Die Lufthansa Group setzt neue Langstreckenjets, die für Wien vorgesehen waren, anderswo im Konzern ein. Welche Flugzeuge Passagierinnen und Passagiere ab Wien länger sehen werden und welche Rolle die Flugabgabe spielt.
Austrian Airlines erhält fünf fabrikneue Boeing 787-9 „Dreamliner“ nicht, die ab Ende 2027 nach Wien kommen sollten. Die Lufthansa Group, zu der die AUA gehört, setzt die Flugzeuge innerhalb des Konzerns anderweitig ein. Das hat Austrian Airlines am Dienstag schriftlich bestätigt. Ursprünglich waren zwölf Dreamliner für Wien vorgesehen, damit bleiben nach heutigem Stand sieben.
Für Passagierinnen und Passagiere heißt das vor allem: Die älteren Boeing 777 der AUA bleiben deutlich länger im Einsatz, laut Airline „jedenfalls bis Ende 2029/Anfang 2030“. Eigentlich sollten die Dreamliner die 777-200ER und die letzten Boeing 767 bis 2028 vollständig ablösen. An bestehenden Buchungen ändert die Entscheidung nichts, weil die fünf Jets erst ab Ende 2027 geliefert worden wären.
Warum die Flugzeuge woanders hinfliegen
Die AUA begründet die Entwicklung mit den Kosten am Standort Österreich. Ersatz- und Wachstumsinvestitionen erfolgten im Konzern „dort, wo sie wirtschaftlich langfristig die besten Perspektiven bieten“, heißt es von der Airline. „Die strukturellen Belastungen des Standorts lassen kaum eine nachhaltige Zukunftsplanung zu“, sagt Vorstandschefin Annette Mann.
Ganz zu ist die Tür nicht. „Für Austrian Airlines könnte sich eine andere Option realisieren, im Zuge derer die bestehende Boeing 777-Flotte ersetzt werden könnte“, teilt die AUA mit. Die laufenden Gespräche mit der Bundesregierung über eine Entlastung des Standorts seien dafür „ein entscheidender Baustein“. Mann selbst sieht diese Gespräche „auf einem guten Weg“.
Mehr Umsatz im Sommer, weniger Gewinn im Jahr
Die Nachricht kam zeitgleich mit den Quartalszahlen. Von Juli bis September steigerte die AUA ihren Umsatz um 13 Prozent auf 851 Millionen Euro, das operative Ergebnis wuchs um 19 Prozent auf 140 Millionen Euro. Mit 4,89 Millionen flogen drei Prozent mehr Passagierinnen und Passagiere als im Vorjahr, die Auslastung sank allerdings um 1,4 Prozentpunkte auf 86,8 Prozent. Über die ersten neun Monate gerechnet fiel das bereinigte operative Ergebnis um 37 Prozent auf 48 Millionen Euro, belastet vor allem durch teures Kerosin.
Nach Ausbruch des Iran-Kriegs verlagerte die Airline Kapazitäten, die für den Nahen Osten geplant waren, auf Urlaubsziele wie Nizza, Mallorca und Barcelona. Im Winterflugplan 2026/27 bietet sie rund fünf Prozent weniger Kapazität an als im Vorjahr, die Verbindung Wien–Graz ist bereits eingestellt. Weitere, vor allem sehr kurze Strecken stehen laut AUA auf dem Prüfstand. Im Betrieb lief es rund: 99,2 Prozent der geplanten Flüge fanden statt. Schon 2025 zählte die AUA mit 83,74 Prozent pünktlicher Ankünfte laut Cirium-Pünktlichkeitsranking zu den drei pünktlichsten Airlines Europas.
Flugabgabe: Kanzler stellt Senkung in Aussicht
Im Zentrum der Debatte steht die Flugabgabe. Sie beträgt laut Unternehmensserviceportal des Bundes 12 Euro pro Passagierin und Passagier, auf Flügen unter 350 Kilometern 30 Euro. Airlines und Flughafen fordern seit Monaten eine Entlastung, die Vorstände des Flughafens Wien verlangen die Abschaffung.
Am Dienstagabend stellte Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) eine Senkung in Aussicht: „Wir werden die Flugabgabe senken“, sagte er am Rande seiner China-Reise. Um wie viel und ab wann, ließ er offen. Verkehrsminister Peter Hanke (SPÖ) hatte zuletzt eine Senkung statt einer Abschaffung ins Spiel gebracht, wie unser Bericht Flugabgabe: Minister Hanke will Ticketsteuer senken, aber nicht abschaffen zeigt. Ob eine Entlastung die Dreamliner-Entscheidung noch dreht, ist offen.
Was Reisende ab Wien jetzt wissen sollten
Kurzfristig spüren Fluggäste die Entscheidung nicht. Wer in den kommenden Jahren mit der AUA auf die Langstrecke geht, sitzt aber öfter in einer Boeing 777 als in einem Dreamliner. Welches Flugzeug eingesetzt wird, sehen Sie bei der Buchung in den Flugdetails. Ein Anspruch auf ein bestimmtes Flugzeugmuster besteht nicht. Werden Sie wegen eines Flugzeugwechsels in eine niedrigere Klasse gesetzt, muss die Airline nach der EU-Fluggastrechteverordnung einen Teil des Ticketpreises erstatten.
Mehr über Flotte, Service und Auszeichnungen der Airline lesen Sie in unserem Porträt Austrian Airlines im Porträt. Weitere Nachrichten zu Airlines, Flughäfen und Ihren Rechten finden Sie auf unserer Themenseite Luftfahrt & Flugreisen.
Quellen
Unternehmensserviceportal (USP): Flugabgabe (2026)
Flughafen Wien: Flughafen Wien-Vorstände Julian Jäger und Günther Ofner bekräftigen Forderung nach Abschaffung der Flugabgabe (18.10.2026)
Cirium: On-Time Performance Review 2025 (2.1.2026)
Quelle: APA
