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Diese Bedrohung werde "die nächsten Jahrzehnte hier bleiben", warnte er. Die sich ändernden klimatischen Bedingungen, die die Ausbreitung solcher Moskitos begünstigen, sollten nicht nur den südeuropäischen Ländern Sorgen bereiten, sondern allen europäischen Staaten. Wenn es für manche noch keine Bedrohung sei, dann in der Zukunft, erläuterte Peralta Santos.
Die Asiatische Tigermücke (, die beispielsweise das Dengue-Fieber oder das Chikungunya-Virus übertragen kann, "breitet sich in Europa pro Jahr um 60 Kilometer weiter nach Norden aus", berichtete der Umwelt-Epidemiologe Jan Semenza. Dabei spiele nicht nur der Klimawandel eine Rolle, sondern auch Kraftfahrzeuge, auf oder in denen die Insekten mitreisen. Lokale Ausbrüche von Dengue und Chikungunya treten dann zwar erst später auf, werden aber noch schneller immer weiter nördlich festgestellt, mit einer Ausbreitung von 120 Kilometern pro Jahr, erläuterte der unter anderem an der Universität Heidelberg tätige Forscher.
Die Corona-Pandemie hätte die Welt ebenso überrascht wie heuer die Hantavirus-Infektionen auf einer Atlantikkreuzfahrt und die Größe des aktuellen Ebola-Ausbruchs in der Demokratischen Republik Kongo, sagte der Direktor der EU-Behörde für Krisenvorsorge und -reaktion bei gesundheitlichen Notlagen (HERA), Laurent Muschel. Diese Viren seien auf der Prioritätenliste gestanden, wie nun auch vektorassoziierte Krankheitserreger, also vor allem durch Stechmücken und Zecken übertragene Infektionen. Mit diesen dürfe sich der Fehler des Überraschtwerdens nicht wiederholen, betonte er.
"Wir haben begonnen zu investieren - angefangen von Diagnosemöglichkeiten über neue Impfstoffe und neue antivirale Medikamente", sagte Muschel. Das brauche aber Geld und politische Unterstützung. Es gibt einzelne Impfstoffe gegen Dengue und Chikungunya, aber keine Medikamente zur Behandlung, erläuterte der HERA-Direktor. Er forderte zudem ein Abwassermonitoring auf vektorassoziierte Krankheitserreger und eine "globale Antwort". Klinische Studien könnten beispielsweise nicht in Europa durchgeführt werden, weil es hier zu wenig Fälle gibt.
"Es ist ein chronisches, globales Gesundheitsproblem", betonte auch Lisa Görlitz, von der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung. Bei der Ausarbeitung von neuen Ansätzen gegen diese Gefahr sollten nationale und europäische Entscheidungsträger sicher gehen, "dass diese in Neapel genauso wie in Nairobi funktionieren", forderte sie. Auch aus den Expertisen in Subsahara-Afrika könne dabei gelernt werden.
Semenza und Peralta Santos hoben zudem die Wichtigkeit der Einbindung der Bevölkerung hervor. Bürgerinnen und Bürger könnten helfen, das Auftreten von Moskitoarten in ihrer Umgebung zu dokumentieren sowie das Entstehen von Brutstätten der Tiere verhindern. Die frühe Information über mögliche Maßnahmen sorge für mehr Akzeptanz und Beteiligung in der Bevölkerung. Auch mit wissenschaftskritischen Reaktionen - wie bei der Aussetzung von sterilisierten Mücken - sowie Falsch- und Desinformation müsse jedoch gerechnet werden.
Das EHFG versammelt bis Freitag zum 29. Mal europäische Expertinnen und Experten aus Politik, Wissenschaft und Gesundheitsbranche. Unter dem heurigen Motto "Health for a stronger European Union - High time for action" wird in zahlreichen Sessions zu verschiedenen Themenbereichen diskutiert. Zu den Gästen in Bad Hofgastein sowie per Videoschaltung zählen u.a. Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ), Maltas Außenminister Chris Fearne und der spanische Gesundheitsstaatssekretär Javier Padilla Bernáldez.
