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Georg Imlauer: „Mein Beruf ist meine Berufung“

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Georg Imlauer

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Vom jüngsten Kind einer großen Bauernfamilie zum Hotelunternehmer: Georg Imlauer spricht über die Freude am Gastgebersein, den Mut zur Selbstständigkeit und seine Verantwortung gegenüber Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

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Monika Wogrolly traf Georg Imlauer im Imlauer Hotel Schloss Pichlarn im steirischen Ennstal, das mit umfassenden Investitionen in Hotel, Golfanlage und Mitarbeiterunterkünfte neu aufgestellt wird. Das Gespräch führt von unternehmerischen Vorbildern und der Coronakrise über die Zusammenarbeit mit seinem Sohn bis zu Ehe, Familie und der Frage, was ein erfülltes Leben ausmacht

Herr Kommerzialrat Imlauer, wie schafft man es als eines von neun Kindern aus einem bäuerlichen Umfeld hierher nach Schloss Pichlarn – sozusagen als Schlossherr?

Ich habe das große Glück gehabt, in einer wohlbehüteten Familie mit vielen Geschwistern aufzuwachsen. Es war zwar ein karges, aber ein sehr liebevolles Leben. Und ich habe erfahren dürfen, dass Landwirte und Bauern eigentlich ja die ureigensten Unternehmer sind. Wenn man im Sommer nichts oder zu wenig erntet, hat man im Winter wenig zu essen. Man muss zuerst etwas erwirtschaften, damit man auch etwas hat.

Was war Ihr individueller Weg des Erfolgs, Ihr persönlicher Entwicklungsprozess?

Ich hatte dann das große Glück, meinen Traumberuf zu erwischen. Ich habe eine Koch- und Kellnerlehre gemacht. Ich habe sehr gern gekocht, aber auch sehr gern serviert und Kontakt mit Gästen gehabt. Wenn man etwas mit Freude und Hingabe macht, ist man erfolgreich. Mein Ziel war von Beginn der Lehre an, in meinem Lehrberuf den Meister zu machen. Das habe ich nach einigen Wanderjahren in Salzburg gemacht: 1987 den Serviermeister.

Der Serviermeister ist das Pendant zum Küchenmeister, aber nicht so bekannt. Ich war, denke ich, Nummer 17 in Österreich als Serviermeister damals; es kamen nicht mehr sehr viele dazu. Dann habe ich mit 25 Jahren in Salzburg das Stiegl-Brauerei-Restaurant als Direktor übernommen, später auch den Stieglkeller. 1999 konnte ich mich mit diesen beiden Betrieben selbstständig machen. Das war der Start meiner Unternehmerlaufbahn.

Sind Sie ein Mensch, der vielleicht aufgrund dieser Kinderschar früh gewohnt war, für andere zu sorgen, für andere da zu sein?

Es war eigentlich eher umgekehrt. Meine Geschwister waren für mich da, da ich ja der Jüngste war. Ich hatte das große Glück, dass ich diese soziale Kompetenz, die man mir nachsagt, in der Kindheit gleichsam gratis mitbekommen habe. In einer großen Familie gibt es natürlich Regeln, aber es gibt auch viel Liebe. Der eine passt auf den anderen auf, und wenn es einem schlecht geht, hilft ihm ein anderer.

Ich erwarte von meinen Mitarbeitern, dass sie mit großer Freude und Hingabe die Gäste zufriedenstellen, von Herzen. Nicht weil sie es machen müssen, sondern weil sie es gerne machen

Georg Imlauer

Diese soziale Kompetenz lernt man und spürt sie auch am eigenen Körper. Das hat sich bei mir eingeprägt. Das war vielleicht auch der Grund, warum ich so gerne mit Menschen zusammen bin, sie bedienen und ihnen etwas Gutes tun möchte. Ich möchte das Beste für sie machen, wenn sie in einen meiner Betriebe kommen.

