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Kardiologen fordern Herzschutz für Onkologie-Patienten

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Herzschwäche gilt als großes Problem bei Chemotherapie
Allein in Österreich leben derzeit rund 400.000 Menschen, bei denen schon einmal eine Krebsdiagnose gestellt worden ist. Viele von ihnen haben eine Chemotherapie oder Ähnliches erhalten oder werden aktuell so behandelt. Das erhöhte Risiko dieser Menschen für Herzprobleme wird aber bisher oft nicht ausreichend berücksichtigt, hieß es am Wochenende beim europäischen Kardio-Onkologie-Kongress in Wien.

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Die Crux liegt im Endeffekt darin, dass onkologische Behandlungen, welche Krebszellen per Medikament möglichst hart treffen sollen, auch das Herz schädigen können. Erst Berichte über solche Nebeneffekte rund um die Jahrtausendwende wurden zunächst oft negativ aufgenommen oder nicht geglaubt.

Mittlerweile hat sich die Situation verändert. "Die Kardio-Onkologie ist ein aufstrebendes Fachgebiet, das sich zum Ziel gesetzt hat, Patienten die bestmögliche Krebstherapie zu bieten und gleichzeitig Herz-Kreislauf-Nebenwirkungen zu minimieren", hieß es jetzt aus Anlass des Kongresses (19. bis 20. Juni) in Wien in einer Aussendung der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC).

Doch nur wenige Kardiologen haben in ihrem Studium oder in ihrer weiteren Spitalsausbildung von Kardio-Onkologie etwas gehört. Massimiliano Camillo von der Universitätsklinik Agostino Gemelli in Rom und Co-Autoren haben eine anonymisierte Web-basierte Umfrage unter Kardiologen und Kardiologie-Assistenzärzten in 63 Staaten durchgeführt. Es gab knapp 400 beantwortete digitale Fragebögen.

Die Ergebnisse, so die europäische Kardiologengesellschaft: "Die Umfrage zeigte eine begrenzte kardio-onkologische Ausbildung während des Studiums. Nur zehn Prozent der Befragten gaben an, während des Medizinstudiums mit einer kardio-onkologischen Ausbildung in Kontakt gekommen zu sein, nur 17 Prozent während der Facharztausbildung. Auf die Frage nach der Verfügbarkeit strukturierter kardio-onkologischer Programme an ihrer Einrichtung berichtete die überwiegende Mehrheit der Befragten - 87 Prozent - von keinem formalen Training."

Das größte Herzproblem im Zusammenhang mit Chemotherapie & Co. ist dabei entstehende chronische Herzschwäche (Herzinsuffizienz), die in diesen Fällen durch eine verringerte Pumpleistung der linken Herzkammer mit einer geringeren Blut-Auswurfleistung charakterisiert ist. In der Behandlung von chronischer Herzinsuffizienz werden seit vielen Jahren vor allem sogenannte Beta-Blocker, ACE-Hemmer und Angiotensin-II-Rezeptorantagonisten sowie Aldosteronantagonisten und andere Medikamente eingesetzt. Sie kamen ursprünglich praktisch durchwegs aus der Hypertonie-Therapie. Während deren Wirkung bei chronischer Herzschwäche aus anderen Ursachen gut belegt ist, fehlten bisher starke wissenschaftliche Beweise für einen Effekt bei Onkologie-Patienten.

Bei dem Kongress in Wien wurde jetzt aber eine Meta-Analyse der vorliegenden wissenschaftlichen Literatur bei Krebspatienten präsentiert. Insgesamt hatte man die Daten von 49 Studien mit knapp 7.000 Patienten auswerten können. Dabei ging es vor allem um die Feststellung einer Wirkung der verschiedenen Medikamente auf die Pumpfunktion des Herzens. Normalerweise wirft die linke Herzkammer zwischen 55 und 70 Prozent des eingeströmten Blutes bei jeder Kontraktion wieder aus. Mittelgradig eingeschränkt ist die Herzarbeit zum Beispiel bei einer Auswurffraktion von 30 bis 40 Prozent.

Laut der Meta-Analyse sind die üblichen Herzschwäche-Medikamente jedenfalls auch bei Onkologie-Patienten wirksam. So steigerte eine Behandlung mit ACE-Hemmern oder Angiotensin-II-Rezeptorantagonisten die Auswurffraktion um 2,88 Prozent, Beta-Blocker schafften im Vergleich zu Placebo plus 1,2 Prozent. Eine Kombination aus Medikamenten dieser beiden Wirkstoffklassen brachte plus 2,98 Prozent. Aldosteronantagonisten steigerten die Blut-Auswurffraktion um plus 4,68 Prozent Auswurffraktion. Auch die bekannten Cholesterinsenker (Statine) erhöhten die Auswurffraktion um 2,49 Prozent. Da alle diese Arzneimittel zumeist in Kombination verabreicht werden, lässt sich eine deutlich höhere Wirkung im Vergleich zur Verwendung nur einer der einzelnen Medikamentenklassen ableiten.

Wouter Meijers, Hauptautor der Studie von der Erasmus MedUni in den Niederlanden, zog diese Schlussfolgerung: "Durch die Zusammenführung der Studienergebnisse haben wir bestätigt, dass von Leitlinien empfohlene Herzinsuffizienztherapien - insbesondere eine Kombination aus RAAS-Inhibitoren (ACE-Hemmer etc.) und Betablockern - die Herzfunktion bei Patienten schützen, die wegen Krebs behandelt werden." Es sollte dazu aber noch viel mehr Studien geben.

Daniel Karmann/dpa (zu dpa-Korr: "Das Menschliche fällt oft weg - Pflegealltag im Krankenhaus" vom 05.07.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++

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