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Bei der dreitägigen Veranstaltung (bis 9. Oktober) geht es um Medizin und Gesundheitspolitik inklusive den Reformbestrebungen via Reformpartnerschaft von Bund, Bundesländern und Sozialversicherung. Während es in Österreich bereits 126 Primärversorgungseinheiten (PVE) gibt und Facharztzentren in absehbarer Zukunft vor allem spezialisierte Spitalsambulanzen entlasten sollen, wollen die österreichischen Apotheken beispielsweise auf Basis von einfachen Bluttests, den seit langem angestrebten Möglichkeiten zu Impfungen und auch via Telemedizin Lücken in Vorsorge und Erstversorgung schließen.
"Eine sinnvolle Ergänzung", könne eine telemedizinische Versorgung von Patienten in Apotheken in Randzeiten sein, sagte Hoyer. Dafür sprächen die Ergebnisse eines über drei Monate organisierten Pilotversuches. "Das Pilotprojekt lief im Juni, Juli und August in je zehn Apotheken in Wien und in Oberösterreich. Wir wollten bewusst eine Stadt und einen ländlichen Raum, dort ist die medizinische Versorgung beispielsweise Freitagnachmittag und am Samstag manchmal schwierig", erklärte der 1. Vizepräsident des Apothekerverbandes, die Organisation der selbstständigen Apotheker.
Traf ein Patient mit einem Problem ein, das nicht im Gespräch mit dem jeweils diensthabenden Apotheker gelöst werden konnte, gab es während des Pilotversuchs die Möglichkeit, in einem eigens dafür vorbereiteten Raum einen Arzt per Videoverbindung zuzuschalten. Er übernahm das Erheben der Krankheitsgeschichte und entschied über das weitere Vorgehen. "Insgesamt wurden einige hundert Patienten auf diese Weise betreut. 89 Prozent der 'Fälle' konnten durch die telemedizinische Versorgung gelöst werden. Ein Viertel der Patienten gab an, dass sie sonst in eine Spitalsambulanz gefahren wären. Weniger als ein Prozent musste wirklich dorthin überwiesen werden", erklärte Hoyer.
Die "Telemedizin-Ärzte" hatte man zum Beispiel aus Primärversorgungseinheiten für den Versuch gewonnen. Die österreichischen Apotheker wollen das Projekt weitertreiben. Noch in diesem Jahr soll ein zweiter derartiger Versuch in Zusammenarbeit mit dem Betreiber einer großen österreichischen Spitalsgruppe gestartet werden, so der Standespolitiker.
Parallel dazu schreitet die Reform des österreichischen Gesundheitswesens zumindest auf der Ebene der wichtigen "Player" in den Bundesländern und der Sozialversicherung, quasi unterhalb der großen Politik, offenbar voran. "Was jetzt (an Reformvorhaben; Anm.) vorgelegt worden ist, ist durchaus ein großer Schritt, der ganz große Wurf ist es nicht", sagte der Obmann der Österreichischen Gesundheitskasse, Andreas Huss. Immerhin hätten sich aber alle Beteiligten zu gemeinsamen Handeln im Sinne des solidarischen Gesundheitswesens verpflichtet.
Im Grunde geht es darum, deutlich mehr medizinische Leistungen zu "ambulantisieren", wozu der Ausbau tagesklinischer Einrichtungen sowie die geplanten Facharztzentren beitragen sollen. "Wichtig ist, dass den Plänen Taten folgen. (...) Wir müssen das Rad nicht neu erfinden. Wir müssen aber den Menschen langsam erklären, worum es geht", sagte Eduardo Maldonado Gonzalez, Obmann der Kurie angestellte Ärzte in der Wiener Ärztekammer. Das Ziel sei es, medizinische und ärztliche Leistungen für die Patienten unter möglichster Verkürzung von Wartezeiten qualitativ womöglich sogar besser, weniger belastend und kostengünstiger zu erbringen.
Damit, so der Generaldirektor der Krankenversicherung der Selbstständigen (SVS), Alexander Biach, sollten auch die Bundesländer eine Entlastung als Krankenhausträger erfahren: "Jetzt beginnen die Arbeiten für die Facharztzentren." Damit könnten die bisher exponentiell steigenden Ausfallshaftungen der Bundesländer für die Spitalskosten gedämpft werden.
ARCHIV - 29.04.2015, Hamburg: Medikamente liegen in den Regalen eines Kommissionierautomaten einer Apotheke. (zu dpa: «Apotheker wegen illegaler Medikamentenverkäufe vor Gericht») Foto: Daniel Reinhardt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