Ist das Ihre Unternehmensphilosophie: Freude, Hingabe und Disziplin?

Das erwarte ich auch von meinen Mitarbeitern: dass sie mit großer Freude und Hingabe die Gäste zufriedenstellen, von Herzen. Nicht weil sie es machen müssen, sondern weil sie es gerne machen. Das merkt man dann auch, ob ein Betrieb erfolgreich ist oder nicht. Wenn es von Herzen kommt, nicht aufgesetzt und gespielt ist, spürt man das. In der Küche genauso wie im Service. Für mich ist mein Beruf meine Berufung. Und der Tourismus gibt unzählige Möglichkeiten, sich zu entwickeln, ohne ein Hochschulstudium zu haben.

Vom Serviermeister zum Unternehmer: Wie kam es dazu? Gab es Mentoren, Identifikationsfiguren, Vorbilder, Lehrmeister? Wie sind Sie zum Verantwortungsträger geworden?

Das Unternehmertum steckt in einem oder nicht. Es war immer mein Wunsch, mich selbstständig zu machen, selbst gestalten zu können und Verantwortung zu übernehmen. Mein damaliger Arbeitgeber, die Familie Koller, K+K Hotels, vor allem Pepi Koller, hat mich sehr gefördert.

Er hat mir Vertrauen geschenkt, mir mit 25 Jahren einen großen Betrieb überantwortet. Ich habe versucht, diesem Vertrauen gerecht zu werden, und mich sehr bemüht. Und ich habe ihn auch nicht enttäuscht. Dort habe ich viel gelernt. Das waren wirklich sehr gute Unternehmer, auch in ihrer sozialen Kompetenz.

Was macht einen guten Unternehmer aus?

Ich habe damals gelernt, was es heißt, Unternehmer zu sein: dass man am Abend mit ruhigem Gewissen schlafen gehen und sagen kann: Ich habe alle Verbindlichkeiten bezahlt, meine Mitarbeiter korrekt behandelt, es geht ihnen gut. Wenn es meinen Mitarbeitern gut geht, geht es auch mir gut.

Als ich die Betriebe übernommen habe, waren wir sofort erfolgreich. Viele Mitarbeiter hatte ich selbst eingestellt, sie waren uns verbunden. Wir haben an einem Strang gezogen und konnten sehr schnell wachsen.

So wie Sie Ihr Verhältnis zu Ihrem Mentor beschrieben haben, waren Sie dann umgekehrt für Ihre Mitarbeiter fast eine Vaterfigur.

Streng, aber korrekt. Korrektheit ist für mich ein großes Thema. Loyalität auch, aber viel mehr, dass man transparent und korrekt miteinander umgeht.

Wie viele Häuser oder Betriebe gehören zur Imlauer-Gruppe?

Sieben Hotels.

Können Sie die alle aufzählen? Auch die Jahreszahlen dazu?

1999 die Übernahme der Stiegl-Betriebe. 2000 der Kauf des Quellenhauses mit Umbau zum ersten Hotel Imlauer, von 2000 bis 2003. 2005 der Kauf des ersten Hotels in Wien, Hotel Nestroy. 2006 der Kauf des Nebenhauses, eines Zinshauses mit 16 Mietern, das wir dann umgebaut haben.

2008 habe ich das Hotel Pitter gekauft, lange das größte Hotel in der Stadt Salzburg mit 200 Zimmern, 400 Betten und einem großen Seminarbereich. Das haben wir ein paar Jahre betrieben und dann einer Generalsanierung unterzogen, mit Zubau und Aufbau des Sky-Restaurants und der Sky-Bar. 2019 der Kauf des Hotels am Mirabellplatz. 2020 kam Corona. 2021 haben wir das Haus hier während der Pandemie gekauft.

Herr Imlauer, Sie golfen.

