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Georg Strasser: „Es gibt nur eine Konkurrenz, und das ist die Mülltonne“

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Georg Strasser©APA-Images / OTS / Too Good To Go

Lebensmittel retten und damit Geld verdienen, das ist die Mission von Too Good To Go. Österreich-Chef Georg Strasser hat mit News über Food Waste, den holprigen Start des Unternehmens und die Vorurteile gegen das Geschäftsmodell gesprochen

Als Too Good To Go im Spätsommer 2019 in Österreich startete, war die Skepsis enorm. „Wir sind von Gastronom zu Gastronom gegangen, um erste Partner zu gewinnen“, erinnert sich Georg Strasser, Country Director von Too Good To Go Österreich und der Schweiz und seit Tag 1 mit an Bord. Die Reaktionen seien ernüchternd gewesen. „Viele haben gesagt: ‚Kenne ich nicht‘, ‚brauchen wir nicht‘ oder auch: ‚Wir haben gar keinen Food Waste‘. Gerade in Wien, wo wir gestartet sind – etwa im siebenten Bezirk, wo wir bewusst auf nachhaltige, trendige Betriebe gesetzt haben –, hätten wir uns eigentlich mehr Offenheit erwartet.“

Der Durchbruch kam schrittweise. Nachdem die ersten Betriebe überzeugt werden konnten, seien nach und nach immer mehr dazugekommen. „Nach zwei, drei Monaten hatten wir dann bereits ein paar hundert Partner.“

Dann folgte der erste große Rückschlag. „Ein halbes Jahr später kam Corona – und von einem Tag auf den anderen war fast alles zu. Unsere Partner, vor allem Restaurants, hatten schlicht keinen Betrieb mehr. Übrig geblieben sind zunächst nur Bäckereien“, so der 38-Jährige. Trotzdem sei es gelungen, das Modell weiterzuführen. „Gerade in dieser unsicheren Phase konnten wir Betrieben helfen, mit ihren Überschüssen besser umzugehen“, erinnert sich Strasser.

Heute zeigt sich ein völlig anderes Bild: „Die Nachfrage ist stark gestiegen, das Bewusstsein hat sich verändert. Was anfangs erklärungsbedürftig war, ist mittlerweile etabliert.“ Too Good To Go kann heute auf rund 7.000 Partnerbetriebe alleine in Österreich blicken.

Hat sich seit Ihrem Start in Österreich vor knapp sieben Jahren das Bewusstsein für Lebensmittelverschwendung geändert?

Ja, das Bewusstsein ist in den vergangenen Jahren definitiv gestiegen. Wir haben heute allein in Österreich über zwei Millionen registrierte Nutzer, und Too Good To Go ist in vielen Bereichen im Mainstream angekommen. Ich glaube schon, dass wir den Markt ein Stück weit aufgeweckt haben. Auch auf anderen Ebenen hat sich viel getan – vom Handel über Initiativen wie „Lebensmittel sind kostbar“ bis hin zu Tafeln und Sozialmärkten, die deutlich aktiver geworden sind.

Gleichzeitig darf man sich nichts vormachen: In den letzten ein, zwei Jahren ist der Preisdruck so stark gestiegen, dass Nachhaltigkeit ein Stück weit in den Hintergrund gerückt ist. Das Thema ist nach wie vor präsent, aber die Motivation hat sich teilweise verschoben.

Und vor allem: Das Grundproblem besteht weiterhin. Wir werfen noch immer zu viele Lebensmittel weg. Es gibt mehr Bewusstsein als früher, aber es ist nach wie vor zu wenig.

Welche Rolle spielt Österreich im internationalen Vergleich innerhalb des Unternehmens?

Wir unterscheiden intern zwischen saturierten Märkten und Wachstumsmärkten. Österreich zählt für uns inzwischen klar zu den reiferen Märkten. Das liegt vor allem an der hohen Dichte – wir haben viele Supermärkte, viele Bäckereien und eine sehr breite Gastronomieszene. Dadurch konnten wir den Markt in einer ersten Phase sehr gut erschließen und haben heute bereits ein starkes Netzwerk an Partnern, etwa mit Ketten wie Hofer oder Spar.

Das heißt aber nicht, dass es kein Potenzial mehr gibt – im Gegenteil. Es gibt nach wie vor viele Lebensmittelüberschüsse, und wir arbeiten daran, bestehende Partnerschaften weiter auszubauen. Die Phase, in der wir komplett neue Betriebe in großer Zahl akquirieren, nähert sich aber langsam ihrem Ende.

