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Brustgesundheitsmonat: Vorsorge aktiv angehen

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Aktionstag Brustgesundheit an der FH Vorarlberg am 9. Oktober
©Afp, APA, Yuri CORTEZ
Die Diagnose Brustkrebs veränderte 2017 das Leben der Krankenschwester Nadja Will. Heute sagt sie: "Ich feiere jeden Tag Geburtstag." Will engagiert sich inzwischen für Brustkrebsvorsorge und will Frauen vor allem eines vermitteln: "Ich kann nichts dagegen tun, an Krebs zu erkranken. Aber ich kann etwas tun, um nicht daran zu sterben." Entscheidend sei, die eigene Brust gut zu kennen, Veränderungen früh wahrzunehmen und für die eigene Gesundheit selbstbewusst einzustehen.

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Den Knoten in der Brust hatte die damals 34-jährige, zweifache Mutter Nadja Will 2017 zunächst ein paar Wochen lang ignoriert. "Ich ging dann doch zur Ärztin. Einfach weil ich hören wollte, dass alles ok ist", so die in Bielefeld lebende Anästhesiepflegerin. Nur weil sie damals nach einem ergebnislosen Abtasten durch die Ärztin ihrem "komischen Bauchgefühl" und ihrer Angst folgte und auf weitere Untersuchungen bestand, wurde ihr bereits 2,7 Zentimeter großer Tumor entdeckt. Die erste von 16 Chemotherapien bekam sie nur wenige Tage später - die erste Zeit mit der Diagnose "war wie ein ICE". Es folgten 28 Bestrahlungen und eine Operation. "Ich wusste davor gar nichts über Brustkrebs", so Will rückblickend.

Trotz erfolgreicher Behandlung fühlte sie sich mit ihren Gefühlen angesichts der Krankheit alleingelassen. "Es war schräg, ich war schräg", beschrieb sie eine trostlose Zeit. Das Umfeld bemühte sich um unwillkommene Schonung, der zuvor blitzsaubere Haushalt wurde unwichtig, Freundschaften veränderten sich. "Ich habe meine Systeme über den Haufen geworfen", sagt sie. Erst im Austausch mit anderen erkrankten Frauen stellte sie fest: "Wir leben ja trotzdem - ich darf lachen."

Sie entdeckte das Bergsteigen für sich, wagte sich mit "Save your Boobies"-Homepartys, als Rednerin, YouTuberin und Poetry Slammerin in die Selbstständigkeit und gründete den "th!nk pink club", der sich in der DACH-Region für krebserfahrene Frauen einsetzt. Lebensbejahendes Motto des Selbsthilfe-Netzwerks: "Hey Cancer, kiss my ass!" Ihre Erfahrungen und Wissen teilt sie seither bei Workshops und Veranstaltungen wie dem "Aktionstag Brustgesundheit" der FH Vorarlberg am 9. Oktober, wo im Rahmen des EU-Projekts MammAware daran gearbeitet wird, Brustkrebsvorsorge alltagstauglich zu machen.

In Österreich erhalten Frauen ab 45 Jahren alle zwei Jahre eine Einladung zur Mammografie, laut Angaben des Sozialministeriums nutzen dieses Angebot aber nur rund 41 Prozent. "Krebs macht Angst, darum schaue ich weg", begründete dies Will mit Verweis auf Deutschland, wo jährlich 75.000 Frauen neu an Brustkrebs erkranken und 18.000 jedes Jahr mit der Diagnose sterben. Bei entsprechender Früherkennung wären viele der Todesfälle vermeidbar, ist die Aktivistin überzeugt. Das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, sei laut Statistik realistisch. Wenn man sich aber um sich selbst kümmere, "kann man praktisch gewiss sein, dass man keine von den 18.000 ist".

Dazu ist es laut Will nötig, als Frau "brustbewusst" zu sein, also den eigenen Körper gut zu kennen. Sie vergleicht die Brustdrüse mit Weintrauben, eingebettet in "Marshmallows", sprich Fettgewebe. Unebenheiten liegen also in der Natur der Sache. Tastet man die Brust regelmäßig alle vier Wochen ab, jeweils nach der Periode, erkennt man Veränderungen. "Wenn aus einer Traube eine Rosine wird, kann ich früh reagieren", so die Idee. Dabei darf man mit seinen Unebenheiten gut vertraut werden: "Nennen Sie die Erhebung, die Sie da fühlen, von mir aus New York. Der Job ist nun, zu erkennen, ob New York in vier Wochen größer geworden ist", erklärt sie, denn Krebs entwickle sich meist nicht von heute auf morgen.

Viele Frauen seien häufig mehrfachbelastet mit Job und Kindern. Vorsorge müsste daher "wie ein Coffee-to-go" sein, so einfach zugänglich und so zeitlich flexibel verfügbar wie möglich, so ihre Forderung. Oft hänge die bezahlte Vorsorge an vorgegebenen Merkmalen des Gesetzgebers, etwa am Alter. Das unterstütze die irrige Vorstellung, dass einen unter 30 Jahren Brustkrebs noch nichts angehe. Dabei sollten schon Mädchen in der Pubertät lernen, mit ihrer Brust vertraut zu sein und sich regelmäßig zu untersuchen, fordert die Fachfrau. Dazulernen müsse auch das Bildungssystem: "Wir sprechen zwar darüber, wie wir das Kondom über die Banane stülpen, aber zu wenig über die eigene Gesundheitskompetenz, also dass meine Gesundheit in meiner Verantwortung liegt", so Will.

Aus eigener Erfahrung weiß sie zudem, wie wichtig es ist, hartnäckig für sich selbst einzustehen beim Arztbesuch. "Wenn sich etwas komisch anfühlt, wenn sich was verändert hat, darf ich weitere Untersuchungen verlangen. Das ist mein Recht", betont sie. Daran müsse man gelegentlich auch Ärzte und Ärztinnen erinnern. Manche Brustkrebsarten erkenne man nämlich im Ultraschall, aber nicht in der Mammografie oder umgekehrt, "denn Brustkrebs ist - Entschuldigung, wenn ich das so drastisch sage - ein Arschloch", so Will, die inzwischen von sich sagen kann: "Es geht mir gut".

(S E R V I C E - Aktionstag Brustgesundheit am 9. Oktober, 13 bis 18 Uhr, FH Vorarlberg, Hochschulstraße 1, 6850 Dornbirn. Veranstaltungs- und Workshopprogramm im Internet unter https://mammaware.eu/aktionstag)

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