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Uni Innsbruck macht Jungmanns Konzilstagebuch digital zugänglich

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Liturgiewissenschaftler Josef Andreas Jungmann SJ
©Forschungsinstitut Brenner-Archiv, APA
Im Rahmen eines Forschungsprojekts hat die Universität Innsbruck eine digitale Edition des Konzilstagebuchs des 1975 verstorbenen Südtiroler Jesuiten und Liturgiewissenschafters Josef Andreas Jungmann öffentlich zugänglich gemacht. Die Aufzeichnungen aus den Jahren 1962 bis 1971 würden Beratungen, Netzwerke und Konflikte rund um das Zweite Vatikanische Konzil und die anschließende Liturgiereform sichtbar machen, erklärten die Verantwortlichen im APA-Gespräch.

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Das Tagebuch sei zwar ein "zugegeben kleiner Mosaikstein", aber äußerst wertvoll für die Geschichte des Konzils, der Innsbrucker Theologischen Fakultät sowie das Verständnis Jungmanns selbst, betonte Herausgeber Rudolf Pacik. Jungmann habe sich in seinen privaten Aufzeichnungen jedenfalls offener geäußert als in seinen Publikationen. Das Projekt wurde in Zusammenarbeit mit der Universität Salzburg ermöglicht.

Ein Konzil ist eine Versammlung von Bischöfen, die über zentrale Fragen der Lehre und des kirchlichen Lebens berät und entscheidet. Das Zweite Vatikanische Konzil wurde 1962 von Papst Johannes XXIII. eröffnet und nach dessen Tod von Paul VI. bis 1965 weitergeführt. Knapp 100 Jahre zuvor hatte das Erste Vatikanische Konzil unter anderem die Stellung des Papstes innerhalb der katholischen Kirche gestärkt.

Vor Beginn des Zweiten Vatikanums habe es auch Stimmen gegeben, die ein neuerliches Konzil kaum für notwendig hielten, erinnerte Pacik. Zudem hätten manche erwartet, dass die Bischöfe von vatikanischen Behörden vorbereitete Texte im Wesentlichen bestätigen. Tatsächlich entwickelte das Konzil jedoch eine eigene Dynamik, betonte der emeritierte Professor der Universität Salzburg. Papst Johannes XXIII. habe damit das häufig mit dem italienischen Begriff "Aggiornamento" beschriebene Anliegen verbunden, die Kirche stärker auf die Verhältnisse der Gegenwart auszurichten.

Jungmann habe sich bereits lange vor dem Konzil mit möglichen Reformen der katholischen Kirche beschäftigt, erläuterte Pacik. Nach Erscheinen seines Hauptwerks zur Geschichte der Messfeier sei er 1948 aus Rom um ein Gutachten ersucht worden. "Im Jahr 1960 kam er dann in die vorbereitende Liturgiekommission und übernahm dort eine zentrale Funktion im Bereich der Messe", erklärte der Forscher. Während des Konzils habe er als "Peritus" gewirkt, also als theologischer Sachverständiger, und war auch später an der Umsetzung der Liturgiereform beteiligt.

Als erstes großes Dokument des Konzils sei im Jahr 1963 die sogenannte Liturgiekonstitution "Sacrosanctum Concilium" verabschiedet worden, sagte der Herausgeber. Liturgie bezeichne dabei die Rituale oder gemeinschaftlichen gottesdienstlichen Feiern der Kirche, vor allem die Messe.

Das Tagebuch gebe vor allem Einblicke in Vorgänge, die in den offiziellen Konzilsakten nur eingeschränkt sichtbar würden, meinte Pacik. Dazu gehörten Beratungen in kleineren Kommissionen, persönliche Kontakte zwischen Theologen und Bischöfen sowie die Suche nach Unterstützung für bestimmte Reformvorschläge. So hätten reformorientierte Konzilsväter und Theologen ihre Vorgangsweise etwa untereinander abgestimmt und versucht, Bischöfe für Wortmeldungen oder Änderungsanträge zu gewinnen, schilderte der Liturgiewissenschaftler.

