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Experten stellen negativen Auswirkungen von Kurzvideos bei ADHS fest

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Scrollen wird zur besonderen Herausforderung
©APA, dpa, Fernando Gutierrez-Juarez
Kurzvideos wie man sie von TikTok, YouTube oder Instagram-Reels kennt, wirken über schnelle Reize und fesseln die Aufmerksamkeit der Nutzer. Für Menschen mit Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) wird laut einer Studie der TU Graz das Scrollen zur besonderen Herausforderung: Das Zeitmanagement gerät aus dem Blick und am Ende bleibt oft ein schlechtes Gewissen wegen der vergeudeten Stunden. Die Forschenden plädieren für inklusivere Designlösungen.

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News auf Google bevorzugen

Das Team von Elisabeth Lex vom Institute of Human-Centered Computing hat einen genauen Blick auf Kurzvideo-Plattformen geworfen. Wie sich zeigte, funktionieren die Algorithmen, die unsere Aufmerksamkeit binden, nicht für jeden gleich gut, was die Verweildauer anbelangt. Die Studie wird Ende Oktober auf der International ACM SIGACCESS Conference on Computers and Accessibility in Portugal präsentiert und ist bereits für den Best Paper Award nominiert, teilte die TU Graz am Donnerstag mit.

Die Studie mit 302 Teilnehmenden zeigt, wie unterschiedlich die Nutzungserfahrungen von Menschen mit und ohne ADHS ausfallen können. Zwar bewerteten beide Gruppen die Empfehlungen für die Short-Content-Videos als relevant für ihre Interessen. Die Auswirkungen des Konsums waren allerdings höchst unterschiedlich: Bei Menschen mit ADHS stellte sich eine deutlich ausgeprägte "Zeitblindheit" ein, das heißt, sie verloren beim Scrollen das Gefühl dafür, wie viel Zeit tatsächlich vergangen war. Das führte dazu, dass sie oft deutlich länger online blieben als beabsichtigt und Schwierigkeiten hatten, den Konsum zu stoppen.

Doch die negativen Folgen endeten nicht mit dem Schließen der App. Viele der von ADHS betroffenen Testpersonen empfanden danach die verbrachte Zeit als nicht wertvoll, verdrängten wichtige geplante Aufgaben und berichteten insgesamt über eine Verschlechterung ihrer Stimmung. "Unsere Erkenntnisse belegen, dass auf Engagement optimierte Empfehlungssysteme eine unverhältnismäßige emotionale und verhaltensbezogene Belastung für Menschen mit ADHS darstellen", fasste Lex zusammen.

Die Studie habe auch gezeigt, dass sich die Probanden konkrete Unterstützung wünschten, um nicht länger als beabsichtigt am Kurzvideo-Trip zu bleiben. Vorschläge wie eine Maximalanzahl an Videos pro Sitzung oder sichtbare Zeitangaben seien auf Interesse gestoßen. Die Grazer Forschungsgruppenleiterin Lex forderte die Entwickler dazu auf, Systeme zu entwickeln, die sich stärker am Wohlbefinden und den Bedürfnissen der Nutzer orientieren. Der Weg müsse "von einer rein bindungsorientierten Optimierung hin zu menschenzentrierten Designpraktiken, die das Zeitbewusstsein und die intentionale Kontrolle der Nutzerinnen und Nutzer explizit unterstützen" gehen.

Plattformbetreiber wie Meta, TikTok und Google geraten mittlerweile zunehmend in die Kritik. Der Vorwurf: Ihre Design-Elemente und Empfehlungssysteme könnten eine zwanghafte oder gar süchtig machende Nutzung fördern. In den USA sorgte zuletzt ein Urteil im März 2026 für Schlagzeilen: Meta und Google wurden zu 6 Millionen US-Dollar Schadenersatz verurteilt, TikTok und Snapchat hatten sich mit den Klägern außergerichtlich geeinigt.

Auch in Europa wird der Druck größer. Die EU-Kommission stellte bei TikTok sowie Instagram und Facebook vorläufige Verstöße gegen den Digital Services Act wegen "süchtig machenden" Designs fest. Im Fokus stehen Funktionen wie Infinitive Scrolling, Autoplay und Push-Benachrichtigungen, die sich besonders bei Minderjährigen und vulnerablen Erwachsenen schädlich auf die psychische und körperliche Gesundheit auswirken könnten.

(S E R V I C E - Vedad Misirlic, Gregor Mayr, Elisabeth Lex, "Quantifying the Engagement Trap: Impact of Short-form Video Recommender Systems on Users with ADHD". Preprint unter: https://arxiv.org/html/2609.07795v1)

ILLUSTRATION - 28.02.2022, Berlin: Auf dem Bildschirm eines Smartphones sind die Logos der Apps VKontakte (oben l-r), Twitter, RT News, Facebook, Instagram (unten l-r), Telegram und TikTok zu sehen. (zu dpa «Russland und Ukraine kämpfen um Meinungshoheit in den Sozialen Medien») Foto: Fernando Gutierrez-Juarez/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++.

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