Seit ungefähr 20 Jahren, aber mit mäßigem Erfolg. Mein Ziel war damals, Handicap 25 zu erreichen. Da kann man jeden Platz spielen. Das Problem ist: Ich bin zu faul zum Üben. Es ist zeitaufwendig und ich habe keine Lust, auf der Driving Range zu üben, obwohl die hier sehr schön ist.

Vielleicht haben Sie andere Challenges. Unser bisheriges Gespräch hört sich nach einem Zeitproblem an.

Ja, wir haben mittlerweile ein nicht mehr so kleines Unternehmen. Ich bin sehr froh, dass mein Sohn und seine Frau Maria – sie macht HR und die Lohnverrechnung – schon voll dabei sind. Er ist mittlerweile gemeinsam mit mir Geschäftsführer und auch an der Gesellschaft beteiligt. Der Generationswechsel hat begonnen oder ist im Laufen. Wir ergänzen uns sehr gut, verstehen uns gut und haben die Aufgaben gut aufgeteilt.

Ihre Tochter ist auch im Betrieb?

Sie ist im Betrieb, aber nur Teilzeit. Sie hat drei kleine Kinder.

Sie bezeichnen Ihre Familie und Ihre Frau als Kraftquelle. Wo ziehen Sie die Grenzen zwischen Beruf und Privatleben? Ein Ehepaar mit gemeinsamer Firma hat mir einmal gesagt: Wenn wir über die Schwelle des Schlafzimmers treten, wird nicht mehr über die Firma gesprochen. Gibt es bei euch auch klare Regeln und Linien?

Das verschwimmt eigentlich, würde ich sagen. Im Schlafzimmer ist eher das Thema Schlafen vordergründig. Gute-Nacht-Geschichte statt Firmengeschichte sozusagen. Freizeit und Arbeit verschwimmen, weil ich beides gerne mache. Ich lebe das, es ist mein Leben, meine Berufung.

Gott sei Dank haben wir noch andere Hobbys. Meine Frau hat Platzreife, aber sie golft nicht so oft.  Ich habe gesagt: Wenn du nicht golfst, dann golfen wir am Wochenende nicht. Also versuche ich, unter der Woche einmal oder zweimal eine kurze Runde (9 Loch) zu spielen. Am Wochenende machen wir etwas anderes. Wir sind begeisterte Skifahrer.

Wo fahren Sie Ski?

Wir sind aus Saalfelden, aus dem Pinzgau. Unser Hauptskigebiet ist die Region dort, aber wir fahren auch gerne Richtung Schladming und Dachstein. Skifahren ist eine richtige Leidenschaft, die wir beide gemeinsam haben. Wir schauen natürlich auch die Skirennen im Fernsehen, Kitzbühel und so. Wir gehen auch gerne wandern und fahren im Sommer Rad. Wir sind von Saalfelden hierher gefahren, in zwei Tagen, mit dem E-Bike.

Und Sie sind beide begeisterte Fußballfans?

Ja, fast schon zwangsläufig, weil hier immer Fußballmannschaften trainieren. Stuttgart war da, Union Berlin, Fenerbahçe Istanbul. Wir haben das wiederbelebt. Es waren schon viele Mannschaften hier, dann ist  einiges schiefgelaufen, man hat den Platz vernachlässigt.

Der Fußballplatz ist für ein Trainingscamp das Wichtigste. Wenn der Platz nicht gut in Schuss ist, können die Mannschaften nicht ordentlich trainieren und kommen nicht. Mit dem Bürgermeister gab es ein Commitment: Wenn er den Platz in Schuss bringt und hält, helfen wir mit und bringen wieder Mannschaften. Das haben wir eingehalten. Seitdem haben wir immer zwei bis drei Mannschaften pro Saison hier auf Trainingslager. Unser Heimatverein ist natürlich Salzburg.

