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PISA 2025: Österreich verliert bei Lesen und Mathematik – Naturwissenschaften legen zu

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©Unsplash, Kelly Sikkema

Österreichs 15- und 16-Jährige schneiden bei PISA 2025 in Lesen und Mathematik erneut schlechter ab. In den Naturwissenschaften gibt es hingegen eine Verbesserung. Der soziale Hintergrund beeinflusst die Leistungen weiterhin stärker als im OECD-Schnitt.

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Die Leistungsrückgänge bei der internationalen PISA-Studie setzen sich fort. Auch bei der am Dienstag veröffentlichten Erhebung 2025 schneiden die 15- und 16-jährigen Schülerinnen und Schüler in den OECD-Staaten in Lesen und Mathematik schlechter ab.

In den Naturwissenschaften blieben die Ergebnisse OECD-weit weitgehend stabil. Österreich folgt diesem Trend bei Lesen und Mathematik, konnte in den Naturwissenschaften aber zulegen.

Lese-Kompetenz nicht nur in Österreich rückläufig

In Österreich erreichten die Schülerinnen und Schüler in den Naturwissenschaften 497 Punkte. Gegenüber der letzten Erhebung 2022 entspricht das einem Plus von sechs Punkten. Der OECD-Schnitt liegt bei 482 Punkten, nach 485 Punkten im Jahr 2022.

Beim Lesen kamen die Jugendlichen auf 467 Punkte. Damit liegt Österreich zwar weiterhin über dem OECD-Schnitt von 461 Punkten, musste aber einen neuerlichen Rückgang um 13 Punkte hinnehmen. OECD-weit fiel das Minus mit 14 Punkten ähnlich groß aus.

Auch in Mathematik gingen die Leistungen zurück. Österreich erreichte 477 Punkte und liegt damit über dem OECD-Schnitt von 463 Punkten. Gegenüber 2022 bedeutet das einen Rückgang um zehn Punkte. OECD-weit betrug das Minus neun Punkte.

Im erstmals getesteten Bereich „Lernen in der digitalen Welt“ erreichten die österreichischen Jugendlichen 509 Punkte und lagen damit ebenfalls über dem OECD-Schnitt.

Österreich erstmals in allen Bereichen über OECD-Schnitt

Damit liegen die Leistungen der österreichischen Schülerinnen und Schüler erstmals seit Einführung der PISA-Studien in allen Testdisziplinen signifikant über dem OECD-Schnitt. Das ist allerdings mit Ausnahme der Naturwissenschaften und des erstmals erhobenen Bereichs zum digitalen Lernen vor allem darauf zurückzuführen, dass die Leistungen in anderen OECD-Staaten stärker zurückgegangen sind.

Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung beim Lesen. In Europa erreicht mittlerweile nur mehr Irland den ursprünglichen Mittelwert von 500 Punkten. Österreich liegt mit 467 Punkten hinter der Türkei mit 472 Punkten. Deutschland kommt auf 465 Punkte, die Schweiz auf 470 und Finnland auf 474 Punkte.

International schneiden wie üblich Südkorea und Japan bei den OECD-Staaten besonders gut ab. In Europa erreichten Estland in den Naturwissenschaften, Mathematik und beim Lernen in der digitalen Welt sowie Irland beim Lesen die höchsten Werte. Die besten Ergebnisse insgesamt erzielten die vier chinesischen Provinzen Peking, Shanghai, Jiangsu und Zhejiang mit 597 Punkten in den Naturwissenschaften, 527 Punkten im Lesen und 612 Punkten in Mathematik. Singapur kam auf 560 Punkte in den Naturwissenschaften, 535 im Lesen und 563 in Mathematik.

OECD sieht keinen einzelnen Grund für Rückgänge

Die OECD findet für die Entwicklung keine eindeutige Erklärung. Anders als bei früheren Erhebungen sind die Rückgänge zudem nicht auf ein einzelnes Ereignis zurückzuführen. Das Institut des Bundes für Qualitätssicherung im österreichischen Schulwesen (IQS), das die PISA-Studie in Österreich abwickelt, verweist auf ein „Zusammenspiel von langfristigen strukturellen Trends“.

Bis 2018 waren bei den im Abstand von drei Jahren durchgeführten PISA-Studien OECD-weit Rückgänge oder Zuwächse von höchstens vier bis fünf Punkten in Lesen oder Mathematik üblich. Zwischen 2018 und 2022 stieg das Ausmaß der Rückgänge auf zehn bis 15 Punkte. Die Erhebung 2022 war wegen der Corona-Pandemie um ein Jahr verschoben worden. Bei PISA 2025 setzte sich der Rückgang in einem ähnlichen Ausmaß fort.