Im internationalen Vergleich sehen wir Österreich weniger über die Größe – da sind Märkte wie Deutschland, Frankreich oder Großbritannien natürlich deutlich größer –, sondern eher über seine Funktion. Österreich eignet sich sehr gut als Testmarkt. Durch die hohe Dichte und die vielen bestehenden Partner können wir hier neue Ideen und Features ausprobieren. Wir waren zum Beispiel eines der ersten Länder, die zusätzliche Kategorien wie Tiernahrung oder Pflanzen und Blumen getestet haben. Das ist eine Rolle, die Österreich innerhalb von Too Good To Go zunehmend einnimmt.

Als Sie gestartet sind, waren Bäckereien und die Gastronomie Ihre größten Partner. In der Folge ist auch der Handel dazugekommen. Wer davon ist heute Ihr größter Partner?

Heute ist das ziemlich ausgewogen. Der Handel macht rund 50 Prozent aus, die andere Hälfte entfällt auf Gastronomie, Bäckereien, Hotels und ähnliche Betriebe. Durch die Größe von Handelsketten wie Spar oder Hofer sind diese in der App natürlich besonders präsent, weil sie viele Filialen haben. Insgesamt ist es aber etwa eine 50:50-Verteilung zwischen Handel und den klassischen Gastronomie- und Bäckereipartnern.

Bis vor eineinhalb Jahren zählte auch Rewe zu ihren Partnern. Warum wurde die Zusammenarbeit beendet?

Intern fiel der Beschluss seitens Billa, sich vorerst auf eigene Initiativen zur Reduktion von Lebensmittelverschwendung zu konzentrieren. So bedauerlich der Beschluss ist, freuen wir uns, dass die Mission im anderen Format weitergetragen wird. Unsere Kooperation mit Bipa blieb davon jedoch unberührt und wurde sukzessive weiter ausgebaut. 

Wer sind Ihre typischen Nutzer – Schnäppchenjäger oder nachhaltig motivierte Konsumenten?

Das hat sich über die Jahre deutlich verändert. Als wir 2019 gestartet sind, war die Hauptmotivation ganz klar Nachhaltigkeit – also Lebensmittel retten, etwas Sinnvolles tun. Dazu kam dieser Überraschungseffekt: Man bekommt ein Sackerl und weiß nicht genau, was drin ist. Das hat viele gereizt, vor allem jüngere Nutzer, häufig zwischen 20 und 30, eher weiblich und oft Studierende.

Mit der Zeit hat sich das aber verschoben. Durch die Kooperationen mit Supermärkten und großen Ketten sind wir viel breiter geworden, auch was die Zielgruppe betrifft. Heute kann man sagen: Im Grunde ist jeder mit Smartphone potenziell Nutzer.

Die wichtigste Motivation ist inzwischen ganz klar der Preis. Die Sackerl kosten meist zwischen 2,99 und 4,99 Euro und liegen damit deutlich unter dem ursprünglichen Warenwert. Man bekommt also relativ viel für wenig Geld. Das spricht inzwischen ganz unterschiedliche Gruppen an – von Studierenden über Familien bis hin zu Pensionisten.

Nachhaltigkeit spielt weiterhin eine Rolle, viele haben ein gutes Gefühl dabei. Aber der wirtschaftliche Aspekt ist stärker in den Vordergrund gerückt. Das hat sich vor allem ab 2022, 2023 deutlich gezeigt, als die Nachfrage stark angezogen hat. Heute ist das auf einem sehr hohen Niveau angekommen.

Lebensmittelrettung klingt zuerst einmal nach Idealismus, aber Sie wollen natürlich auch ein Geschäft machen. Wie gelingt dieser Spagat?

Wir verstehen uns als Social-Impact-Company, weil wir ein gesellschaftliches, ökologisches und auch ökonomisches Problem auf unternehmerische Weise lösen wollen. Natürlich spielt Idealismus eine große Rolle, aber wir sind auch sehr bewusst ein wirtschaftliches Unternehmen.

Dieses Modell ermöglicht uns überhaupt erst, unsere Mission umzusetzen: Wir können unsere Mitarbeiter bezahlen, die App weiterentwickeln, Kampagnen finanzieren und auch politisch oder gesellschaftlich aktiv sein. Oft kommt die Frage, warum das nicht alles gratis ist – aber am Ende muss das jemand stemmen. Gleichzeitig wollen wir nicht von Spenden abhängig sein, sondern ein selbsttragendes System aufbauen.

Wichtig ist uns dabei: Es geht nicht darum, maximalen Profit zu machen, sondern das, was wir erwirtschaften, wieder in unsere Mission zu investieren. Das ist der Kern unseres Ansatzes.

