Nadja Bernhard: So tickt die "ZiB"-Moderatorin

Österreich kennt Nadja Bernhard als die Frau, die uns täglich die Nachrichten um halb 8 Uhr abends präsentiert. Doch wie tickt die "Zeit im Bild"-Moderatorin abseits der Kameras? Wie kam sie, in Kanada geboren, nach Österreich? Wie geht sie mit der Corona-Krise um und wobei schaltet sie ab? Und wie versteht sie sich off air mit ihrem Kollegen Tarek Leitner?

von Nadja Bernhard © Bild: imago images/SKATA

Steckbrief Nadja Bernhard

  • Name: Nadja Bernhard
  • Geboren: Am 17. September 1975 in Windsor, Kanada
  • Aufgewachsen in: Kanada und der Südsteiermark
  • Ausbildung: Matura am Gymnasium Leibnitz, danach Studium Publizistik und Kunstgeschichte an der Universität Wien
  • Beruf: Journalistin, Moderatorin der "Zeit im Bild 1" (19.30 Uhr) im ORF
  • Familienstand: Ledig
  • Kinder: Keine

Normalerweise ist sie die Frau, die tausenden Fernsehzuschauern die Nachrichten übermittelt, doch Nadja Bernhard wird hin und wieder auch selbst zur Nachricht, etwa wenn sich etwas in ihrem Privatleben tut oder etwa als sie selbst an Corona erkrankte. Wichtig ist ihr, etwa im Hinblick auf die Pandemie, wo zwischendurch schon mal der Optimismus abhanden gekommen sei, stets die Ruhe zu bewahren.

Herausforderungen

Das gilt auch für den Job, wo in den letzten zwei Jahren mitunter die größte Herausforderung gewesen sei, "das Publikum gut informiert, sachlich und unaufgeregt durch diese Pandemie zu führen“, sagt Bernhard im News.at-Interview 2021. Doch Herausforderungen sind und waren für die Moderatorin noch nie ein Problem, vielmehr „ein täglicher Antrieb“, der den Job auch nach einigen Jahren immer noch spannend mache.

Nadja Bernhard
© APA/Punz Nadja Bernhard mit ihrer Romy. "Natürlich freut man sich über jede Form der Anerkennung. Das wichtigste Lob ist mir aber jenes meiner Mutter. Sie ist sehr streng! "

Umgang mit Lampenfieber

Was sich jedoch in den Jahren vor der Kamera verändert hat, ist das Lampenfieber: Nervosität empfindet die Moderatorin schon lange nicht mehr, erzählt sie. Wenn dann allenfalls eine Anspannung, „wenn gerade etwas ausbricht und die Sendung daher unvorhersehbar ist.“

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Das "ZiB1"-Duo: Nadja Bernhard und Tarek Leitner

Was aber auch Unvorhergesehenes geschieht, Bernhard muss sich dem nie alleine stellen. Seit 2015 moderiert sie die „Zeit im Bild“ gemeinsam mit Tarek Leitner. Eine Arbeitsgemeinschaft, die nach den Jahren mehr geworden sei, nämlich Freundschaft, erzählt Bernhard. Diese „Sympathie, die Tarek und mich verbindet“, spüre man wiederum auch zuhause vor dem Bildschirm, wie Bernhard oft rückgemeldet bekomme. Unter den diversen Stimmen des Lobes ist der Moderatorin aber vor allem eine besonders wichtig: Die ihrer Mutter, denn „sie ist besonders streng“.

Nadja Bernhard Tarek Leitner
© imago images/K.Piles Das Moderatoren-Duo: Tarek Leitner und Nadja Bernhard

Dass das Feedback aber nicht immer nur nett oder zumindest konstruktiv ist, ist bei der Reichweite einer Sendung wie der "Zeit im Bild" aber logisch. Bernhard sagt, sie habe schnell gelernt, damit umzugehen. Doch wie ist die Kritik eigentlich unter dem Moderatoren-Duo verteilt? „Ich weiß nicht, ob ich mehr kritisiert werde als Tarek. Ich denke aber, die Qualität ist eine andere. Die Hemmschwelle Frauen gegenüber ist geringer. Da ist die Kritik zuweilen untergriffiger“, bestätigt Bernhard das, was viele Frauen, die in der Öffentlichkeit stehen, erleben.

