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Tiroler Forschende untersuchen Stadteinfluss auf Amseln

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++ HANDOUT ++ Die Amsel ist Gegenstand eines Forschungsprojektes der Uni Innsbruck
©APA/UNIVERSITÄT INNSBRUCK
Ein Forschungsteam der Uni Innsbruck hat eine Studie zum Einfluss der Stadt auf Amseln gestartet. An 50 Stellen in Innsbruck - vom Waldrand bis zur versiegelten Innenstadt - sollen rund 250 Exemplare des Vogels eingefangen und betreffend Genetik, Körpermaße, Ernährung und Schwermetallbelastung untersucht werden, erklärten die Projektverantwortlichen. Ergebnisse werden in einem Jahr erwartet und könnten auch für die Stadtplanung im Sinne des Umweltschutzes genutzt werden.

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"Wir haben die Amsel gewählt, weil diese Vogelart sehr häufig ist, überall in der Stadt vorkommt und keinen besonders großen Bewegungsradius hat", erklärte Ökologe und einer der Studienleiter, Florian Steiner, im APA-Gespräch. Damit könne sie ihr Habitat sehr gut repräsentieren, sekundierte Masterstudent Daniel Egger. Ihre Häufigkeit allein zeige aber noch nicht, wie gut die Tiere tatsächlich mit den Bedingungen in der Stadt zurechtkämen. "Wie gut kommt sie tatsächlich zurecht? Wie gut hängen die unterschiedlichen Teilpopulationen in Innsbruck zusammen? Gibt es Barrieren, die sie daran hindern, genetischen Austausch zu haben? Das sind einige Fragen, die wir untersuchen wollen", sagte er.

Bei einer gleich aufgebauten Studie zur Gartenkreuzspinne habe man nachweisen können, dass die genetische Vielfalt sinkt, wenn der menschliche Einfluss steigt, betonte indes Birgit Schlick-Steiner, Leiterin des Instituts für Ökologie, ebenso in der Projektleitung der Studie. "Sollten wir etwa Hinweise auf eine genetische Isolation finden, könnten zusätzliche Grünflächen und Korridore den Austausch zwischen den Populationen erleichtern", wies sie auf mögliche Ergebnisse und entsprechende Maßnahmen hin.

Jedenfalls sei die Amsel aber auch eine Art, die von der Stadt profitiert, meinte wiederum Steiner. "Wir sind unvoreingenommen - man sollte nicht davon ausgehen, dass die Stadt nur negative Effekte in jeder Hinsicht hat", betonte der Studienleiter. Die Ergebnisse der Studie würden jedenfalls Grundlagen für den Arten- und Umweltschutz in urbanen Räumen schaffen und könnten direkt in Stadtplanung und Umweltpolitik Innsbrucks einfließen.

Die ursprünglich vor allem in Wäldern lebende Amsel habe den menschlichen Siedlungsraum als sogenannter Kulturfolger besiedelt, erklärte der Forscher. Als Kulturfolger werden Tiere bezeichnet, die Menschen in ihre Kulturlandschaften folgen, weil sie dadurch Vorteile erlangen. "Höhere Temperaturen in den Städten ermöglichen den Vögeln etwa einen früheren Brutbeginn und auch das Nahrungsangebot im Winter ist gesicherter."

Gleichzeitig könnten Stadtentwicklungen der letzten Jahrzehnte - zunehmende Bodenversiegelung, ein damit einhergehend kleineres Nahrungsangebot und steigende Schwermetallkonzentrationen - Nachteile mit sich gebracht haben, betonte Steiner: "Wir wollen herausfinden, welche Auswirkungen die heutige Stadt auf die genetischen und morphologischen Eigenschaften der Amsel hat und eine Gesamtprognose für die Amsel-Population in Innsbruck geben."

Für die Studie habe das Forschungsteam das Innsbrucker Untersuchungsgebiet anhand von Luftbildern nach dem Grad des menschlichen Einflusses in Stufen von eins bis zehn eingeteilt, erklärte Schlick-Steiner. "Dadurch ist eine Karte entstanden, welche die Stadt in kleine farbige Quadrate einteilt - von null Prozent Versiegelung oder Landwirtschaft am Waldrand bis 100 Prozent im Gewerbegebiet." Die sogenannte "Hemerobie" stelle dabei den Grad des menschlichen Einflusses dar. "Je stärker eine Fläche vom Menschen geprägt wurde, desto hemerober ist sie", meinte die Wissenschafterin.

Für jede Stufe seien wiederum fünf Flächen ausgewählt worden, an denen je fünf und somit insgesamt 250 Amseln eingefangen und untersucht werden sollen. "Insgesamt sind es also 50 Flächen, an denen wir unsere Japannetze aufstellen", erklärte Egger. Das sei die standardisierte Methode in der Wissenschaft, um Vögel einzufangen. "Wenn sich eine Amsel darin verfängt, befreien wir sie aus dem Netz und nehmen unsere Messungen vor", sagte der Student. Aufgrund der hohen Temperaturen im Juni hätten sich Amseln im Dickicht zurückgezogen. Bei Hitze würden die Vögel grundsätzlich weniger aktiv sein, erklärte er.

