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Der Zustand der Pflanzen- und Tierwelt hat sich in der jüngeren Vergangenheit stark verschlechtert. Das Artensterben ist heute mindestens zehn- bis einhundertmal höher als im Durchschnitt der letzten zehn Millionen Jahre, wie aus Berichten des Weltbiodiversitätsrates (IPBES) hervorgeht. Bereits 2019 zeigte eine IPBES-Bestandsaufnahme des Gesamtzustandes der Erde, dass 75 Prozent der Landoberfläche und 66 Prozent der Meeresfläche durch menschlichen Einfluss signifikant verändert waren. Über 85 Prozent der Feuchtgebiete sind laut IPBES in den letzten 300 Jahren ganz verloren gegangen. Die negative Entwicklung wird eindeutig auf den menschlichen Einfluss zurückgeführt, direkte Treiber seien etwa die Land- und Meeresnutzung, Produktions- und Konsummuster, Umweltverschmutzung und der Klimawandel.
Der IPBES schätzt, dass es weltweit etwa acht Millionen Tier- und Pflanzenarten gibt, die meisten davon Insekten, die noch gar nicht entdeckt und beschrieben worden sind. Rund eine Million davon dürften laut Hochrechnungen vom Aussterben bedroht sein. In der aktuellen Roten Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) vom Juli 2026 werden weltweit insgesamt rund 176.000 bereits bekannte Tier- und Pflanzenarten erfasst. Mehr als 49.500 von ihnen gelten als vom Aussterben bedroht, das entspricht etwa 28 Prozent. Und der Druck auf die Artenvielfalt steigt: Seit der letzten Aktualisierung im Oktober 2025 ist die Liste um 860 Arten länger geworden. Laut der Umweltschutzorganisation WWF kommen in Österreich 37 der Arten vor, die von der IUCN weltweit als bedroht eingestuft werden, darunter unter anderem der Feldhamster und der europäische Nerz.
Als Beispiel kann auch die Wildbiene dienen. Ob Obst, Gemüse, Nüsse oder Kräuter: Ohne die Bestäubung durch Bienen, der Übertragung des Pollens auf Pflanzen, würde es viele Lebensmittel für die Menschheit nicht mehr geben. Doch die Zahl der Bienenvölker sinkt dramatisch und auch die Hälfte der über 700 in Österreich ansässigen Wildbienenarten ist laut Umweltorganisationen bedroht. Vor allem die industrielle Landwirtschaft, Monokulturen - der Anbau der immer gleichen Pflanzenart auf einer Bodenfläche - und der Einsatz von Pestiziden machen den Bienen das Überleben schwer.
Pestizide sind ein Sammelbegriff für Giftstoffe, die in der Forst- und Landwirtschaft sowie in der Lagerhaltung gegen tierische Schädlinge, Krankheiten oder unerwünschtes Unkraut eingesetzt werden. Der Einsatz dieser sogenannten Pflanzenschutzmittel hat nicht nur negative Folgen für Ökosysteme, sondern auch für die Menschen, denn die Giftstoffe können gesundheitsschädlich wirken und etwa Krebs auslösen.
Auch die globale Wirtschaft ist eng mit der biologischen Vielfalt verwoben: "Das Wachstum der Weltwirtschaft ging mit einem immensen Verlust an biologischer Vielfalt einher, der nun ein kritisches und allgegenwärtiges systemisches Risiko für die Wirtschaft, die Finanzstabilität und das Wohlergehen der Menschen darstellt", lautet eine zentrale Erkenntnis aus einem Bericht des Weltbiodiversitätsrates (IPBES) vom Februar 2026. Unternehmen spielen demnach eine zentrale Rolle dabei, den Verlust biologischer Vielfalt zu stoppen und umzukehren. Der Bericht verweist auf eine Vielzahl konkreter Maßnahmen, darunter die Steigerung der Effizienz und die Reduktion von Abfall und Emissionen. Voraussetzung dafür seien allerdings Anpassungen bei politischen, rechtlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen, Wirtschafts- und Finanzsystemen, sozialen Normen sowie Technologie und Datenerhebung.
Österreich hat an sich eine verhältnismäßig große Vielfalt an Tieren und Ökosystemen. Der Naturschutzbund schätzt, dass in Österreich zumindest 75.600 Tier-, Pflanzen- und Pilzarten beheimatet sind, darunter 40.000 Insektenarten. Doch auch in Österreich ist die Lage für viele dieser Lebewesen und Organismen schwierig. Laut Naturschutzbund muss hierzulande aktuell von hochgerechnet 40 Prozent gefährdeter Arten ausgegangen werden. Das entspricht rund 30.000 in unterschiedlichem Ausmaß gefährdeten Tier-, Pflanzen- und Pilzarten.
Während viele Tiere oder Organismen laut Forscherinnen und Forschern noch gar nicht entdeckt und beschrieben worden sind, gibt es einige nur in Österreich. Rund 750 dieser Tier- und Pflanzenarten kommen laut einer Erhebung des Umweltbundesamtes ausschließlich in Österreich vor und nirgendwo sonst auf der Welt. Diese Organismen, die nur in einem sehr kleinen Verbreitungsgebiet vorkommen, nennt man auch Endemiten. Sie haben sich entweder im Lauf vieler Jahrtausende hier entwickelt oder während der letzten Eiszeit an eisfreien Berggipfeln der Alpen ein Rückzugsgebiet - ähnlich einer Insel im Meer - gefunden.
Jens Büttner/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