Zu den bekannten deutschsprachigen Theologen des Konzils habe neben Jungmann etwa dessen Innsbrucker Kollege Karl Rahner gehört. Auch der Wiener Erzbischof Kardinal Franz König habe mit Jungmann in Verbindung gestanden. Jungmann selbst sei jedenfalls klar reformorientiert gewesen, betonte Pacik. Seine Aufzeichnungen zeigten detailliert auf, inwiefern unterschiedliche Richtungen um die Entwicklung der katholischen Kirche rangen.

Jungmanns Forschung zur Liturgie habe gezeigt, dass zahlreiche Formen des Gottesdienstes nicht unverändert aus der Frühzeit des Christentums übernommen worden seien, sondern sich über Jahrhunderte entwickelt hätten, erklärte Pacik. Daraus habe sich für den Theologen auch Potenzial für weitere Reformen ergeben. Er habe seine historischen Erkenntnisse mit der Frage verbunden, welche Form des Gottesdienstes den Menschen der jeweiligen Gegenwart gerecht werde.

Zu den Reformthemen gehörten etwa die stärkere Beteiligung der Gemeinde oder die Verwendung der Volkssprache. Der Gottesdienst sollte nicht mehr rein als Handlung eines Priesters für eine passive Gemeinde verstanden werden, unterstrich Pacik.

"Jungmann beschreibt in seinem Tagebuch auch, dass er zwar nicht mit allen Reformen im Zuge des Konzils zufrieden ist, aber der Ausgang dennoch gemeinsam und positiv in die Kirche hineingetragen werden muss", erklärte indes der Innsbrucker Liturgiewissenschaftler Liborius Lumma. Jungmann sei überzeugt davon gewesen, dass die Verantwortlichen die Reformen nun umsetzen und sie den Menschen auf überzeugende Weise nahebringen sollten, damit "aus der Liturgie neue Lebendigkeit im Glauben gewonnen werden kann".

Neben seinem Einfluss auf das Zweite Vatikanische Konzil habe der gebürtige Südtiroler insbesondere die Liturgiewissenschaft geprägt, betonte Lumma. "In ihrer Methodik, ihrem wissenschaftlichen Ethos sowie ihrer Zielsetzung wurde diese von niemandem so sehr beeinflusst wie von Josef Andreas Jungmann", erklärte der Innsbrucker Studiendekan. Die Liturgiewissenschaft untersuche unter anderem Geschichte, Bedeutung, Texte und Rituale christlicher Gottesdienste sowie deren konkrete Praxis.

Die Forschung Jungmanns sowie seine Mitarbeit an der Liturgiereform wirkten jedenfalls bis heute in der Forschung und in der katholischen Gottesdienstpraxis in Tirol, Europa und darüber hinaus nach, betonte Lumma. "Und zwar ausgehend von Jungmanns Erfahrungen als junger Priester in Tirol bis in die gesamte katholische Welt der Gegenwart."

Ausgangspunkt der nunmehr in Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut Brenner-Archiv erstellten Edition seien Aufzeichnungen Jungmanns in Gabelsberger-Kurzschrift gewesen. Die Bezeichnung "Konzilstagebuch" greife dabei wohl etwas zu kurz, meinte Pacik, weil die Aufzeichnungen bis 1971 und damit deutlich über das eigentliche Konzil hinausreichten.

Angeboten werde eine möglichst originalgetreue diplomatische Fassung, eine normalisierte und damit leichter lesbare Version sowie eine synoptische Gegenüberstellung, hieß es. Zusätzlich seien Personen und Orte erschlossen und mit weiterführenden Informationen versehen.

Jungmann wurde 1889 in Sand in Taufers geboren, arbeitete zunächst als Weltpriester und trat 1917 in den Jesuitenorden ein. Er sei über Jahrzehnte eng mit der Universität Innsbruck verbunden gewesen, begann 1925 dort zu lehren und war 1953/54 Rektor, berichtete Pacik.

Die Online-Edition, die er gemeinsam mit Markus Ender und Joseph Wang-Kathrein herausgibt, solle nunmehr nicht nur Forschenden, sondern allen Interessierten offenstehen. Der Nachlass selbst werde hingegen als Dauerleihgabe des Jesuitenordens im Forschungsinstitut Brenner-Archiv der Universität Innsbruck verwahrt und derzeit weiter erschlossen.

INNSBRUCK - ÖSTERREICH: FOTO: APA/Forschungsinstitut Brenner-Archiv

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