Anhand einer einzigen Feder könne man inzwischen mithilfe der PCR-Methode die genetischen Merkmale der Amsel gut nachweisen, betonte Schlick-Steiner. Zudem könnten über Isotopenwerte sowie den Vergleich mit Daten aus vorangegangenen Studien Erkenntnisse über das Ernährungsverhalten der Amsel gewonnen werden.

"Neben der Entnahme einer Feder zur genetischen Analyse schauen wir uns beim Vogel auch die Schnabellänge, die Fußwurzel, verschiedene Flügelmaße und das Gewicht an", erklärte indes Alina Wolfbauer, ebenso als Masterstudentin am Projekt beteiligt. Aus diesen Maßen könne man dann ableiten, ob die Stadt einen eher positiven oder negativen Effekt auf die Morphologie ausweise.

"Uns ist auch ein Anliegen, dass wir umsetzungsrelevante Ergebnisse produzieren", betonte Schlick-Steiner. Aus stadtplanerischer Sicht könne man etwa Stadtteile mit bereits geringer "Hemerobie" ausbauen und damit Korridore für Tier- und Pflanzenwelt schaffen. "Entsiegelung wäre natürlich generell wünschenswert", sagte die Forscherin. Gleichzeitig würden Innenhöfe auch in stark bebauten Gebieten bereits eine wichtige Rolle spielen.

Interessanterweise schneide der öffentliche Bereich in Bezug auf das Blütenangebot teilweise schlechter ab als der Bereich von Betrieben. "Das ist sicher ein Ansatzpunkt, wo die öffentliche Hand mehr tun könnte und hoffentlich auch wird", sagte die Institutsleiterin. Neben einer Entsiegelung könnten eine vielfältigere Bepflanzung mit einheimischen Pflanzen, günstigere Mahdzeitpunkte sowie zusätzliche Grünstrukturen das Nahrungsangebot für Insekten und damit auch für Vögel verbessern.

Auch Marion Chatelain, Wissenschafterin am Institut für Zoologie der Universität Innsbruck, hat sich in ihrer Forschung bereits mit der Ernährung von Vögeln auseinandergesetzt. "In Innsbruck ernähren sich Meisen vor allem von Blattläusen", betonte sie im APA-Gespräch. In ihren Untersuchungen zur Diät von Kohl- und Blaumeisen habe sie im städtischen Gebiet Innsbrucks jedenfalls weniger Spinnen, Raupen und andere Gliederfüßer festgestellt.

Gleichzeitig gab Chatelain einige Tipps für die Fütterung von Vögeln: "Sonnenblumenkerne oder Erdnüsse sind zwar energiereich, können eine vielfältige natürliche Ernährung aber nicht ersetzen." An eigenen Futterstellen könnten zudem viele Tiere auf engem Raum zusammentreffen, wodurch Konkurrenz und die Übertragung von Krankheiten begünstigt würden. "Anstatt zusätzliches Futter bereitzustellen, ist es meiner Ansicht nach sinnvoller, einen Garten möglichst vogelfreundlich und biodiversitätsfördernd zu gestalten", erläuterte die Forscherin. Dabei könne man etwa darauf achten, heimische Pflanzen und beerentragende Sträucher zu pflanzen.

Chatelain wies auf bereits bestehendes Wissen zum Einfluss von Urbanisierung auf Amseln hin - etwa auf deren Diät oder Singverhalten: "Während Amseln im Wald eine vielfältigere Ernährung aufweisen, fressen sie in der Stadt meist Regenwürmer." Des Weiteren würde die Vogelart im städtischen Gebiet in der Früh früher und am Abend später zu singen beginnen. "In der urbanen Ökologieforschung werden in Europa meist Kohlmeisen untersucht, deshalb bin ich äußerst gespannt auf die Ergebnisse der Amsel-Studie", betonte die Forscherin. Bisher würden demnach fast alle Daten auf Studien zu einer Spezies basieren. Ein Vergleich zwischen Meisen und Amseln könnte jedenfalls zeigen, ob die Stadt die beiden Arten ähnlich beeinflusst oder ob große Unterschiede festzustellen sind.

Ein Forschungsteam der Uni Innsbruck hat eine Studie zu den Auswirkungen der Stadt auf Amseln gestartet. An 50 Stellen in Innsbruck - vom Waldrand bis zur versiegelten Innenstadt - sollen rund 250 Exemplare des Vogels eingefangen und nach Genetik, Körpermaße, Ernährung und Schwermetallbelastung untersucht werden. Im Bild: Eine Amsel (Weibchen), aufgenommen am Mittwoch, 15. Juli 2026 in Innsbruck.

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