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Was Biene Maja Meier macht

Aufgedeckt: Umstrittene Pestizide haben sich nach dem Jahr 2000 verdreifacht.

Was Biene Maja Meier macht ... Umstrittene Pestizide haben sich nach 2000 verdreifacht. © Bild: APA/DPA/Studio 100 Media

Bienen sind für die Pflanzenbestäubung unverzichtbar. Ihr Sterben löst Alarm aus. Und dennoch geht das Geschäft mit den Chemikalien weiter. Nach dem Jahr 2000 haben sich die umstrittenen Pestizide verdreifacht. Daten werden zum Schutz der Chemiekonzerne geheim gehalten.

Damit hätte Biene Maja sicher nicht gerechnet: Einerseits stimmte ausgerechnet das Umwelt-Musterland Österreich Mitte März auf EU-Ebene gegen ein vorübergehendes Verbot einiger Pestizide, die für Bienen besonders gefährlich sind. Andererseits offenbart die vorangegangene Debatte politische Abgründe – und tiefe Risse quer durch die Regierungskoalition.

Schon Ende Mai 2012 wurde im Parlament in Wien ein Unterausschuss eingerichtet, der sich mit diesen speziellen Pestiziden – sogenannten Neonikotinoiden – befassen sollte. Was dort – unter Ausschluss der Öffentlichkeit – auf den Tisch kam, ist höchst brisant.

Brisante Fakten.

Erstmals präsentierte die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) Informationen darüber, welcher dieser Pestizid-Wirkstoffe pro Jahr in welchem Ausmaß in Österreich in den Verkehr gebracht wurde. NEWS liegt das AGES Papier nun exklusiv vor.

Die darin enthaltenen Zahlen wirken absolut alarmierend: Die Gesamtmenge der drei – für Bienen besonders gefährlichen – Insektengifte hat sich von 2000 bis 2009 mehr als verdreifacht. Zuletzt gab es – wohl nicht zuletzt als Folge zunehmender Kritik und daraus resultierenden Gegenmaßnahmen – zwar einen Rückgang. 2011 war der Mitteleinsatz aber immer noch mehr als doppelt so hoch wie im Jahr 2000.

Was viele besonders sauer aufstößt: Vor der Öffentlichkeit – und unabhängigen Wissenschaftern – werden die Zahlen geheim gehalten. Die AGES – mit Unterstützung der agrarisch bestens verankerten ÖVP – beruft sich auf den Datenschutz. Kern der Argumentation: Der Pestizid-Markt ist so eng, dass man aus den Daten Rückschlüsse auf die Umsätze einzelner Händler oder Hersteller ziehen könnte. Dazu gehören Chemie-Riesen wie Syngenta und Bayer. Offenbar sind deren Interessen wichtiger als das – gesetzlich verankerte – Recht auf Umweltinformation. Pikant: ÖVP-Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich begründete das Nein Österreichs zum EU-Verbot mit – angeblich – unzureichendem Datenmaterial und dem Fehlen wissenschaftliche fundierter Grundlagen.

In einem wohlbekannten Land…

Politisch birgt das Thema Bienensterben jedenfalls ungeahnten Sprengstoff. Mittlerweile hat sich eine Front gegen die ÖVP formiert, der auch der Koalitionspartner SPÖ angehört. „Dieses Gift gehört zumindest auf ein paar Jahre verboten“, meint SPÖ-Landwirtschaftssprecher Kurt Gaßner zu NEWS. Ähnliches fordert – wie eingangs erwähnt – auch die EU-Kommission, die Neonikotinoide vorerst für zwei Jahre aus dem Verkehr ziehen will, bis neue wissenschaftliche Erkenntnisse vorliegen. Österreich hat hier – unter Führung des Landwirtschaftsministeriums – dagegen gestimmt.

Bei einer anstehenden Abstimmung im Parlament in Wien werde sich die SPÖ „schon auf die Beine stellen“, so Gaßner. Er sieht in seinem Klub „eine breite Mehrheit“ für ein Verbot. Sollte die ÖVP dann nach wie vor dagegen sein, will man offenbar keine Rücksicht mehr nehmen: „Es kann nicht sein, dass wir – nur um die Koalition aufrecht zu erhalten – Gift zulassen“, betont Gaßner.

