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"Bei den Herzerkrankungen kommen Frauen nach wie vor dreieinhalb Stunden später mit Brustschmerzen ins Spital. Ihr Risiko, bei einer Bypass-Operation zu sterben, ist 2,5- bis dreifach größer als das von Männern. Frauen sind länger auf der Intensivstation, haben aber eine kürzere Verweildauer in Kliniken. Ab dem Alter von 75 Jahren steigt die Todesrate (durch Herzerkrankungen; Anm.) unter Männern um das Fünffache, bei Frauen um das Neunfache", sagte Anna Maria Dieplinger, ehemals wissenschaftliche Leiterin des ersten Österreichischen Frauengesundheitsberichtes.
Die Situation mit in vielen Aspekten gesundheitlichen und versorgungsrelevanten Nachteilen der Frauen zieht sich über viele Bereiche hinweg. So seien Frauen zum Beispiel 70 Prozent der Patienten mit chronischen Schmerzen. "Rheumatische Erkrankungen sind prototypische Frauenkrankheiten", stellte dazu Georg Stummvoll, Leiter des chefärztlichen Dienstes der Sozialversicherung der Selbstständigen (SVS), fest. Allein schon die Sachlage bei der rheumatoiden Arthritis (chronische Polyarthritis) verdeutlicht das: Davon betroffen sind dreimal mehr Frauen als Männer.
"Wir haben bei Frauen längere Wartezeiten, eine verzögerte Diagnostik, eine verzögerte Therapie und schlechtere Behandlungsergebnisse", erklärte Anna Maria Dieplinger. Auch in Sachen Lungenerkrankungen zeigen sich Gender-spezifische Unterschiede. "Frauen haben mehr Atembeschwerden als Männer in der Allgemeinmedizinpraxis. Das hängt von der absoluten Lungengröße ab", sagte Judith Löffler-Ragg, Leiterin der Abteilung für Pneumologie am LKH Hochzirl-Natters in Tirol.
Das zeigt sich auch in den Messgrößen: Gesunde Frauen können binnen einer Sekunde unter Testbedingungen rund 2,8 Liter Luft forciert ausatmen, bei Männern sind es etwa 4,5 Liter. Bei der häufigen Asthmaerkrankung zeigt sich bei Frauen oft eine vom Menstruationszyklus abhängige Veränderung der Symptome.
Unmittelbar vor und während der Menstruation haben Frauen mit Asthma um 20 bis 40 Prozent häufiger Symptome. Die weiblichen Geschlechtshormone sind dabei allergie- und entzündungsfördernd. Nach der Menopause zeigen Frauen einen schnelleren Abbau der Lungenfunktion. "Das entspricht etwa 20 Jahren einer Packung Zigaretten pro Tag", erklärte die Pneumologin.
"Frauengesundheit ist, Gott sei Dank, zu einem Thema gemacht worden. Das haben wir uns als Bundesregierung zum Ziel gemacht", sagte ÖVP-Gesundheitssprecherin Juliane Bogner-Strauß. Defizite ortete die Gesundheitspolitikerin beispielsweise sowohl bei Mädchen als auch bei Burschen ab dem Ende des Mutter-Kind-Passes. Junge Frauen sollten eventuell mit 18 Jahren - so wie die jungen Männer bei der Stellungsuntersuchung - eine "Gesundheitsstraße" durchlaufen können, um etwaige Probleme und Risiken rechtzeitig zu identifizieren. Auch für die Zeit um die Menopause gebe es eine "extreme Versorgungslücke".