Gleichzeitig muss es sich natürlich für alle Seiten rechnen – für uns genauso wie für unsere Partnerbetriebe. Da gibt es ganz normale wirtschaftliche Überlegungen und Verhandlungen. Wir haben uns dabei auf eine Nische spezialisiert, die wir besonders gut bedienen können: Einzelportionen, vernetzt über eine App zwischen Betrieben und Endkunden. Genau in diesem Bereich funktioniert unser Modell sehr gut – gerade für Bäckereien, Gastronomie und Handel.

Besteht für Ihre Partnerbetriebe nicht die Gefahr, dass deren Kunden den „Umweg“ über Too Good To Go gehen, um Produkte zu einem billigeren Preis zu bekommen?

Diese Sorge gibt es tatsächlich bei manchen Betrieben, sie ist aber nicht wirklich begründet. Der zentrale Punkt ist: Ich weiß als Too-Good-To-Go-Nutzer nie genau, was ich bekomme. Es ist immer ein Überraschungssackerl. Wenn ich etwas ganz Bestimmtes möchte, dann gehe ich ganz normal zum regulären Preis in den Laden.

Dazu kommt, dass die Abholung zu einem fixen Zeitpunkt, meist am Ende des Tages, erfolgt. Auch das macht es unattraktiv für jemanden, der gezielt einkaufen will. Es ist also kein Ersatz für den regulären Einkauf, sondern eher eine Ergänzung.

Gleichzeitig bietet es für die Unternehmen auch eine Chance. Viele Betriebe erreichen über uns neue Kunden, die sie vorher nicht kannten. Und diese kommen im Idealfall später wieder. Dieser Effekt ist für viele Partner deutlich wertvoller als die anfängliche Sorge vor Kannibalisierung.

Also ist Too Good To Go am Ende des Tages auch ein Marketing-Tool für die teilnehmenden Betriebe?

Definitiv. Es soll diesen Effekt bis zu einem gewissen Grad auch haben. Betriebe bekommen über die App eine hohe Sichtbarkeit, gerade bei Menschen, die sie vielleicht noch gar nicht kennen. Gleichzeitig ist das nicht der primäre Grund für die Nutzung. Im Mittelpunkt steht die Reduktion von Überschüssen. Der Marketingeffekt ist eher ein zusätzlicher Vorteil, der sich daraus ergibt.

Besteht im Gegenzug die Gefahr, dass Betriebe bewusst Überproduktionen einkalkulieren, um über Too Good To Go zu verkaufen?

Das wäre wirtschaftlich nicht besonders sinnvoll. Die Produkte werden in der Regel um rund zwei Drittel reduziert verkauft, da geht es für die Betriebe primär darum, den Wareneinsatz zumindest teilweise zu decken. Im regulären Verkauf sind die Margen ohnehin oft schon knapp, deshalb ergibt es wenig Sinn, gezielt für diesen Kanal zu produzieren. Dazu kommt, dass es auch gar nicht erlaubt ist.

Was ist aus unternehmerischer Sicht die größte Herausforderung für Sie und Ihr Geschäftsmodell?

Zu Beginn war die größte Herausforderung ganz klar, überhaupt ein Bewusstsein zu schaffen – sowohl bei den Konsumenten als auch bei den Betrieben. Das ist heute deutlich besser geworden. Wir haben mittlerweile über zwei Millionen registrierte Nutzer in Österreich, global gehört Too Good To Go zu den meistgeladenen Apps im Food-&-Beverage-Bereich – auf Augenhöhe mit großen Marken wie McDonald’s oder Starbucks. Das zeigt, wie stark sich das Thema etabliert hat.

Die Herausforderung hat sich damit aber verschoben. Heute geht es weniger um Bekanntheit, sondern darum, das vorhandene Potenzial noch besser zu nutzen. Wir sehen, dass es bei unseren Partnerbetrieben weiterhin viele Lebensmittelüberschüsse gibt, und genau dort müssen wir stärker ansetzen.

Der nächste Schritt ist für uns, nicht erst am Ende der Kette anzusetzen – also dann, wenn Produkte bereits übrig bleiben und in der App landen –, sondern früher. Deshalb haben wir vor gut einem Jahr eine eigene Softwarelösung entwickelt, die Too Good To Go Plattform. Damit unterstützen wir Händler direkt im Markt, etwa bei der Kontrolle von Haltbarkeitsdaten.