Zu den möglichen Faktoren zählen laut IQS kürzere Aufmerksamkeitsspannen, veränderte Mediennutzung und soziale Entwicklungen. Auffällig ist, dass Schülerinnen und Schüler vor allem bei Aufgaben Schwierigkeiten haben, die mehr „Durchhaltevermögen“ verlangen, etwa bei längeren Textpassagen. Hinzu kommen veränderte Lesegewohnheiten, eine stärkere Nutzung digitaler Medien sowie „langfristige Auswirkungen der COVID-19-Pandemie, die den sozialen Kontext nachhaltig verändert haben“.

Auch die Nutzung künstlicher Intelligenz liefert keine eindeutige Erklärung. Die OECD kommt zum Schluss, dass „Künstliche Intelligenz und digitale Tools mit Bedacht, für klar definierte Zwecke und in moderatem Umfang eingesetzt werden sollten“.

Schülerinnen und Schüler, die digitale Geräte in der Schule übermäßig oder zum Zeitvertreib nutzten, schnitten demnach schlechter ab. Auch beim Einsatz von KI zeigt sich ein differenziertes Bild: Jugendliche, die nach eigenen Angaben keine KI verwendeten, um einen Text für Hausaufgaben zu entwerfen, schnitten besser ab als jene, die dies taten. Schülerinnen und Schüler, die KI regelmäßig, aber nicht allzu häufig für allgemeine Zwecke nutzten, erzielten hingegen ähnliche Ergebnisse wie jene, die sie nicht verwendeten. Wer KI regelmäßig für solche nicht-spezifischen Aufgaben einsetzte und in der Schule zugleich die Möglichkeit hatte, entsprechende Fähigkeiten zu entwickeln, schnitt sogar besser ab. Diese Möglichkeit haben allerdings im Regelfall Jugendliche aus sozioökonomisch vorteilhaften Verhältnissen.

PISA 2025: Die wichtigsten Erkenntnisse auf einen Blick

Wiederkehr sieht „Licht und Schatten“

Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) sieht im Ergebnis „Licht und Schatten“. Österreich befinde sich nach wie vor „im internationalen Spitzenfeld“ und habe in den Naturwissenschaften zugelegt. Gleichzeitig gebe es beim Lesen und in Mathematik einen „signifikanten Rückgang von Grundkompetenzen“. Das seien „bedenkliche Entwicklungen, die wir global sehen“, sagte Wiederkehr vor Journalisten.

Handlungsbedarf sieht der Minister vor allem in zwei Bereichen. Zum einen beeinflusse die soziale Herkunft die Leistungen in Österreich weiterhin überdurchschnittlich stark. Mit der Ausweitung der Sommerschule, Veränderungen bei der Deutschförderung und der Einführung des Chancenbonus seien bereits Maßnahmen gesetzt worden. Eine Trendwende geschehe aber nicht über Nacht.

Zum anderen müsse die Digitalisierung „später und besser erfolgen“, so Wiederkehr. Es gebe einen Zusammenhang zwischen früher Bildschirmaktivität und sinkenden Lernergebnissen. „Nicht begleitete Digitalisierung in Schulen führt zu schlechteren Ergebnissen.“ Wer zu früh zu lange digitale Endgeräte nutze, könne zwar besser scrollen, im Gegenzug aber komplexere Texte schlechter verstehen.

Die Konsequenz des Ministers: „Wir dürfen Haptisches nicht vernachlässigen.“ Die Grundlagen frühkindlicher Bildung müssten gestärkt werden. Auch Eltern sollten ihre eigene Bildschirmzeit als Vorbild für ihre Kinder reduzieren. Als erste Maßnahme kündigte Wiederkehr an, die Ausgabe vergünstigter beziehungsweise kostenloser digitaler Endgeräte von der fünften in die sechste Schulstufe zu verschieben – ans Ende des zweiten Semesters.

Soziale Herkunft bleibt entscheidend

Wie stark der soziale Hintergrund den Bildungserfolg beeinflusst, zeigt sich insbesondere bei den Naturwissenschaften. In Österreich beträgt der Leistungsunterschied zwischen Jugendlichen aus wohlhabenden Akademikerfamilien und Schülerinnen und Schülern aus Familien mit wenig Bildung und Geld 98 Punkte. Das entspricht mehr als vier Lernjahren. Im OECD-Schnitt sind es 85 Punkte.

