Porträt von

Wer ist
Karoline Edtstadler?

Karoline Edtstadler © Bild: APA/HELMUT FOHRINGER

Sie ist die Nummer zwei von Sebastian Kurzund seine international gut vernetzte Vorzeige-Politikerin. Karoline Edtstadler vereint konservative Werte, juristische Härte und mütterliche Fürsorge. Nun holte sie Kurz von Brüssel zurück nach Wien, unter Türkis-Grün wurde sie zur neuen Europaministerin.

  • Name: Karoline Edtstadler
  • Geboren: 28. März 1981 in Salzburg, aufgewachsen in Elixhausen
  • Ausbildung:
  • Aktuelle Position: Europaministerin
  • Familienstand: Mutter eines Sohnes

Zielstrebig und wertkonservativ

Als Tochter des ehemaligen Salzburger Landtagsdirektors Karl W. Edtstadler wuchs die heute 38-Jährige gut behütet in einem wertkonservativen Zuhause in Elixhausen bei Salzburg auf. Zielstrebig und ehrgeizig war sie schon damals. Die Matura legte sie mit Auszeichnung auf dem Musischen Gymnasium Salzburg ab. Es folgte ein Praktikum als Assistentin der Präsidentin der Salzburger Festspiele Helga Rabl-Stadler. Und das ist kein Zufall, denn die Musik liegt ihr ebenfalls am Herzen. In der Musikkapelle in Elixhausen spielte sie die Oboe.

Karoline Edtstadler
© APA/HELMUT FOHRINGER

An der Universität Salzburg schloss sie 2004 ihr Studium der Rechtswissenschaften ab und absolvierte anschließend ein Gerichtspraktikum am Bezirksgericht Mondsee und am Landesgericht Salzburg. Von da an ging es mit der Karriere steil bergauf. 2008 wurde sie Richterin am Landesgericht Salzburg. Dort etablierte sie einen Ruf als strenge, aber faire Richterin. So verurteilte sie 2010 zwei Brüder zu recht hohen Strafen, weil die beiden bei einer Demonstration gegen die Asylpolitik der damaligen Innenministerin Maria Fekter einen Polizisten verletzt hatten. Selbst der Staatsanwaltschaft erschien das Urteil zu streng, das Strafmaß wurde schließlich reduziert. In Justizkreisen schätzt man sie. Landesgerichtspräsident Hans Rathgeb lobte Edtstadler: "Sie war eine ausgesprochen zielorientierte und versierte Richterin." Im privaten Bereich gilt die Salzburgerin als freundlich und kommunikativ.

Politischer Ehrgeiz

Beruflich zog es die Juristin immer auch schon zur Politik hin. In Henndorf am Wallersee war Edtstadler von 2004 bis 2006 ÖVP-Gemeinderätin. 2011 wechselte sie ins Justizministerium, Sektion Straflegistik. Und 2014 arbeitete sie als persönliche Referentin im Kabinett von ÖVP-Justizminister Wolfgang Brandstetter. Danach wurde sie Anfang 2015 zur Oberstaatsanwältin bei der Wiener Korruptionsstaatsanwaltschaft ernannt, ab Mai 2016 war sie juristische Mitarbeiterin am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in Straßburg. Vom 18. Dezember 2017 bis zum 28. Mai 2019 bekleidete sie das Amt der Staatssekretärin im Bundesministerium für Inneres. Bei der Europawahl 2019 schickte Kurz sie gemeinsam mit Othmar Karas ins Rennen und die toughe Salzburgerin konnte sich abermals behaupten. Von Mitte Juli 2019 bis Ende 2019 leitete sie die ÖVP-Delegation im Europaparlament - bevor sie Sebastian Kurz als Europaministeirn zurück an seine Seite holte.

Liebevolle Mutter und Familienmensch

Privat wurde Edtstadler relativ früh Mutter. Im Alter von 20 Jahren kam ihr Sohn auf die Welt. Die Ehe mit dem Kindsvater ging in die Brüche. In den darauffolgenden Jahren managte die junge Mutter die Herausforderung Karriere und Kind mit Bravour. "Wenn ich zurückblicke, dann denke ich mir selber: Wow, wie habe ich damals alles geschafft?", sagt sie in einem Gespräch mit der Zeitung "Kurier". Dabei habe sie immer die Unterstützung ihrer Familie gehabt, auch die ihrer acht Jahre jüngeren Schwester.

Karoline Edtstadler mit Sohn Leonhard am Weg zur Stimmabgabe im Rahmen der EU-Wahl.
© APA/FRANZ NEUMAYR Karoline Edtstadler mit ihrem Sohn Leonhard bei der Stimmabgabe zur EU-Wahl am 26. Mai 2019 in Salzburg

Die Karriereschritte habe sie jedes Mal mit ihrem Sohn Leonhard abgesprochen, so auch die Entscheidung nach Wien ins Justizministerium zu wechseln und ihr Kind auf dem Privatgymnasium der Herz-Jesu-Missionare, einem Internat, anzumelden. Während ihrer Zeit in Straßburg ist sie zwischen ihrem Arbeitsort und dem gemeinsamen Wohnort Salzburg hin und her gependelt.

Mit ihren politischen Ambitionen steht die EU-Abgeordnete in der Familie nicht alleine da: Ihr Sohn, der eine Zimmermannslehre absolviert, ist seit der Neugründung der Jungen ÖVP (JVP) Elixhausen im September 2018 als Burschenreferent im Team mit dabei. Ihre Schwester, Theresa Edtstadler, kandidiert für die Nationalratsliste der niederösterreichischen Volkspartei. Die 30-Jährige ist Geschäftsführerin des Europa-Forums Wachau (und außerdem Obfrau der JVP Elixhausen).

Edtstadler selbst hat es nun unter der Türkis-Grün in die österreichische Bundesregierung geschafft. Nur Monate nach ihrem Aufstieg zur ÖVP-Delegationsleitung in Brüssel holte sie Kurz zurück nach Wien und machte sie zur Europaministerin an seiner Seite.