Bisher ist das oft ein sehr manueller Prozess: Mitarbeiter gehen durch die Regale und entscheiden, welche Produkte rabattiert oder ausgelistet werden müssen. Unsere Software automatisiert das weitgehend. Sie zeigt konkret, welche Produkte betroffen sind, wo sie zu finden sind und was zu tun ist. Das spart Zeit – bis zu einer Stunde pro Mitarbeiter und Tag.

Die Idee dahinter ist, Lebensmittel schon früher in der Wertschöpfungskette zu retten – etwa durch intelligentes Rabattieren oder gezielte Platzierung im Markt. So verhindern wir im besten Fall, dass sie überhaupt erst zu Überschuss werden. Genau darin liegt aktuell eine der größten unternehmerischen Herausforderungen – und gleichzeitig die größte Chance für uns.

Wenn Sie eine Kennzahl nennen müssen, die den Erfolg von Too Good To Go am besten beschreibt, welche wäre das?

Gerettete Sackerl beziehungsweise Portionen. In Österreich sind es mittlerweile über 18 Millionen seit dem Start 2019 – und global liegen wir bei über 500 Millionen. Das ist die Zahl, auf die wir am meisten stolz sind.

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In Österreich hat Too Good To Go seit dem Start vor sieben Jahren über 18 Millionen Portionen Lebensmittel gerettet.

Welche Art von Konkurrenz stellen Services wie Afreshed dar?

Es gibt nur eine Konkurrenz, und das ist die Mülltonne (lacht). Tatsächlich sehen wir weniger klassische Konkurrenz, sondern eher unterschiedliche Konzepte mit jeweils eigener Nische. Ein Anbieter wie Afreshed arbeitet zum Beispiel mit größeren Boxen, oft mit Obst und Gemüse, die direkt nach Hause geliefert werden. Das geht eher in Richtung Bio-Kistl. Das ist ein anderes Modell als unseres.

Wir bei Too Good To Go konzentrieren uns auf Einzelportionen und kleine Überschüsse – also das, was bei Bäckern, in der Gastronomie oder im Handel am Ende des Tages übrigbleibt. Insofern hat jeder seinen Bereich, in dem er gut funktioniert. Wir sehen uns weniger im direkten Wettbewerb, sondern eher als Teil eines größeren Ökosystems, das insgesamt gegen Lebensmittelverschwendung arbeitet.

Kritiker sagen, Apps wie Ihre bekämpfen nur Symptome statt Ursachen der Lebensmittelverschwendung. Ist das eine berechtigte Kritik?

Mit dem Erfolg kommt auch die Kritik. Too Good To Go leistet sehr viel im Bereich Bewusstseinsbildung und Aufklärung. Allein dadurch, dass es das Angebot überhaupt gibt und Millionen Menschen damit in Kontakt kommen. Insofern ist die Antwort auf die Frage ein kategorisches Nein.

Unternehmen mit einer klaren gesellschaftlichen oder nachhaltigen Mission stehen oft stärker in der Kritik, wenn sie damit auch Geld verdienen, während weniger „mission-orientierte“ Geschäftsmodelle vergleichsweise selten hinterfragt werden. Braucht es hier einen gesellschaftlichen Sinneswandel im Umgang mit solchen Unternehmen?

Ja, den braucht es definitiv. Es gibt nach wie vor diese klare Trennung zwischen For-Profit und Non-Profit, dass etwas dazwischen liegen kann, passt oft nicht ins gewohnte Denkmuster. Alles, was neu ist, wirkt zuerst einmal suspekt. Und genau diesem Misstrauen begegnen wir auch. Für uns ist das aber kein Widerspruch. Jede einzelne Rettung eines Sackerls ist gut für die Umwelt, gut für den Kunden und auch gut für das Unternehmen.

Deshalb sehe ich auch keinen Grund, das gegeneinander auszuspielen. Das Kommerzielle und die Mission gehen bei uns Hand in Hand. Gleichzeitig verstehe ich den Gedanken dahinter. Wir setzen am Ende der Wertschöpfungskette an: Die Lebensmittel sind bereits produziert, und die Alternative wäre in vielen Fällen die Mülltonne. Genau das verhindern wir. Deshalb kann ich diese Kritik in der Form nicht ganz nachvollziehen.

Seit drei Jahren sind Sie auch als Director für die Schweiz zuständig. Wie unterscheiden sich die beiden Länder?

Tatsächlich unterscheiden sich Österreich und die Schweiz weniger stark, als man vielleicht denken würde. Ein wesentlicher Unterschied ist zeitlicher Natur: Die Schweiz ist in manchen Entwicklungen ein Stück voraus. Dort spielt der Preis erst seit Kurzem eine größere Rolle, weil es lange kaum Inflation gegeben hat. In Österreich haben wir diesen Effekt früher gesehen.

