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"In der Forschung ist die KI allgegenwärtig, in der Lehre wird sie hingegen kaum genützt. Handlungsbedarf gibt es im Bereich der medizinischen Versorgung. Nehmen wir an, 50 Prozent der ärztlichen Tätigkeit ist Administration. Wir können davon 80 Prozent des Aufwandes durch Systeme mit Künstlicher Intelligenz reduzieren. Damit stiege die Zahl der behandelten Patienten um zwei Drittel. Wartezeiten auf ärztliche Betreuung könnten massiv verringert werden", erklärte Reinhard Riedl von der Berner Fachhochschule.
Insgesamt könne man davon ausgehen, dass Künstliche Intelligenz in den kommenden Jahren das Gesundheitswesen drastisch verändern werde, so der Experte: "KI führt zu einer Beschleunigung von Abläufen um das zehn- bis 50-Fache. Die aktuelle Herausforderung sind die Gestaltung der Prozesse, die Gesamtsteuerung (Governance; Anm.) und das Prinzip, dass die Menschen im Zentrum stehen müssen." Insgesamt müsse man gewährleisten, dass die EDV-Systeme medizinische Entscheidungen schneller und besser vorbereiten könnten, die Entscheidungen selbst aber von Menschen getroffen werden müssten.
Ein Beispiel für die Zukunft in der Medizin könnten langfristige Krankheitsprognosen sein. Der Salzburger Labormediziner Hans Georg Mustafa nannte dazu die Berechnung einer Gefährdung durch eine sich über viele Jahre verschlechternde Nierenfunktion. "Weltweit sterben pro Jahr 1,2 Millionen Menschen an endgültigem Nierenversagen. In Österreich sind von einer chronischen Nierenerkrankung rund 950.000 Menschen betroffen. Neun von zehn betroffenen Menschen wissen nichts davon."
Faktoren wie Diabetes, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Adipositas, genetische Faktoren sowie Laborparameter wie die geschätzte (glomeruläre) Filtrationsrate der Nieren und die Eiweißausscheidung mit dem Harn (Albumin/Kreatinin-Verhältnis) lassen das frühzeitige Erkennen eines Risikos zu. Laut Mustafa werden solche Berechnungen in Zukunft vor allem via - zum Teil bereits entwickelte oder in Entwicklung stehende - KI erfolgen.
Dabei sind in den vergangenen Jahren die Möglichkeiten für einen frühzeitigen Eingriff bei sich anbahnender chronischer Nierenerkrankung dramatisch besser geworden. Mit einer bereits bei Gefährdung beginnenden zielgerichteten Behandlung, zum Beispiel durch Reduktion der Risikofaktoren und medikamentöse Therapien, kann beispielsweise bei einem 60-Jährigen das Fortschreiten so verlangsamt werden, dass er mit einer sonst normalen Lebenserwartung erst mit 95 Jahren in ein gefährliches Stadium mit Nierenversagen gerät. Ohne frühzeitige Warnung und eine entsprechende medizinische Versorgung könnte das bereits nach rund elf Jahren, also im Alter von etwas über 70 Jahren, geschehen und dann lebenslange Dialyse oder eine Nierentransplantation erfordern.
++ THEMENBILD ++ Projekt Zukunftsbild: Ein Neurochirurg bei der Vorbereitung auf einen Eingriff, bei dem auch ein Künstliches Intelligenz (KI)-System im Rahmen einer neurochirurgischen Operation an einem Gehirntumor am AKH in Wien zum Einsatz kommt am 22. Mai 2024. In einem Gerät im Operationssaal werden dabei gerade entnommene Gewebeproben mittels Artificial Intelligence (AI) ausgewertet und histologisch befundet.
