Tech-Bosse, die sich plötzlich hypermaskulin präsentieren, Unternehmer mit Hang zu Geheimagenten-Geschichten und solche, die sich selbst als Superhelden inszenieren: Welche Vorbilder Zuckerberg, Musk, Bezos und Co. geprägt haben – und es immer noch tun.
Schüchtern grinst er in die Kamera, den Laptop wie ein Schutzschild vor sich aufgestellt. Wer nach frühen Fotos von Meta-Gründer Mark Zuckerberg googelt, erkennt schnell: Auch die erfolgreichsten Tech-Bosse waren einmal unscheinbare, beinahe bescheidene junge Männer mit großen Träumen.
Später entwickelte Zuckerberg – angetrieben von sexistischen Fantasien und einem ausgeprägten Größenanspruch – zunächst die Plattform „Facemash“, auf der Harvard-Studentinnen nach ihrem Aussehen bewertet werden konnten. Danach gründete er 2004 Facebook. Heute wird das Vermögen des 42-Jährigen von Forbes auf rund 217 Milliarden US-Dollar geschätzt.
Auch nur Fans
Gleichzeitig pflegt Zuckerberg eine auffällige Faszination für das Römische Reich und dessen Herrscher. Seine drei Kinder Maxima, August und Aurelia hat er allesamt nach römischen Kaisern benannt. Doch Zuckerberg ist längst nicht der Einzige, der sich an mächtigen historischen oder fiktionalen Figuren orientiert.
Zuckerberg und die römischen Herrscher


Vom Nerd zum Tech-Boss: Meta-Chef Mark Zuckerberg gilt offen als Fan römischer Herrscher wie Julius Cäsar. Bei einer Meta-Konferenz im Jahr 2024 erschien er sogar in einem T-Shirt mit der lateinischen Aufschrift „Aut Zuck aut nihil“ („Entweder Zuck – Zuckerberg – oder niemand“). Eine Anspielung auf das lateinische Sprichwort „Aut Caesar aut nihil“
Auch Jeff Bezos hatte früh große Vorbilder, insbesondere in jener Zeit, als er Amazon aufbaute. Eigentlich, so verriet er bereits in seiner High-School-Abschlussrede 1982, wollte er gar nicht das Internet erobern, sondern das Weltall. Seine Vision: die Besiedelung des Weltraums, während die Erde zu einer Art Nationalpark werden sollte. Zum Abschluss zitierte er die berühmten Worte aus seiner Lieblingsserie „Star Trek“: „Space, the final frontier. See you there.“
Jeff Bezos, der berühmteste „Trekkie“