In der Schweiz ist die Kaufkraft höher, und entsprechend ist die Motivation stärker von Nachhaltigkeit, Altruismus oder auch einfach der Freude am Mitmachen geprägt – weniger von einem finanziellen Druck. Das beginnt sich aber auch dort langsam zu verändern.

Ein praktischer Unterschied betrifft die Öffnungszeiten: Supermärkte haben in der Schweiz oft länger offen, auch am Sonntag gelten andere Regelungen. Dadurch verschieben sich Kundenströme und auch die Nachfrage nach bestimmten Produkten.

Abgesehen davon sind die Märkte sehr ähnlich. Die Dichte an Supermärkten ist in beiden Ländern hoch, in der Schweiz arbeiten wir zum Beispiel mit großen Ketten wie Coop und Migros zusammen. Grundsätzlich zeigt sich auch europaweit: Die Unterschiede zwischen den Ländern sind gar nicht so groß. Was uns verbindet, ist eher das Problem – nämlich dass überall zu viele Lebensmittel weggeworfen werden, vor allem in privaten Haushalten.

Um Lebensmittelverschwendung zu reduzieren, braucht es keinen besonderen Aufwand. Das kann im Grunde jede und jeder im Alltag umsetzen

Georg Strasser

Wie beurteilen Sie bestehende gesetzliche Rahmenbedingungen und welche politischen Maßnahmen wären aus Ihrer Sicht notwendig, um Lebensmittelverschwendung in Österreich weiter zu reduzieren?

Eine zentrale Forderung von uns ist mehr Transparenz durch eine verpflichtende Berichterstattung. Betriebe sollten klar dokumentieren, wie viele Lebensmittelüberschüsse entstehen, wie viel davon verwertet oder gespendet wird. Da geht es auch in die Richtung, die auf EU-Ebene bereits angedacht ist – Österreich ist hier grundsätzlich auf einem guten Weg, aber es braucht noch konsequentere Umsetzung.

Ein zweiter wichtiger Punkt ist das Mindesthaltbarkeitsdatum. Unsere Studien zeigen, dass rund zehn Prozent der Lebensmittelüberschüsse auf Missverständnisse in diesem Bereich zurückzuführen sind. Viele Produkte wären noch einwandfrei genießbar, werden aber dennoch entsorgt.

Hier braucht es einerseits mehr Aufklärung und andererseits eine ehrliche Diskussion darüber, wo ein Mindesthaltbarkeitsdatum tatsächlich sinnvoll ist – etwa bei Produkten wie Salz oder Nudeln. Insgesamt sollte das System einfacher und verständlicher werden. Auch das ist aus unserer Sicht eine klare Aufgabe für die Politik, um Lebensmittelverschwendung weiter zu reduzieren.

Die meisten Lebensmittel werden immer noch im Privathaushalt weggeschmissen. Haben Sie für unsere Leser einen persönlichen Tipp, wie sie das am besten vermeiden können?

Die einfachsten Tipps sind meist die wirksamsten. Einfrieren ist einer davon. Aber noch davor hilft es, überhaupt einmal bewusst in den Kühlschrank zu schauen, bevor man einkauft. Planung spielt eine große Rolle: Einkaufslisten machen, gezielt einkaufen und nicht mit Hunger in den Supermarkt gehen. Das sind einfache Dinge, die schon viel verändern können.

Und wenn doch einmal etwas übrigbleibt, rechtzeitig einfrieren oder kreativ weiterverwenden. Es klingt banal, aber genau diese kleinen Routinen machen den Unterschied. Man braucht dafür keinen besonderen Aufwand. Lebensmittelverschwendung zu reduzieren, kann im Grunde jede und jeder im Alltag umsetzen.

Steckbrief

Georg Strasser

Georg Strasser war 2019 der erste Too-Good-To-Go-Mitarbeiter in Österreich und leitet das Unternehmen hierzulande seit Tag 1. Seit drei Jahren ist er auch für den Schweizer Markt verantwortlich. Als Country Director führt er das Team Alps bei Too Good To Go das Team Alps, das sich aus den beiden Ländern Schweiz und Österreich zusammensetzt.

Vor seiner Zeit bei Too Good To Go war Strasser als Corporate Responsibility Manager bei Hofer tätig. Schwerpunkt seiner Tätigkeit war unter anderem die Entwicklung und Implementierung von Programmen zur Reduktion von Lebensmittelüberschüssen.

Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 28+29/2026 erschienen.

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