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Österreich gehöre bei Brustkrebs zu den "World Champions", sagte der Präsident der österreichischen Brust- und Dickdarmkrebs-Studiengruppe (ABCSG), Michael Gnant: "Innerhalb von 25 Jahren ist die Brustkrebs-Sterblichkeit um ein Drittel gesunken. Rund 80 Prozent der Patientinnen werden brusterhaltend operiert. In China sind es rund 30 Prozent."
Dabei, so Gnant, müsse endlich allgemein bekannt sein und anerkannt werden, dass klinische Forschung in der Onkologie ganz einfach zur Versorgung österreichischer Krebspatienten gehören müsse. Pro Jahr bringe das dem österreichischen Gesundheitswesen allein durch die Bereitstellung der modernsten Medikamente rund 120 Millionen Euro.
Dabei hat sich die Therapie beim Mammakarzinom stark gewandelt. Ein Beispiel sei die Strahlentherapie, erklärte Daniela Kauer-Dorner von der Universitätsklinik für Radioonkologie der MedUni Wien (AKH): "In den 1980er-Jahren kamen Frauen fünf bis sechs Wochen lang jeden Tag zur Strahlentherapie. 2017 war der Standard 15 Bestrahlungen in drei Wochen. Seit 2023 sind es fünf Bestrahlungen innerhalb einer Woche."
Rotierende Strahlenquellen oder beispielsweise eine atemgetriggerte Bestrahlung würden die Betroffenen vor zusätzlichen Strahlenschäden an gesundem Gewebe schützen. Bei Karzinomen der linken Brust etwa kann die Bestrahlung so erfolgen, dass die Strahlenquelle nur eingeschaltet wird, wenn die Patientin vollständig eingeatmet hat. Dadurch wird die Brust nach vorne und das Herz nach hinten bewegt. Das Herz gerät so aus dem Strahlengang.
Eine Individualisierung der Krebstherapie kann auch durch den Einsatz von mehr oder weniger Medikamenten im Einzelfall die Behandlungsergebnisse verbessern bzw. im Rahmen einer "Deeskalation" bei weniger belastendem Arzneimitteleinsatz zu gleich guten Ergebnissen führen. So kann etwa durch eine Blutuntersuchung auf Tumor-Erbgut bei bestimmten Patienten mit einem Dickdarmkarzinom eine Chemotherapie vermieden werden. Eine Studie der österreichischen ABCSG-Studiengruppe hat – so ein anderes Beispiel – ergeben, dass bei Frauen mit hormonabhängigem Brustkrebs eine antihormonelle Behandlung über fünf Jahre hinweg nicht mehr bringt als zwei Jahre Therapie – bei weniger Nebenwirkungen.
"Nicht die maximale Therapie für alle, sondern die richtige Intensität für den Einzelnen ist das Ziel", sagte Gabriel Rinnerthaler von der Klinischen Abteilung für Onkologie der MedUni Graz.
Noch immer gibt es in Österreich kein Lungenkrebs-Screeningprogramm mit Niedrigdosis-Computertomographie (CT) für langjährige Raucher. Laut wissenschaftlichen Untersuchungen könnten in Österreich bei jährlich an die 5.000 Neuerkrankungen und bisher rund 4.000 Todesfällen etwa 1.000 Patienten durch eine Diagnose in einem Frühstadium gerettet werden. In Deutschland wurde zuletzt im vergangenen Frühjahr eine solche Früherkennungsuntersuchung für langjährige Raucher zur Leistung der Krankenkassen.
Neu sind erste Daten aus einem Pilotprojekt auf Basis der sogenannten LEAD-Lungengesundheitsstudie, die seit Jahren in Wien läuft. Laut Romana Wass vom Kepler Universitätsklinikum in Linz wurden im Rahmen der Initiative 725 Teilnehmer als für ein Lungenkrebs-Screening infrage kommende Personen identifiziert und zu einer CT-Untersuchung eingeladen. "378 Personen folgten der Einladung. Das war eine Teilnehmerquote von 52,1 Prozent. Bei 104 Personen wurde ein Rundherd (potenziell verdächtige Gewebeveränderung; Anm.) festgestellt", sagte die Pneumologin. Schließlich wurde bei einem Teilnehmer ein Lungenkarzinom diagnostiziert. "Wir brauchen eine klare politische Entscheidung", sagte die Expertin. Die wissenschaftliche Basis für die Etablierung eines Lungenkarzinom-Früherkennungsprogramms sei längst vorhanden.
Laut dem Obmann der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK), Andreas Huss, befindet sich das geplante Prostatakarzinom-Früherkennungsprogramm in Österreich hingegen "auf Schiene". Derzeit wird in Österreich jährlich bei rund 8.100 Männern eine solche Diagnose gestellt. Rund 1.400 Patienten sterben jährlich an der Erkrankung.
Die PSA-Bluttests haben insgesamt zu einer Reduktion der Sterblichkeit geführt. "Aber wir testen die Falschen", sagte Shahrokh Shariat, Chef der Universitätsklinik für Urologie der MedUni Wien (AKH), der gemeinsam mit Dutzenden österreichischen Experten ein Früherkennungsprogramm ausgearbeitet hat. Die meisten PSA-Tests werden in Österreich nämlich bei den 80- bis 94-Jährigen durchgeführt. "Nur ein Drittel der Männer, die es wirklich betrifft, kommen zu den Untersuchungen", sagte der Urologe.
In Zukunft sollen 50- bis 70-Jährige regelmäßig zu Bluttests eingeladen werden. Sind drei PSA-Werte unauffällig, kann auf weitere Untersuchungen verzichtet werden. Bei verdächtigen Werten bzw. einem Anstieg des prostataspezifischen Antigens im Blut wird an einen Urologen verwiesen, der auch eine Magnetresonanzuntersuchung (MRT) anordnen kann. Erst bei einem weiteren Verdacht sollen zusätzliche Untersuchungen erfolgen.
Laut Huss könnten mit einem solchen strukturierten Programm pro Jahr rund 400.000 bisher nicht zielgerichtet durchgeführte PSA-Tests (von insgesamt 700.000 Tests; Anm.) eingespart werden. Die Kapazitäten für die MRT-Untersuchungen seien vorhanden. Es gehe mehr um einen optimierten Einsatz als um Mehrkosten. "Es ist nicht die Frage, ob das Programm kommt. Die Umsetzung ist auf Schiene", sagte der ÖGK-Obmann. Schon bei der nächsten Sitzung des Dachverbandes der Sozialversicherungsträger könne dazu der notwendige Beschluss gefasst werden.
ARCHIV - 27.05.2014, Berlin: ILLUSTRATION - Eine Frau raucht eine Zigarette. (zu dpa:"Umfrage: Jeder Siebte nennt sich «ständiger Raucher» " vom 07.10.2018) Foto: Christoph Schmidt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++.
