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Ukraine - Tiere passten Verhalten unmittelbar an Kriegsgeschehen an

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Vele Tiere waren in den Nächten weniger aktiv
Schon kurz nach Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine haben Wildtiere ihre Verhaltensmuster in der Sperrzone von Tschernobyl an die neuen Umstände angepasst. Das zeigt eine im Fachmagazin "Science" erschienene Studie mit Beteiligung aus Österreich. So waren viele Tiere in den Nächten weniger aktiv und hegten ihren Bewegungsradius selbsttätig an Tagen mit intensiven Gefechten merklich ein, wie Daten von Wildkameras zeigen.

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Nach dem Atomreaktor-Unfall in Tschernobyl im Jahr 1986 wurde die unmittelbare Umgebung des AKW-Geländes großräumig gesperrt. In weitgehender Abwesenheit von Menschen hat sich auf den rund 2.600 Quadratkilometern ein neues Gleichgewicht eingestellt. Viele Tiere sind in den vergangenen Jahrzehnten zugezogen und haben sich erfolgreich etabliert. Die Vorzüge des von Menschen unbehelligten Lebens überwiegen insgesamt offenbar die Nachteile der erhöhten Strahlung vor Ort.

Die relative Ruhe wurde kurz nach Beginn des Ukraine-Krieges durch russische Invasoren gestört. Kurz nach dem Einmarsch im Februar 2022 drangen russische Truppen in das Gebiet ein. Sie hielten es vom 24. Februar bis 1. April. Diese Phase war geprägt von wiederholten Gefechten in der gesperrten Zone.

Durch diese Ereignisse entstand aus Forscher-Sicht eine Art Experiment. Wissenschafterinnen und Wissenschafter hatten nämlich im Jahr 2021 zahlreiche Wildtierkameras in dem Gebiet etabliert, um die Aktivitäten großer Säugetiere zu studieren. Diese machten auch im Okkupationsjahr weiter Bilder. Das gab dem Team um die u.a. an der Universität Freiburg (Deutschland) tätige Svitlana Kudrenko die Möglichkeit, die gleichen Zeiträume einmal ohne und ein andermal mit menschlicher Aktivität in Form von wiederholten Kampfhandlungen zu vergleichen. Auf Basis verschiedener Datenquellen identifizierten die Forschenden Tage mit starken oder weniger starken Kämpfen und sahen sich dann an, welche und wie viele Tiere von den Kameras aufgezeichnet wurden. Das erlaubte einen statistischen Vergleich, schreiben sie in der Publikation.

Eher überraschend kam der Befund, dass einige Tiere ihre Aktivitäten in Reaktion auf die Kämpfe nicht weiter in die Nacht verlegten: So waren Rothirsche und Rotfüchse 2022 im Vergleich zum Jahr davor sogar weniger häufig in den Nachtstunden unterwegs. Das stehe eigentlich im Gegensatz zu dem, was aus anderen Studien über Lebensräume, die durch menschliche Aktivität stark gestört sind, zu erwarten war, heißt es in der Arbeit. Angesichts der kriegerischen Auseinandersetzung erschien diesen Tieren offenbar der Tag als weniger gefährlich. Es scheint, dass viele Säugetiere in der Zeit der Besatzung des Areals Menschen vermehrt als potenziell tödliche Bedrohung wahrgenommen haben.

Insgesamt ließen sich - eher erwartbar - viele Tiere an Tagen mit stärkeren Kampfhandlungen seltener zum Beispiel in der Nähe von Orten mit menschlicher Infrastruktur blicken. Während Wildschweine und Marderhunde häufiger an Orten anzutreffen waren, die weit weg von Plätzen mit menschlicher Präsenz lagen, "wurden Rotfüchse und Luchse häufiger in der Nähe dieser Orte gesichtet, möglicherweise weil sie diese als Nahrungsquellen nutzten", schreiben die Forschenden, unter denen sich auch der u.a. am Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft der Universität für Bodenkultur (Boku) Wien tätige Andreas Zedrosser findet. Die Studie gebe einen einzigartigen Einblick in Reaktionen von Wildtieren auf kriegerische Handlungen - und zeige gleichzeitig, dass es rund um die spezifischen Reaktionen verschiedener Tierarten auf Störungen noch vieles zu erforschen gebe, so die Wissenschafterinnen und Wissenschafter.

(S E R V I C E - https://dx.doi.org/10.1126/science.aed1493 )

28.04.2025, Brandenburg, Reitwein: Ein Rehbock springt am frühen Morgen durch ein blühendes Rapsfeld im Oderbruch. Berlin und Brandenburg starten mit viel Sonne in den Tag. Zum Wochenstart setzt sich laut Angaben des Deutsche Wetterdienstes (DWD) das sonnige und trockene Wetter fort. Die Höchstwerte liegen zwischen 17 und 20 Grad. Foto: Patrick Pleul/dpa +++ dpa-Bildfunk +++.

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