Klare Worte findet auch FPÖ-Agrarsprecher Harald Jannach: „Wenn die EU diese Pestizide nicht verbietet, dann sollte sie Österreich alleine verbieten können“, meint Jannach. Nur die ÖVP lehne das ab. Das Nein auf EU-Ebene wäre „eine Schande“. Neonikotinoide wirken auf Insekten – und somit auch auf Bienen – als Nervengift. Sie können nicht mehr fliegen, finden nicht mehr in den Stock zurück oder sind zu geschwächt, um den Winter zu überleben. Da Bienen für die Bestäubung vieler Nutzpflanzen verantwortlich sind, schrillen die Alarmglocken.

In einigen Ländern gibt es Verbote von Neonikotinoiden. Diese werden häufig zum Beizen von Saatgut eingesetzt: Körner werden mit dem Pestizid behandelt, um sie vor Schädlingen zu schützen. In Österreich ist das beim Maisanbau relevant, wo Bauern mit dem Maiswurzelbohrer – einem eingeschleppten Käfer – kämpfen. Das Landwirtschaftsministerium warnt, dass als Alternative zu Pestiziden nur Gen-Mais übrig bleiben könnte. Die ÖVP verweist auf Maßnahmen, die bereits gegen die Pestizid- Problematik ergriffen wurden. Sie sieht in der Varroa- Milbe – einem Parasiten – einen wesentlichen Grund für das Bienensterben.

Der Grüne Landwirtschaftssprecher Wolfgang Pirklhuber betont allerdings, dass es trotz Verbesserungen bei der Aussaat immer noch zu Bienenschäden durch Pestizide gekommen sei. Die Grünen sehen in einem regelmäßigen Wechsel der angebauten Fruchtsorte die einzige Möglichkeit, den Maiswurzelbohrer nachhaltig zu bekämpfen.

…vor gar nicht allzu langer Zeit.

Die Pestizid-Kritiker weisen nicht nur die Gen-Mais-Argumentation zurück. Sie haben auch wenig Freude mit den offiziellen Zahlen der AGES. Diesen zufolge waren 2011 lediglich 0,4 Prozent der Bienenvölker nachweislich durch Neonikotinoide geschädigt, 2012 überhaupt nur noch 0,1 Prozent. Die AGES habe Proben, die ihr Imker geschickt haben, ohne weitere Hochrechnung einfach ins Verhältnis zum Gesamtbestand gesetzt, bekrittelt etwa die Umweltschutzorganisation Global 2000. Viele Imker, die selbst Bauern sind, würden auch zurückhaltend mit Meldungen agieren.

In wenigen Wochen soll auf EU-Ebene erneut über das Pestizid- Verbot abgestimmt werden. Nimmt man die offiziellen Zahlen ernster als die – alarmierenden – geheimen, wird Österreich wohl weiterhin bei seinem Nein bleiben.

Kommentare

vor jahren in unterkärnten sind bauern nach italien gefahren und haben bei uns die maisfelder mit bei uns verpotenen schpritzmittel geschpritz !der gestank wahr fürchterlich,als wir nachschau hielten endteckten wir das ein bauer(feuerwehrmann) nachts mit einem feurwehr atemschutz auf kosten der algemeinheit fuhr!!!die anzeige verlief sich im sand !!!

RobOtter

Diesen Winter ist mir der letzte Bienenstock gestorben. Damit ist die Imkerei für mich erledigt. Ich bin es satt der Stadt Wien für meinen Bienenstandplatz 54 Euro jährlich zu zahlen. Ich bin es satt jedes Jahr mindestens 3 Völker nachzuzüchten oder zu kaufen weil die Ackerflächen rundherum mit Pflanzenschutzmittel zugespritzt werden. Ich bin es satt von der Politik boykottiert zu werden.