Amazon-Gründer Jeff Bezos gilt als bekennender Fan der Serie „Star Trek“ und spielte 2016 selbst im Film mit. 2021 schickte er außerdem das „Star Trek“- Urgestein, den mittlerweile 95-jährigen Schauspieler William Shatner, in einer Rakete seines Weltraumunternehmens „Blue Origin“ ins Weltall. Sprachagentin „Alexa“ soll sogar vom Bordcomputer des Raumschiffs „USS Enterprise“ inspiriert sein: Auch sie lässt sich mit den Worten „Computer“ aufwecken
Vermeintliche Retter der Menschheit
Gerade Tech-Giganten neigten dazu, sich als Retter der Menschheit zu inszenieren, sagt der Männlichkeitsforscher Christoph May, der gemeinsam mit seiner Partnerin Marie Louise May das Institut für kritische Männlichkeitsforschung gegründet hat und unter anderem die Deutsche Bundeswehr zu Demokratie-, Wirtschafts-, Wissenschafts- und Genderthemen berät: „Wir erleben gerade eine Mischung aus „White Supremacy“ und „Male Supremacy“*: Die Vorstellung, weiße Männer – vor allem diese Tech-Bros – seien die Einzigen, die die Welt retten können. Demokratie gilt dabei als überholt, stattdessen träumt man von autoritären, technokratischen Machtstrukturen.“
Dass Technologieunternehmer politischen Einfluss ausüben wollen, sei kein neues Phänomen. „Neu ist aber das Ausmaß. In den USA standen führende Tech-CEOs bei der Amtseinführung von Donald Trump demonstrativ in einer Reihe. Das war ein starkes Symbol.“
„White Supremacy“ und „Male Supremacy“
„White Supremacy“ und „Male Supremacy“ bezeichnen Ideologien, die von einer grundsätzlichen Überlegenheit weißer Menschen beziehungsweise von Männern ausgehen.
Männliche Superheldenfantasien
Bezos selbst, einer der bekanntesten „Trekkies“ der Welt, hat mit seinem früheren Erscheinungsbild jedenfalls kaum noch etwas gemeinsam: Trainiert, gebräunt, mit neuer Frau an seiner Seite, schwebt er von einem Society-Event zum nächsten. Für May ist das kein Zufall: „Früher galt Bezos als nerdig und schmächtig, heute präsentiert er sich als muskulöser Machtkörper. Das ist eine Form performter Männlichkeit.“
Die Fantasie männlicher Überlegenheit sei eine der zentralen modernen Männlichkeitsfantasien, so der Forscher. Eine wichtige Rolle spielen dabei die kulturellen Vorbilder, mit denen viele erfolgreiche Tech-Unternehmer und Politiker aufgewachsen sind. „Superheldenfilme spielen eine enorme Rolle. Marvel und DC prägen Bilder von Macht, Gewalt und männlicher Ausnahmeexistenz. Mit diesen Bildern sind ganze Generationen von Männern aufgewachsen. Niemand kann sich davon komplett freimachen.“
Besonders häufig fällt dabei der Vergleich zwischen Iron Man und Elon Musk. Tatsächlich diente Musk den Filmemachern als Inspiration für die Figur des exzentrischen Milliardärs Tony Stark und absolvierte in „Iron Man 2“ sogar einen kurzen Cameo-Auftritt (Ein kurzer Gastauftritt einer bekannten Person in einem Film, einer Serie oder einem anderen Medienformat, Anm.).
Auch KI wird männlich dominiert
Auf Twitter – jener Plattform, die Musk später kaufte und in „X“ umbenannte – schrieb er bereits 2013, er habe bestimmte Konzepte aus den „Iron Man“-Filmen übernommen: „Ich habe herausgefunden, wie man Raketenteile allein durch Handbewegungen in der Luft konstruiert (im Ernst!). Jetzt brauche ich nur noch einen Hologrammgenerator mit hoher Bildrate.“
Jon Favreau, Produzent von „Iron Man 2“, fragte Musk daraufhin, ob das System von „Iron Man“ inspiriert worden sei. Musks Antwort: „Yup, wir haben es im Film gesehen und real gemacht. Eine gute Idee!“
Elon Musk: Der „echte“ Iron Man


Dass Elon Musk als eine der Inspirationen für die Filmfigur Tony Stark in den von Jon Favreau inszenierten „Iron Man“-Filmen diente, gilt als gut dokumentiert. Schauspieler Robert Downey Jr. und das Produktionsteam beschäftigten sich bei der Entwicklung des exzentrischen Tech-Milliardärs unter anderem mit Musks Lifestyle und Unternehmergeist. Einige Szenen aus „Iron Man 2“ wurden sogar auf dem Fabriksgelände von SpaceX gedreht
Derzeit, so May, sei eine massive Inszenierung von Macht und Überlegenheit zu beobachten, sichtbar etwa an Figuren wie Elon Musk. Die rasante Entwicklung Künstlicher Intelligenz könnte diese Dynamik sogar noch weiter verstärken. May prognostiziert: „Der Fokus wird künftig noch stärker auf KI liegen, und dieser Bereich ist massiv männlich dominiert.“ Bleibt nur zu hoffen, dass sich die Verantwortlichen dann nicht allzu sehr von Filmen wie „Mission Impossible“ inspirieren lassen, in denen eine auf Abwegen geratene KI die Welt ins Chaos stürzt.
Jan Marsalek und James Bond


Der Ex-Wirecard-Chef, der immer noch auf der Flucht ist und sich wahrscheinlich in Russland aufhält, gilt als großer Fan der James-Bond-Filmreihe. Sein Leben ähnelt dem Agentenleben auch tatsächlich: 2020 tauchte er in Moskau unter, von wo aus er einen Spionagering geleitet haben soll
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 24/2026 erschienen.







