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Die bisher nicht heilbare Krankheit tritt meist als Folge von Krebs, Herz-, Lungen-, Nieren- und Lebererkrankungen und chronischen Infektionen auf, so Bergthaler, der am Institut für Hygiene und Angewandte Immunologie der Medizinischen Universität Wien forscht. Der ungewollte Gewichtsverlust bei kachektischen Patientinnen und Patienten lässt sich dabei auch durch energiereiche Ernährung und körperliche Aktivität nur schlecht hintanhalten. "Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es kein Medikament, das man schluckt, und dann ist das Problem gelöst", sagte er: "Das hat damit zu tun, dass wir die grundlegenden Mechanismen der Krankheit nicht kennen."
Was genau den Stoffwechsel dermaßen fehlleitet, ist großteils unbekannt. Man weiß, dass etwa der Entzündungsbotenstoff "Tumornekrosefaktor Alpha (TNF)" daran beteiligt ist. In Tiermodellen konnten Forscher die Kachexie stoppen, indem sie diesen Botenstoff blockierten, berichtete Bergthaler: "Bei Menschen sind aber diese und ähnliche Versuche gescheitert." Mit einem anderen entzündungsfördernden Botenstoff (Growth Differentiation Factor 15 - GDF15) konnte zuletzt in einer klinischen Studie zur Wirksamkeit bei Krebspatientinnen und -Patienten mit Kachexie der Gewichtsverlust reduziert werden. "Es benötigt jedoch weitere klinische Studien, um zu verstehen, ob sich das auch auf Lebensqualität und Überleben überträgt", erklärte er.
"50 Jahre Therapieentwicklung bei Kachexie haben bisher nur wenige greifbare Erfolge hervorgebracht", sagte der Forscher. In Wien haben sich nun Expertinnen und Experten aus der Krebs- und Stoffwechselforschung, Ernährungs- und Palliativmedizin sowie Immunologie zusammengetan, um dies zu ändern. Dieses "Vienna Cachexia Network" (Vi-CaN) will die Frage klären: "Warum beginnt der Körper im fortgeschrittenen Verlauf von chronischen Erkrankungen seine eigenen Energiereserven und Muskeln abzubauen." Wenn man dies wüsste, könnte man Ansatzpunkte entwickeln, um diesen Prozess gezielt aufhalten.
Außerdem wäre es entscheidend, die Krankheit viel früher zu diagnostizieren, als es bisher möglich ist, erklärte Bergthaler: "Bei frühzeitigem Erkennen von Kachexie und rechtzeitigem Behandlungsbeginn würden vielleicht auch Therapien, die bisher nicht funktioniert haben, Wirkung zeigen."
Am Donnerstag tauschen sich beim ersten Vi-CaN-Symposium Experten aus ganz Österreich mit internationalen Kollegen über die möglichen Ursachen und frühen Auswirkungen der Krankheit aus. "Nachwuchsforscherinnen und Nachwuchsforscher werden ihre Ergebnisse genau so präsentieren wie Topleute aus Nordamerika und Europa", sagte Bergthaler. "Insbesondere sind wir stolz, mit der klinischen Krebsforscherin Vickie Baracos von der University of Alberta in Kanada, die Doyenne weltweit im Bereich der Kachexieforschung, in Österreich begrüßen zu dürfen."
(S E R V I C E - Link zum Vi-CaN-Symposium: https://go.apa.at/KBK5970l )
