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125 Jahr Nobelpreise: Historisch eher männlich, jüngst sehr politisch

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++ ARCHIVBILD ++ Wer bekommt den Literaturnobelpreis?
©APA, dpa, Daniel Reinhardt
Seit 125 Jahren werden die prestigeträchtigen Nobelpreise vergeben. Auch heuer blickt man wieder gespannt auf die Entscheidungen der Jurys, wer sich in den Kategorien Medizin, Physik, Chemie, Literatur, Frieden und Wirtschaft neu zur erlesenen Preisträger-Gruppe zählen darf. Für große Freude sorgten hierzulande zuletzt die Ehrungen für den ungarisch-österreichischen Physiker Ferenc Krausc (2023) und den Austro-Physiker Anton Zeilinger (2022).

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Der spektakulärste Nachhall der Nobelpreis-Vergabe im Vorjahr hatte eher eine politische Dimension: Im Jänner schenkte Friedensnobelpreis-Trägerin María Corina Machado ihre Preis-Medaille symbolisch Donald Trump. Für den US-Präsidenten ein natürlicher Schritt: Er fand ohnehin, er hätte ihn verdient gehabt. Die Jury sah das anders und ehrte 2025 die venezolanische Oppositionsführerin. Ob das die richtige Entscheidung war - da sind sich viele angesichts dieses Ausgangs nicht sicher. Kurz vor der diesjährigen Vergabe der Nobelpreise ab dem 5. Oktober steht die Frage im Raum: Was hat die Jury daraus gelernt - und wird das ihre Entscheidung diesmal beeinflussen?

"Ich glaube jedenfalls, dass das Komitee darauf achten wird, welche ungünstige Wirkung der Preis haben könnte", sagt der Leiter des Osloer Friedensforschungsinstituts Prio, Haakon Gjerløw, der dpa. Weitergeben, das hatte das norwegische Nobelinstitut klargestellt, kann ein Preisträger die Auszeichnung nicht. Der US-Präsident muss auf seinen eigenen Nobelpreis also weiter warten. Aber die Geste hat einen bizarren Beigeschmack: Der Preis für den Kampf für Demokratie in Venezuela wurde plötzlich zur Bühne für Trump.

In diesem Jahr, so ist Gjerløw überzeugt, dürfte sich das Komitee für einen weniger kontroversen Preisträger entscheiden. "Das könnte für jemanden sprechen, der im humanitären Bereich arbeitet." Eine Organisation? Schon vor der Vergabe 2025 hatten etwa die Emergency Response Rooms im Sudan Aufmerksamkeit auf sich gezogen - lokale Netzwerke, die seit Beginn des Krieges humanitäre Hilfe in Form von Lebensmitteln, medizinischer Versorgung und Notunterkünften organisieren.

Zugleich sind die Entscheidungen der Nobeljurys jedes Mal aufs Neue schwer vorauszusagen. Das gilt nicht nur für die Kategorie Frieden, sondern insbesondere für den Literaturnobelpreis. "Es ist reine Kaffeesatzleserei, das muss man bei einigen hundert Schriftstellern, die infrage kommen, zugeben", so Literaturkritiker Denis Scheck.

Die Schwedische Akademie, Hüter des Nobelgeheimnisses in dieser Kategorie, lässt sich nicht in die Karten schauen - und will sich auch von Proporz-Denken nicht leiten lassen. Gleichwohl sind zuletzt immer abwechselnd ein Mann und eine Frau ausgezeichnet worden - im vergangenen Jahr der Ungar László Krasznahorkai. Mit Blick auf Österreich waren die letzten großen Ehrungen hier jene an den Schriftsteller Peter Handke (2019) und die Schriftstellerin Elfriede Jelinek (2004).

Kanadierin Margaret Atwood, US-Amerikanerin Siri Hustvedt oder die Chinesin Can Xue hätten den Preis diesmal verdient, meint Scheck: "Alle Drei haben ein beeindruckendes Werk." Can Xue war schon 2025 als Favoritin gehandelt worden. "Sie schreibt verblüffende Erzählungen und Romane, in denen Tiere eine große Rolle spielen", so der Literaturkritiker. Sollte der Preis an einen Mann gehen, plädiert Scheck dafür, "endlich Salman Rushdie auszuzeichnen". Wir lebten in einem Zeitalter des politischen und religiösen Totalitarismus, sagt er - und in Rushdies Werk sei der Widerstand gegen beides eingeschrieben.

Der Nobelpreis-Bilanz, könnte mancher meinen, wäre es zu wünschen, dass es eine Frau wird: Denn Männer dominieren die Nobelgeschichte massiv. Nur 67 Frauen haben einen der begehrten Preise bekommen (Marie Curie wurde 1903 und 1911, also zwei Mal geehrt) - von fast 1.000 Preisträgern.

Bewusst sind sich die Nobelinstitutionen des Problems. Doch gerade in den Naturwissenschaften schließt sich die Lücke nur langsam. In den Kategorien Physik und Chemie gab es seit der ersten Vergabe der Nobelpreise vor 125 Jahren jeweils weniger als zehn Preisträgerinnen. Den Wirtschaftspreis haben sogar nur drei Frauen bekommen. Den Medizinpreis, dessen Bekanntgabe den Nobelpreisreigen am 5. Oktober eröffnet, immerhin 14.

Woran das liegt, machte der frühere Ständige Sekretär der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften, Göran K. Hansson, schon 2017 in einem Interview fest: Nicht nur die historische Unterrepräsentation von Frauen in wissenschaftlichen Karrieren sei ausschlaggebend - oft werden die Preise für Entdeckungen und Erfindungen vergeben, die viele Jahrzehnte zurückliegen. Auch die Nominierenden waren lange überwiegend männlich.

Immerhin in einer Hinsicht wird der Nobelpreis definitiv weiblicher: An der Spitze der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften, die die Preise für Medizin (5.10.), Physik (6.10.), Chemie (7.10.) und Wirtschaftswissenschaften (12.10.) vergibt, steht seit Jänner die gebürtige Belgierin Ellen Moons. Das ist historisch, denn sie ist die erste Frau in diesem Amt seit der Gründung der Akademie 1739. Zum ersten Mal überhaupt werden die Nobelpreisträger in den drei Kategorien von einer Frau verkündet.

Die bezeichnet es im schwedischen Radio als eine "natürliche Entwicklung", dass nicht nur die Preise, sondern auch die Nobel-Institutionen weiblicher werden. Auf ihre neue Aufgabe freut sie sich: "Das wird aufregend." Nicht nur für Moons: Anfang Oktober wird die Weltöffentlichkeit wieder gespannt nach Stockholm und Oslo blicken.

(S E R V I C E - https://www.nobelprize.org/ )

ARCHIV - 04.03.2022, Schleswig-Holstein, Lübeck: Die Literaturnobelpreis-Medaille, die der deutsche Schriftsteller Grass im Jahr 1999 verliehen wurde, ist in der Schau «Das ist Grass» im Günter Grass-Haus ausgestellt. (zu dpa: «Nobelpreise sind in diesem Jahr mehr wert») Foto: Daniel Reinhardt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

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