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Sedimentablagerung: Unterschätzter Faktor für Datierung von Fossilien

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Fossilien "Gabonionta" wurden vom NHM Wien 2014 präsentiert
©APA/APA/NHM WIEN, ALICE SCHUMACHER/NHM WIEN,ALICE SCHUMACHER
Die meisten erhaltenen Fossilien stammen von Meereslebewesen wie etwa Kammmuscheln, Austern oder Schnecken. Ihre Datierung bereitet oft Probleme, da sich in ihnen Überreste von unterschiedlich alten Organismen vermischen. Nun untersuchte ein internationales Team erstmals eine große Probenanzahl aus verschiedenen Meeresgegenden. Dabei stellten sie einen Zusammenhang zwischen der Geschwindigkeit der Sedimentablagerungen an der Probe und der Zeitspanne, aus der sie stammt, fest.

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"Man kann die Fossilproben mit einem Friedhof vergleichen", sagte Rafal Nawrot, der an der Studie im Fachblatt "PNAS" vonseiten der Universität Wien beteiligt war, zur APA. Auch dort kommen Überreste von unterschiedlichen Zeiten zusammen, während die Zeitspanne, in der sie bestattet wurden, je nach Friedhof variiert.

Die Überreste können eine wichtige Informationsquelle über Veränderungen in Ökosystemen darstellen - sowohl zu sehr langen Zeiträumen weit bevor es Menschen gab, als auch zum Einfluss des Menschen auf die Systeme vor relativ kurzer Zeit. Für die Analyse einer Probe müsse man aber herausfinden, was für eine Zeitspanne sie "enthält".

Dabei spielt der Begriff der "zeitlichen Auflösung" eine wichtige Rolle: Eine hohe zeitliche Auflösung bedeutet, dass sich die Fossilprobe aus Überresten von nur wenigen Jahren oder Dekaden zusammensetzt. Eine niedrige zeitliche Auflösung bezeichnet das Gegenteil - also auch Zeiträume, die sich über Hunderte und Tausende von Jahren strecken können.

Um die zeitliche Zusammensetzung der Proben besser zu verstehen und Datierungsmethoden zu optimieren, analysierte das internationale Forscherteam 7.593 individuelle Organismen von 384 aus aller Welt stammenden Fossilproben mittels Radiokarbondatierung. Dabei waren die ältesten Proben rund 40.000 Jahre alt.

Vorangegangene Studien haben sich eher auf einzelne Fälle konzentriert, erklärte Nawrot. In Kooperation mit 18 Institutionen weltweit Proben heranzuziehen und zu vergleichen, sei daher ein innovativer Ansatz.

"Das erste Ergebnis war dabei, dass die Variabilität der zeitlichen Auflösung extrem hoch ist", so Nawrot. "Einige dieser Fossilproben kann man mit dem antiken Rom vergleichen, wo Bauwerke aus den verschiedensten Epochen neben- und übereinander stehen, während andere eher an Pompeji erinnern, wo ein Schnappschuss von einem bestimmten Zeitpunkt erhalten ist."

Zudem fanden die Forschenden heraus, dass die zeitliche Auflösung anhand eines Faktors relativ einfach vorhergesagt werden kann: der Sedimentationsrate. Vorangegangene Studien hätten sie zwar auch als wichtig erachtet, jedoch nur in Kombination mit anderen Faktoren wie etwa der Widerstandsfähigkeit der individuellen Muschel- und Knochenreste oder dem Grad der Durchmischung des Sediments.

"Einfach gesagt: Je höher die Geschwindigkeit, mit der Fossilien etwa unter Sand und Schlamm begraben werden, desto höher ist die zeitliche Auflösung. Die anderen Einflüsse sind im Großen und Ganzen nebensächlich", sagte Nawrot. Dabei sei ein Fossilfund wegen niedriger zeitlicher Auflösung nicht weniger relevant. Der Nutzen hänge immer von der jeweiligen Forschungsfrage ab.

"Was mich an dem Thema immer wieder fasziniert: Wenn man am Strand eine Muschel aufhebt, ist das wie ein Geist aus der Vergangenheit, sie kann aus der römischen Antike stammen oder aus dem Mittelalter und trotzdem sehr gut erhalten sein", so der Paläontologe.

(S E R V I C E - Link zur Studie: https://doi.org/10.1073/pnas.2615368123 )

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