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"Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung und Asthma betreffen rund zwölf Prozent der Allgemeinbevölkerung. Die COPD ist eine Krankheit des Erwachsenenalters. Das ist eine Volkskrankheit, die praktisch eins zu eins mit dem Rauchverhalten in Zusammenhang gebracht werden kann. Deshalb sehen wir auch einen Anstieg bei den Frauen. Asthma tritt oft bereits in der Kindheit auf, da sind sechs bis sieben Prozent betroffen", sagte Arschang Valipour, Vorstand der Abteilung für Innere Medizin und Pneumologie an der Klinik Floridsdorf, bei der Veranstaltung im Rahmen der "Praevenire"-Gesundheitsinitiative.
Während Asthma mit entsprechend akuten Anfällen schnell auffällig wird - mehr als 90 Prozent der Betroffenen mit dieser chronischen Erkrankung können gut bis sehr gut behandelt werden – ist die Situation bei der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung schwieriger. Valipour: "Die COPD steigt mit dem Alter an. Sie ist eher eine schleichende Erkrankung, die unbemerkt beginnt und über ein bis zwei Jahrzehnte hinweg fortschreitet. Zunächst gibt es Atemnot bei Belastung, dann auch Husten, verminderte Leistungsfähigkeit und Müdigkeit. Dann kommt es zu sogenannten Exazerbationen. Zumeist durch Virusinfektionen tritt eine akute Verschlechterung mit Spitalsaufnahme bis hin zur Intensivstation auf." Doch auch bei COPD existieren mittlerweile gute medikamentöse Therapien. In der jüngeren Vergangenheit sind mit mehreren Biologika (monoklonale Antikörper) wirksame Behandlungsstrategien für bestimmte Patientengruppen mit COPD oder Asthma hinzugekommen.
Doch das alles spielt sich vor einer in Österreich weitgehend unbeachteten Zahl an insgesamt Betroffenen ab. Berechnungen haben ergeben, dass im Jahr 2024 etwa 520.000 Menschen an COPD erkrankt waren (314.000 Männer und 206.000 Frauen). Es dürften rund 11,8 Prozent der Männer und 8,5 Prozent der Frauen im Alter über 40 Jahren sein. Hinzu kommen laut der österreichischen LEAD-Studie mehr als 365.000 Personen mit Asthma. Im Jahr 2024 verstarben in Österreich 2.682 Menschen an COPD. Mit 1.418 männlichen Opfern und 1.264 COPD-Todesfällen unter den Frauen zeigt sich bereits eine weitgehende Angleichung bei der Verteilung nach Geschlecht. Laut Valipour ist vermehrtes Rauchen der Frauen bei einer größeren Vulnerabilität der weiblichen Lunge dafür verantwortlich. Die Zahl der Asthma-Todesfälle betrug 67 in Österreich. Das weist auch stark auf den unterschiedlichen Charakter der beiden chronischen Lungenerkrankungen hin. Asthma beeinträchtigt die Lebenserwartung de facto nicht.
Etwa ein Drittel der COPD-Patienten rutschen in eine Situation, in der es immer wieder zu Hospitalisierungen kommt. Schreitet die Erkrankung bis zu schweren Einschränkungen der Lungenfunktion fort, kann auch ständige Sauerstoffzufuhr notwendig sein. Gundula Koblmiller von der Selbsthilfeorganisation "Österreichische Lungenunion" zitierte Ergebnisse einer Umfrage unter Asthma- und COPD-Patienten: "27,5 Prozent der COPD-Erkrankten müssen binnen eines Jahres ins Spital. Das ist extrem viel, weil 44 Prozent davon dann binnen drei Monaten wieder ins Krankenhaus kommen."
Die Umfrage zeigte, was für viele chronische Erkrankungen in Österreich gilt, auch für COPD und Asthma zusammen eine starke "Spitalslastigkeit" der Versorgung. Insgesamt 35 Prozent der Betroffenen gaben an, innerhalb der vorangegangenen zwölf Monate zumindest einmal eine Spitalsambulanz aufgesucht zu haben. 19,7 Prozent waren einmal stationär aufgenommen.
Das bringt hohe Kosten für das Gesundheitswesen und auch für die Volkswirtschaft mit sich. Andrea Pitzschke vom "Economica Institut für Wirtschaftsforschung" hat dazu eine Studie verfasst. "Im Jahr 2024 gab es in Österreich 17.675 COPD-bedingte und 3.591 Asthma-bedingte Hospitalisierungen. Das ist in Summe etwa so viel wie bei Lungenkrebs, der zweithäufigsten Krebserkrankung in Österreich."
Die Crux sowohl bei der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung als auch bei Asthma: Die Spitalsaufenthalte sind jeweils rund doppelt so lang wie im Gesamtdurchschnitt. Patienten mit COPD liegen im Durchschnitt zehn Tage im Krankenhaus. Für Asthma-Kranke, die mit schweren bis schwersten Problemen ins Spital kommen, dauert der Aufenthalt durchschnittlich 12,7 Tage. Andrea Pitzschke: "Legt man die durchschnittlichen Kosten pro Spitalstag in Österreich zugrunde, verursachen stationäre Aufenthalte aufgrund von COPD jährlich knapp 246 Millionen Euro an Kosten. Aufgrund von Asthma sind es fast 63 Millionen Euro. Im Vergleich dazu sind es für Lungenkrebs etwa 180 Millionen Euro." 2024 wurden in Österreich insgesamt 1,3 Millionen Krankenstandstage wegen COPD und 530.000 Krankenstandstage wegen Asthma registriert. Das bedeutete Kosten für Entgeltfortzahlung und Krankengeld von 134 Millionen (COPD) bzw. 56 Millionen Euro (Asthma).
Laut Pneumologe Valipour gilt für die beiden chronischen Lungenerkrankungen, was sich bei vielen anderen chronischen Erkrankungen in Österreich zeigt: Das Gesundheitswesen tut sich von Prävention bis zur Langzeitbetreuung schwer. Der Experte: "In der Lungengesundheit gibt es ein großes Präventionspotenzial. Rauchen? Weg damit! Da sollte man auch an rauchfreie Zonen um Kindergärten, Schulen etc. denken. Das Bewusstsein für die Impfungen als Mittel zur Prävention von Lungenerkrankungen gehört gestärkt. In der Früherkennung sollte eine Lungenfunktionsprüfung in die Gesundenuntersuchung aufgenommen werden. Wir brauchen auch ein Lungenkrebs-Früherkennungsprogramm und schließlich ein Case-Management ähnlich jenem für Diabetiker." In der Betreuung beim Arzt werde auch einfach Zeit benötigt, um ein Optimum an Versorgungsqualität zu erreichen.
Insgesamt aber sollte laut dem Lungenspezialisten aber auch dem Thema "Luftqualität" in der Gesellschaft entsprechender Stellenwert eingeräumt werden. Valipour: ""Es ist bei uns völlig normal, dass wir trübes Wasser aus einem Glaskrug nicht trinken. Nur, bei der Luft ist das eben für uns nicht sichtbar."
++ ARCHIVBILD ++ ARCHIV - 19.11.2024, Berlin: Ein Aschenbecher mit konsumierten Zigaretten und Tabaksticks steht auf einem Tisch. (zu dpa: «Sterberaten bei Lungenkrebs gehen in der EU zurück») Foto: Hannes P Albert/dpa +++ dpa-Bildfunk +++. (ARCHIVBILD VOM 19.11.2024)