Bernhards Gegenschlag nach untergriffiger Kritik

Dass sich Bernhard auch wehren kann, wenn es ihr zu viel wird, hat sie nach einer Meldung des Falter bewiesen, in der die Wiener Stadtzeitung kritisch anmerkte, dass die Moderatorin eine Brille („in der Größe von zwei Bildschirmen“) trage ohne sehschwach zu sein. Bernhard antwortete mit einer sarkastischen Replik auf die „falsche und sexistische Meldung“ und fand damit große Zustimmung.

Kultur war nur "ein Ausflug"

Seit 1999 ist die Journalistin schon beim ORF, aber so richtig in den Vordergrund trat sie erst im Jahr 2012 mit der Moderation des „Kulturmontag“. Nach nur wenigen Monaten erfolgte dann der Wechsel zur „ZiB1“ als Hannelore Veits Platz frei wurde; ein „Nachhausekommen“ in den Nachrichtenbereich, wie es Bernhard heute bezeichnet. Die Kultur sieht sie im Nachinein eher als Art "Ausflug“, der ihr den Einstieg in die Moderation ermöglicht habe.

Sommergespräche Nadja Bernhard Kurz Bürger
© APA/Punz Nadja Bernhard führte gemeinsam mit Hans Bürger die Sommergespräche 2018. Hier mit Ex-Bundeskanzler Sebastian Kurz.

Das Ausland ist Nadja Bernhards Heimat

In der „ZiB1“ spielt Innenpolitik – sowie seit Beginn der Pandemie auch die Wissenschaft - natürlich eine wichtige Rolle, doch ihre journalistische Heimat sieht Bernhard ganz klar im Ausland. „Ich habe ja viele Jahre als Korrespondentin gearbeitet. Ein fantastischer Job: Man beschäftigt sich intensiv mit einem Land, taucht beruflich und privat in fremde Kulturen ein“, schwärmt sie heute noch von ihren Erfahrungen etwa in Rom oder in Washington, D.C..

Von Kanada in die Steiermark

Blickt man noch weiter zurück, spielt auch hier die Ferne eine große Rolle: Geboren wurde die Moderatorin in Kanada, im Ort Windsor, in der Nähe von Detroit, wo sie ihr ersten sieben Lebensjahre verbrachte, bevor sich die Eltern scheiden ließen und sie als Kind mit der Mutter zurück in deren Heimat, die Südsteiermark, kehrte.

Nadja Bernhard
© imago images/SKATA Nadja Bernhard wuchs zunächst in Kanada auf und zog mit acht Jahren in die Steiermark

Umzug als Kind

Für Bernhard war dieser Umzug „ein unglaublicher Kultur-Clash“, auch mit der deutschen Sprache habe sie sich anfangs sehr schwer getan. „Aber als Kind ist man flexibel, ich habe mich arrangiert“, erzählt sie. Heute fällt ihr dieses Arrangement in neuen Ländern sichtlich leichter, vielmehr müsse sie sogar ihren gewohnten Alltag verlassen, um abschalten zu können, was sie in Form von Reisen praktiziere. „Vor allem am Meer nahe Rom, beispielsweise am Strand von Nettuno, kann ich die Reset-Taste drücken.

Nadja Bernhard: Stadt oder Land?

Doch: So sehr es die Moderatorin beruflich als auch privat immer wieder in die Ferne zieht, so sehr ziehe es sie mittlerweile auch wieder dorthin zurück, wo wie einst weg wollte: In die steirische Provinz. Also im Herzen doch eher Land- als Stadtmensch? „Sowohl als auch. Derzeit lebe ich in beiden Welten“, sagt sie und empfindet dies „als großes Privileg.“

»Ich lasse mich weiterhin gerne vom Leben überraschen!«

Nadja Bernhard und ihre Liebe zu Hunden

Ob es Nadja Bernhard also in einer Zeit, die vielleicht irgendwann nach der „Zeit im Bild“ kommt, wieder ins Ausland oder doch in die Steiermark verschlagen wird, steht derzeit noch nicht fest: „Ich lasse mich weiterhin gerne vom Leben überraschen!“ Fix ist allerdings: Nicht ohne Hund! Seit 13 Jahren wird die Moderatorin von ihrer Hündin Symi begleitet und seit kurzem auch von der Hündin Dragica bzw. Izzy genannt. Bernhard hat die junge Hündin übernommen, nachdem sie auf einer Müllhalde in Bihac in Bosnien gerettet wurde.

Hunde begleiten Bernhard schon lange, nämlich seit sie sechs Jahre alt war. „Das Zitat ‚Natürlich kann man ohne Hund leben, es lohnt sich nur nicht‘ kann ich also nur bestätigen!“, so Bernhard zu ihrer Tierliebe.