In Österreich lassen sich 14 Prozent der Leistungsunterschiede in den Naturwissenschaften durch den sozioökonomischen Hintergrund erklären, im OECD-Schnitt sind es zwölf Prozent. Jugendliche aus bildungsfernen Familien schaffen es hierzulande zudem seltener in die Gruppe der Spitzenschüler: zehn Prozent gegenüber zwölf Prozent im OECD-Schnitt.

Der Einfluss der sozialen Herkunft ist zwar in fast allen 91 Teilnehmerstaaten von PISA 2025 feststellbar. Im OECD-Schnitt sind die Leistungsunterschiede, die sich durch den sozioökonomischen Hintergrund erklären lassen, in den vergangenen zehn Jahren sogar zurückgegangen. Laut OECD liegt das allerdings weniger daran, dass benachteiligte Jugendliche besser abschneiden, sondern an Punkteeinbußen von Schülerinnen und Schülern aus besonders bildungsnahen Familien. „Sozioökonomische Ungleichheiten beim Lernerfolg halten sich aber erstaunlich hartnäckig“, heißt es in der OECD-Studie.

Migranten schneiden deutlich schlechter ab

Auch beim Migrationshintergrund zeigen sich in Österreich deutliche Unterschiede. Schülerinnen und Schüler mit Wurzeln im Ausland erreichen in den Naturwissenschaften im Schnitt 67 Punkte weniger als Jugendliche ohne Migrationshintergrund. Das entspricht mehr als drei Lernjahren. Im OECD-Schnitt beträgt der Unterschied 43 Punkte.

Der Abstand ist damit ähnlich groß wie vor zehn Jahren. Ein wesentlicher Faktor dürfte der soziale Status sein: Fast die Hälfte der Jugendlichen mit Migrationshintergrund kommt aus einer bildungsfernen Familie mit wenig Geld. Im OECD-Schnitt ist es ein Drittel. Bei Schülerinnen und Schülern ohne Migrationshintergrund gehören in Österreich rund 15 Prozent dieser Gruppe an.

Buben in Mathematik vorne, Gender Gap in Naturwissenschaften verschwunden

Auch nach Geschlecht unterscheiden sich die Leistungen weiterhin. In Mathematik liegen die Buben in Österreich um 23 Punkte vor den Mädchen. Das entspricht etwa einem Lernjahr und liegt deutlich über dem OECD-Schnitt von 13 Punkten. Der Abstand hat sich zudem vergrößert: 2022 betrug er 19, 2018 noch 13 Punkte.

Beim Lesen schneiden Mädchen wie in den meisten OECD-Staaten besser ab. Der Unterschied beträgt 26 Punkte und damit ebenfalls etwa ein Lernjahr.

In den Naturwissenschaften hat sich das Bild hingegen verändert. 2015 hatte Österreich hier mit 19 Punkten noch den größten Leistungsvorsprung der Burschen. 2025 ist der Unterschied praktisch verschwunden: Die Mädchen erreichten 495 Punkte, die Buben 498. Auch im OECD-Schnitt gibt es keinen Unterschied mehr.

Parteien und Sozialpartner fordern Konsequenzen

Die Ergebnisse führten auch zu Forderungen nach weiteren Maßnahmen. SPÖ-Bildungssprecher Heinrich Himmer unterstrich die Bedeutung des Chancenbonus für die Bildungsgerechtigkeit. FPÖ-Bildungssprecher Hermann Brückl bezeichnete die Ergebnisse als „Alarmsignal“. Wenn Österreich beim Lesen mittlerweile sogar hinter der Türkei liege, sei es „fünf nach zwölf“. Besonders kritisch sieht Brückl die seit diesem Schuljahr geltende Abschaffung der verpflichtenden Deutschförderklassen.

Die Grüne Bildungssprecherin Sigrid Maurer forderte einen verpflichtenden Ausbau der Elementarpädagogik sowie mehr Mittel für Schulsozialarbeit und Schulpsychologie.

Auch die Sozialpartner und die Industriellenvereinigung leiteten aus der Studie Forderungen ab. Die Industriellenvereinigung will Kompetenzen in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik stärker fördern. Die Wirtschaftskammer fordert eine Sicherung der Grundkompetenzen. Die Arbeiterkammer verlangt eine Ausweitung des Chancenbonus sowie eine verbindliche individuelle Förderung ab der Volksschule.

Die PISA-Ergebnisse zeigen damit zwei Entwicklungen gleichzeitig: Österreich liegt bei allen erhobenen Bereichen über dem OECD-Schnitt, bei Lesen und Mathematik geht die Leistung aber weiter zurück. Gleichzeitig bleibt der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg hierzulande stärker ausgeprägt als im OECD-Vergleich

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