Glück ist für mich, wenn es meinen beiden Familien gutgeht, der Betriebsfamilie und der persönlichen Familie

Georg Imlauer

Woher nehmen Sie Ihre Kraft, Ihre Ressourcen? Und wie erhält man eine Partnerschaft über mehrere Jahrzehnte frisch und interessant, wenn sich Menschen ja auch unterschiedlich entwickeln?

Das ist sicher die Harmonie in der Familie, wenn die passt. Daraus schöpft man Kraft. Das Verständnis des Partners für den Beruf. Meine Frau war ja auch im Unternehmen tätig und ist Gesellschafterin, wir haben es gemeinsam aufgebaut. Da war das Verständnis natürlich groß, wenn auch oft händeringend, weil sie mehr oder weniger fast eine alleinerziehende Mutter war.

Aber Sie haben sich schon sehr früh kennengelernt?

Wir kennen uns noch viel länger. Meine Frau war 17. Wir kennen uns aus Saalfelden, sie ist auch von dort. Wir sind dann gemeinsam nach Salzburg gegangen. Ich bin vorausgegangen, sie ist nachgekommen.

Eine Jugendliebe, eine sehr lebendige. Ihr habt euch ja gemeinsam entwickelt, von Jugend an. Man verändert sich selbst oft sehr stark. Viele Paare entwickeln sich unterschiedlich oder verlieren das Interesse daran, wie sich der andere entwickelt.

Und das war bei uns nicht der Fall, Gott sei Dank.  Die Selbstständigkeit war dann schon eine gemeinsame tolle Erfahrung. Das Verständnis für meinen Beruf ist größer geworden. Wenn man nicht permanent aufeinander klebt, hält das auch die Beziehung frisch. Man freut sich, wenn man sich wiedersieht.

Mir fällt auf, dass Sie immer „wir“ sagen. Dieses „Wir“ ist Ihnen sehr wichtig. Viele Unternehmer sagen eher „ich“, und die Frau habe ihnen den Rücken gestärkt.

Wir haben zwei Familien: eine persönliche Familie und eine Betriebsfamilie. Die Betriebsfamilie ist sehr wichtig, weil man mit ihr so viel Zeit verbringt. Die eigene Familie ist natürlich ganz besonders und persönlich. Aber Verantwortung gibt es auf allen Ebenen.

Wir haben Mitarbeiter, die schon so lange bei uns sind, dass sie Freunde geworden sind. Für sie fühle ich mich verantwortlich, genauso wie sie sich umgekehrt für mich verantwortlich fühlen. Sie geben das Beste, was sie können, und ich möchte das zurückgeben. Gemeinsam sind wir erfolgreich und stark. Wenn man einen Partner unterdrückt, wird nicht viel zurückkommen.

Meine letzte Frage für heute: Was ist für Sie Glück?

Glück ist für mich, wenn es meinen beiden Familien gutgeht, der Betriebsfamilie und der persönlichen Familie. Glück ist für mich, meine Enkelkinder aufwachsen zu sehen. Mittlerweile sind es fünf, zwischen fünf und neun Jahren. Und Glück ist, dass man die Früchte seines Lebens ernten kann und mit Dankbarkeit darauf schaut. Es ist nie etwas Schlimmes passiert. Wir haben ein sehr gutes Leben, das arbeitsreich ist. Aber es ist auch Glück, wenn man arbeiten kann. Das macht Sinn, das macht Freude. Somit haben wir ein erfülltes Leben.

© Bazzoka

Steckbrief

Georg Imlauer

geboren
19.10.1961

Georg Imlauer ist Hotelunternehmer. Kommerzialrat Imlauer ist Gründer und Geschäftsführer der Imlauer Hotel & Restaurant GmbH. Das familiengeführte Unternehmen betreibt Hotels und Gastronomiebetriebe in Salzburg und Wien sowie das Imlauer Hotel Schloss Pichlarn in der Steiermark. Er ist Fachverbandsobmann der Hotellerie in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) und Obmann der Fachgruppe Hotellerie in der Wirtschaftskammer Salzburg.

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