von
"Ich habe einen Boxring aufgestellt, ein paar Boxsäcke aufgehängt und auch meine Garage in ein Fitnessstudio verwandelt", erzählt Sweeney ("Euphoria", "The White Lotus") von den Vorbereitungen zu David Michôds publikumswirksamen Film. In Rocky Balboa-Manier hat sie drei Monate lang mit Profis trainiert, Gewichte gestemmt, "Proteinshakes ohne Ende" getrunken und 16 Kilo zugenommen.
Das Image, das Sweeney als Künstlerin pflegt, steht dabei nicht selten in starkem Kontrast zu ihrer Selbstinszenierung als Prominente. Abseits der Leinwand verkauft sie ihr Badewasser, wirft Büstenhalter auf das Hollywoodsign und macht Werbung für Jeanshosen, bei der es um die "guten Gene" der weißen, blonden Darstellerin geht.
Auf der Leinwand spielt sie vielschichtige Frauen, die unterdrückt werden - alles andere als leichte Kost. Legendär ist ihr psychischer Meltdown auf der Schultoilette in der Teenager-Drogenserie "Euphoria" als traumatisierte Cassie, die in Tränen aufgelöst ihr selbstbetrügerisches Mantra schreit: "Ich war noch nie so glücklich!" In Paul Feigs Kassenschlager "The Housemaid" verkörpert sie eine herrliche feministische Rachefantasie. "That's Why the Lady Is A Champ" erzählt nun von Christy Martin, die das Frauenboxen in den Mainstream brachte und die im Privaten mit ihrer Homosexualität und ihrem brutalen Ehemann und Trainer kämpfte.
"Christy und ich hatten definitiv Gemeinsamkeiten, was den Unterschied zwischen öffentlicher und privater Persönlichkeit betrifft", betont Sweeney. "Aber genau wie Christy kämpfe ich bis zum Schluss dagegen an. Ich glaube, dass Frauen, egal in welchem Bereich sie tätig sind, mit den gesellschaftlichen Erwartungen an sie und ihrem wahren Selbst zu kämpfen haben."
Sie weiß, wovon sie spricht. In den USA ist Sweeney mitten in einen Kulturkampf geraten. Konservative vereinnahmen sie gerne als eine der Ihren. Ausgerechnet Donald Trump kam zu ihrer Ehrenrettung im Jeans-Skandal. Sweeney selbst äußert sich nicht gerne dazu, lässt lieber andere Bei all dem Getöse wird oft vergessen, dass sie auch ein beachtliches schauspielerisches Talent hat.
Tatsächlich hat man die Amerikanerin so noch nicht gesehen: ungeschminkt, mit brauner Lockenmähne und einem linken Haken, der jede Gegnerin im Ring umhaut. Bis zu ihrem 19. Lebensjahr war sie Kickboxerin und Ringerin. "Ich habe an Turnieren teilgenommen, Meisterschaften gewonnen, Medaillen geholt - das volle Programm. Ich kenne die Boxwelt also sehr gut", betont sie. Die Dreharbeiten seien für sie gewesen, "als würde man seine Jugendliebe wiedersehen".
Die inzwischen 58-jährige Martin, die wieder ihren Mädchennamen Salters angenommen hat, war maßgeblich an der Verfilmung ihrer Biografie beteiligt - und sichtlich begeistert von Sweeneys Performance. Sie fand den Film "großartig", erinnert sich die Schauspielerin an die erste Reaktion der Sportlerin. "Sie meinte: 'Du hast dich bewegt wie ich, du hast gesprochen wie ich, du hast genau das getan, was ich in diesen Situationen getan habe'."
Sie liebe es, Schauspielerin zu sein, sagt Sweeney, "ich bin regelrecht besessen davon". Wenn sie dreht, dann distanziere sie sich so gut wie möglich von den Figuren, die sie spielt, erzählt die 28-Jährige weiters aus ihrem Zuhause in Hollywood, das einst dem berühmten Produzenten Delmer Daves gehörte.
"Das ist einfach die beste Art für mich, damit umzugehen, weil ich viele komplexe und düstere Charaktere spiele. Es hilft mir einfach, das nicht mit nach Hause zu nehmen. Aber was ich von Christy mitnehmen werde, ist ihre Stärke. Sie hat mir beigebracht, wie man kämpft und für sich selbst einsteht, und ich werde ihr ewig dankbar sein für den Einfluss, den sie auf mein Leben hatte", so Sweeney.
(Das Gespräch führte Marietta Steinhart/APA)
(S E R V I C E - https://tobis.de/titel/thats-why-the-lady-is-a-champ )
