Regelbruch, da war ich zunächst einfach baff“, erzählte die Moderatorin im Gespräch mit News.at.

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Themen-Vorlieben und keine Abneigungen

Eine Abneigung gewissen Themen gegenüber hat Lorenz-Dittelbacher nicht: „Ich glaube, ich hatte schon einmal jedes Thema. Ich mag auch Sport.“ Eine kleine Vorliebe sei alles Politische, das möge sie schon „wahnsinnig gern“. Und: Seit Corona findet sie auch wissenschaftliche Themen "sehr interessant".

Die Kollegen

Die „ZiB2“ moderierte Lorenz-Dittlbacher aber nicht alleine. Neben Martin Thür zählt auch der vielfach ausgezeichnete Journalist Armin Wolf zu den Gesichtern der Nachrichtensendung. Einen Vergleich mit musste Lorenz-Dittlbacher aber keineswegs scheuen. Auch sie fragte, wenn es sein musste, gnadenlos nach, auch sie unterbrach ihre Gäste, wenn es sein muss, um zu einer Antwort zu gelangen - zum Leiden der Zuseher:innen.

»Ich mache es schon lange genug, dass ich glaube, dass man weiß, wofür ich stehe «

Lorenz-Dittlbacher, die abseits ihrer Bildschirmpräsenz eine erfrischende „Jungmädchenart“ versprühe, wie einst „Der österreichische Journalist“ schrieb, agiert on air stehts höchst professionell. Und auch off air. Auf Wolf und mögliche Vergleiche angesprochen meinte sie im News.at-Interview: „Ich mache es schon lange genug, dass ich glaube, dass man weiß, wofür ich stehe und wofür er steht. Und wir beide, wie auch Martin Thür, wollen dasselbe für die Sendung. Und damit hat es sich“, gibt sich die Moderatorin nach zehn Jahren gebührend selbstsicher wie auch kollegial.

Teamplayerin

Überhaupt ist die Moderatorin trotz Scheinwerferlicht eine Teamplayerin geblieben und legt auch viel Wert darauf. „Ich glaube, dass ich für meine Kollegen noch immer die bin, die die ich vor 15 Jahren auch war und das schätzen glaube ich viele und ist mir auch wichtig“, sagt sie zu News.at. Jederzeit steht sie für Rat jeglicher Art – gerade auch für junge Kolleginnen – zur Verfügung. Auch in einem Moment des eigenen Ruhmes, dem besagten Zehn-Jahres-Jubiläum, gibt sie das Lob des Kollegen via Twitter mit „It's the team, stupid!“ auch umgehend in gewisser Weise zurück.

Das Elternhaus

Dieser Gemeinschaftssinn ist wohl auch kein Zufall. „Dass man auf andere schaut, Solidarität im weitesten Sinne“ wurde im Elternhaus groß geschrieben. Familie Lorenz, mit ihrer einzigen Tochter Lou - geborene Marie-Louise - ist eine klassische Mittelstandsfamilie aus Wien-Ottakring. Sehr ungewöhnlich für die Generation die vor dem Krieg geboren ist, machten beide Eltern bereits Matura. „Es war eigentlich auch klar, dass sie das von mir erwarten“, so die Tochter. Bildung sei, wie auch Kultur und Reisen, ein weiterer wichtiger Faktor ihrer Kindheit gewesen. „Meine Eltern haben mir mitgegeben, dass man etwas aus seinem Leben machen soll, aus den Chancen, die einem gegeben werden“, so die 1974-geborene, die sich den 19. August als Geburtstag übrigens mit Kollegen Wolf teilt.

Lou Lorenz-Dittlbacher
© imago/SKATA Lou Lorenz-Dittlbacher mit ihrem Gatten, Fritz Dittlbacher (2011)

Eigene Familie

Selbst ist Lorenz-Dittlbacher seit 2010 Mutter einer Tochter, Vater ist der ORF-Journalist Fritz Dittlbacher. Den größten Unterschied zur eigenen Mutter sieht die Moderatorin darin, dass sie selbst berufstätig sei, die Mutter gab nach der Geburt Lous ihre Berufstätigkeit einst auf. Sonst gebe sie aber vieles aus dem eigenen Elternhaus auch Tochter Emma weiter.

Kein "Society-Girl"

So oft man Lorenz-Dittelbacher im TV sieht, so selten sieht man sie auf klassischen Society-Events. Durch ihre abendliche Arbeit gehe sie „relativ geizig“ mit den restlichen, freien Abenden um, „da lebe ich mein Privatleben“. Das könnte sich eventuell bald ändern, wenn sie nicht mehr ab 22 Uhr vor der Kamera stehen muss.