Andreas1984 melden

Unterschrift zum Schutz unserer Honigbiene:
http://www.openpetition.de/petition/online/landwirtschaftsminister-berlakowitsch-neonicotinoide-in-oesterreich-verbieten

wintersun melden

Danke für den Link! Auch wenns heute der letzte Tag ist, jeder sollte meiner Meinung nach die Petition unterstützen.

robertblum melden

die heutige ÖVP gehöhrt umgetauft !auf ÖBKP " Österreichische Bienen Killer Partei " !da sitzen unsere agra industrielen in klimatisierten traktorkabinen und vernichten abermillionen bienen(menschen) durch ihre überdosierten pestiziede !

robertblum melden

strizzi49@ !du fragst nach den GRÜNEN ?die haben sich mit denn umweltzerstöhrern ins selbe boot gesetzt bzw.bett gelegt !das einzige grün an die machtgeilen grünen findest du hinter deren ohren !!!

Erstens - wo bleiben die Grünen, wo ist deren unüberhörbarer Protest?
Zweitens - wird die ÖVP vielleicht geschmiert? Denn, dass ausgerechnet der Landwirtschaftsminister gegen ein Verbot ist, kann doch nicht mit rechten Dingen zugehen!?

Wolfgang Pichler
Wolfgang Pichler melden

das Recht des stärkeren.. so ist die Natur und wir kommen aus dieser und stehen nicht daneben sondern wirken mit - Das Ergebniss kennt ja eh niemand... Veränderung ist nur eine Änderung aus der Sicht der Betroffenen... Mamuts gibt es auch nichtmehr und Steinzeitler auch nicht... naja

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Das Recht des Stärkeren gilt (zumindest in der Natur) nur dann, wenn die Mittel ungefähr gleich fair verteilt sind. Und abgesehen davon, dass Steinzeitler nicht ausgestorben sind, sondern sich weiterentwickelt haben und jetzt als Homo sapiens, also als weiser Mensch ( nicht lachen) den Planeten traktieren, ist die Kernfrage, welche Leistung so ein Viecherl im Ökosystem erbringt und da sind die Bienen, Regenwürmer und andere Kleinstlebewesen den Mammuts nun mal bei Weitem voraus. Und wenn die weg sind tut es weh-sehr weh.
Und der Verweis auf quasinatürliches Aussterben von Arten verfängt nicht, denn wir reden hier von einem Faunenschnitt, also von einem plötzlichen, überdimensionalen Verschwinden von Arten und der ist menschgemacht. Wir verlieren jährlich mehr als 30.000 davon weltweit, vor allem Insekten und Amphibien. Zum Vergleich, die Zahl der Wirbeltiere also so ziemlich alles was Sie als Viecher kennen, liegt bei etwa 60.000, und die wären, würde es nur die betreffen, also in zwei Jahren weg. Und mit der Natur können Sie sowenig einen Kompromiss aushandeln wie mit Ihrem Blutkreislauf, fällt die Sache unter einen gewissen Pegel ist Schluss.

Aber es sei Ihnen unbenommen, weiterhin im Dunkeln zu pfeifen und es sich schön zu reden, ändern wird es nichts, denn es geht mittlerweile so rasant, dass Sie es selbst mitbekommen werden. Um es mit Farkas zu sagen: Schaun Sie sich das an.

Aber damit Sie nicht sagen können, Sie hätten es nicht gewusst,auch für Laien ohne viel Fachchinesisch und gut lesbar: F.M.Wuketits: Ausgerottet-ausgestorben,Hirzel,2003.

Don-Quijote melden

na zum Glück haben Mammuts keine Pflanzen bestäubt... und wenn ich mir die Gedanken vieler so anhöre, bin ich fest davon überzeugt, dass das Gehirn vieler im Steinzeitalter stecken geblieben ist

Ivoir

Es sind ja nicht nur die Bienen betroffen, fast alles was da kreucht und fleucht, wurde brutal dezimiert. Allein die hochgiftigen Insektizide der Nachkriegsgeneration, sondern auch die Vernichtung von ihrem Lebensraum. Grundzusammenlegungen und daraus resultierende "urbarmachung" von Grünland, also die Ausrottung von kleinen Sträuchern und Hölzern, sprich: Haine. Trockenlegung der natürlichen Biotope. Das aller Traurigste daran ist jedoch, daß die Verwendung dieser Gifte zum Teil auch subventioniert werden, damit die Menschen nicht verhungern, sondern an der Überproduktion ersticken und dieser ganze Mist wird uns dann eventuell auch noch als Bio seviert.

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" Das Landwirtschaftsministerium warnt, dass als Alternative zu Pestiziden nur Gen-Mais übrig bleiben könnte." Auf gut deutsch, das wichtigste sind Konzerne und deren Shareholder und wenn schon Bayer und Syngenta nicht mehr Profite maximieren können, dann muss es wenigstens Monsanto können. Wie schon bei der Euro-Rettung auch hier die Handlungsweise alternativlos.

Also da hilft nur der Jugendjargon, das ist ja sowas von oberaffentittengeil, da stehen wir schon am Rande des Abgrunds und geben uns noch selbst einen Stoß und die Hirnamputierten jubeln dazu, also Vollgas dem Untergang entgegen. Denn Nepochanten, die in brünftiger Dämlichkeit auf Bilanzen starren und beim Einblick in biologische Zusammenhänge jedem Kartoffelkäfer unterlegen sind haben beschlossen die Geschwindigkeit der Katastrophe anzukurbeln, man gönnt sich ja sonst nichts, lasst uns nach Luft und Wasser auch noch das Erdreich und die Bienen vergiften. Wachstum, Fortschritt, Friedhofsruhe sei unser Begehr.
Und die Vorsehung erlaubt keinen Wechsel des Jahrhunderts, ich würde lieber im Mittelalter an der Pest verrecken als die Zeit mit derartig ultimativen Turboidioten zu teilen. Und es sind dieselben Schlaucherln und Schlieferln die uns schon die Segnungen der Verstrahlung brachten, denn wo sich verdienen lässt ist alles andere wurst und das letzte Hemd der anderen hat keine Taschen, da bleibt mehr für einen selbst. Der Planet taumelt schon? Wurscht. Geben wir ihm noch einen kräftigen Tritt.
Und der letzte Betriebswirt auf diesem Planeten wird beim Absaufen noch röchelnd gurgeln :"Aber die Bilanz ist super!"


P.S. Wen's interessiert:
http://www.youtube.com/watch?v=SqqJhPTwLOQ

strizzi49 melden

Einfach SUPER, Ihr Posting :-)))))))!!!

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Danke, obwohl, da ist der Zorn wohl etwas mit mir durchgegangen;-))

mickey73 melden

es gibt einen spruch:"2 jahre nachdem die bienen gestorben sind, sterben auch die menschen!!" für die umwelt sind die bienen ein enorm wichtiger faktor! aber erklär einem politiker! wann werden wir es endlich begreifen, dass wir alle nur teil eines ganzen sind und das jeder und alles seine berechtigung und sinn hat?? diese gier nach macht, reichtum,... bringt nur verderben über diesen planeten!!

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wozu die Aufregung, der Planet wirds schon richten indem er einfach die Menschen vernichtet, und gut ist! ;)
Und für die Politiker wurden nichtmal soviele Bäume gepflanzt, da wirds dann der fensterstock auch machen müssen.

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ja schon, aber beendete Evolutionslinien sind zerstört, was immer mit uns passiert. Und es zeugt von der ungeheuren Präpotenz und Dummheit dieser Spezies beim Basteln am eigenen Untergang auch noch das meiste andere mitzunehmen.

hier sieht man das wahre Gesicht der ÖVP. Bankgeheimnis, Pestizide etc. etc.......

Hugo-Boatwisch melden

Und wieder mal steckt die Wirtschaft dahinter, dass es uns an den Kragen gehen wird. Kennen wir das nicht schon von der nicht stattfindenden Kohlendioxidreduktion? Aber keine/r ist so mutig, ein Machtwort zu sprechen.

giuseppeverdi melden

Jetzt weiß ich es: Der "Boatwisch" ist eine Biene, weil das kann nur eine Biene gepostet haben -:)))

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