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Byzanz: Die Macht der Kaiserinnen als Vorbild für die Eliten

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Theodora Angelina erscheint täglich mit ihrem Gemahl auf der Ankeruhr
©Wikimedia Commons, APA
Im Byzantinischen Reich (etwa 400 bis 1453) hatten Kaiserinnen im Vergleich mit dem mitteleuropäischen Mittelalter in der Regel eine außerordentlich öffentliche und einflussreiche Position. "Ihre Macht folgte einem Rhythmus der Entwicklung des Imperiums zwischen Expansion und Rückgang", so die Byzantinistin Judith Herrin im APA-Gespräch. Ihr Einfluss wuchs immer dann, wenn das Imperium militärisch bedroht war und sich der Kaiser um militärische Angelegenheiten kümmern musste.

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"Sie blieb dann im Palast und hat dort die Kontrolle", sagte die emeritierte Professorin vom Londoner King's College. Das betraf finanzielle und zeremonielle Angelegenheiten, aber gelegentlich auch die Verteidigung von Konstantinopel.

Herrin ist anlässlich des Internationalen Kongresses für Byzantinistik (ICBS) in Wien, der am Montag begonnen hat und noch bis Freitag dauert - und mit ihr über 1.500 Forschende aus fast 60 Ländern. Neben vielen anderen Themen wird es dabei auch um Fragen der Geschlechtergeschichte gehen. Die Forschung zu den Handlungsspielräumen und Einflussbereichen der Frauen ist aufgrund der lückenhaften Quellenlage in der an sich streng patriarchalen byzantinischen Gesellschaft herausfordernd, wie die renommierte Forscherin erklärte.

Am meisten wisse man über die Rolle von Frauen in der kaiserlichen Familie, weil über sie berichtet und ihr Handeln kommentiert wurde. "Sie konnten extrem mächtig werden - die Zeugnisse davon sind aber leider meistens nicht verschriftlicht und somit weitgehend unsichtbar", sagte Herrin. "Aber wir können uns relativ sicher sein, dass in den Eliten den Vorbildern dieser Frauen gefolgt wurde." Dementsprechend wurde von ihnen erwartet, Autorität über ihren Haushalt und Einfluss auf ihren Ehemann auszuüben.

Denn in Konstantinopel hatte die Kaiserin eine besondere Stellung: Sie führte unter normalen Umständen den weiblichen Teil des Hofes an. Als Beispiel nannte die Byzantinistin Theodora I., die Ehefrau von Kaiser Justinian. Auf einem bekannten Mosaik in der Kirche San Vitale in Ravenna (Italien) ist sie abgebildet - Kaiser Justinian analog auf der gegenüberliegenden Wand. Dies allein sei schon außergewöhnlich. "Sie war sicherlich eine sehr eindrucksvolle und unabhängig denkende Frau, die ein klares Beispiel hinterlassen hat, wie eine Kaiserin zu sein hat", so Herrin.

Ein weiteres wichtiges Detail des Mosaiks von Theodora: Sie ist umgeben von sieben Hofdamen, die alle reich bekleidet und als individuelle Persönlichkeiten dargestellt sind. "Es gab also eine weibliche Kohorte für die kaiserlichen Zeremonien - und sie hatten spezifische Rollen, Verantwortung und Einfluss", sagte Herrin.

Im 9. Jahrhundert kam mit der "Zoste Patrikia" (dt. etwa: "Gegürtete Patrizierin") eine neue Institution hinzu, die ursprünglich für die Schwiegermutter des Kaisers geschaffen wurde, später aber auch hochstehende Frauen aus Nachbarregionen einschloss. Sie war die ranghöchste Frau am Hof nach der Kaiserin und durfte in eigener Person (ohne Begleitung eines Ehemanns) an Staatsbanketten teilnehmen. Damit war die Tradition einer zusätzlichen, sehr wichtigen Rolle nahe am Kaiser begründet.

Frauen hatten auch wichtige diplomatische Aufgaben. Ein Beispiel dafür ist eine Kaiserin im Westen, die aus Konstantinopel kam: Theophanu. Sie war eine Nichte des byzantinischen Kaisers und wurde als diplomatische Akteurin ausgeschickt, um den jungen römisch-deutschen Kaiser Otto II. zu heiraten. Zwischen dessen und ihrem eigenen Tod war sie über mehrere Jahre Regentin für ihren Sohn, Otto III. "Das stellt eine große Verschiebung für den Westen dar", so Herrin. "Diese Frauen hatten eine enorm wichtige Rolle dabei, den Ruf und die Kultur von Byzanz weit über die Grenzen des Reiches zu verbreiten."

Im 12. und im 13. Jahrhundert kamen in diesem Kontext auch zwei byzantinische Prinzessinnen nach Österreich: Theodora Komnena, Ehefrau Heinrichs II. ("Jasomirgott") und Theodora Angelina, Ehefrau Leopolds VI. "Weil Leopold VI. wegen Kreuzzügen oder militärischen Kampagnen oft abwesend war, spielte sie in Österreich die Rolle einer byzantinischen Kaiserin und regierte", ergänzte Johannes Preiser-Kapeller von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW). Theodora Komnena und Heinrich II. sind in der Wiener Schottenkirche begraben. Theodora Angelina erscheint täglich gegen 15.00 Uhr mit ihrem Gemahl auf der Ankeruhr am Hohen Markt in Wien.

Auch Frauen außerhalb der Eliten hinterließen Spuren, etwa in Gebeten oder Verwaltungsdokumenten. "Für die spätbyzantinische Zeit sind Gebete für den Schulanfang erhalten, die die männliche und die weibliche Form enthalten", sagte Claudia Rapp, die an der Universität Wien und der ÖAW tätig ist. Solche Kleinigkeiten belegen "schwarz auf weiß", dass auch von Mädchen erwartet wurde, in die Schule zu gehen und es in diesem Rahmen Gebete für sie gab.

Um Fragen nach dem Alltag von Frauen im Byzantinischen Reich zu beantworten, müsse man also auch die kleinen, unscheinbaren Manuskripte durcharbeiten - denn dort finde man Dinge, "über die Historiker normalerweise nicht sprechen", so Rapp.

(S E R V I C E - "25th International Congress of Byzantine Studies" zu "Byzantium beyond Byzantium" von 24. bis 29. August 2026 in Wien: https://www.icbs2026.org/ , Musik, Film und Performance: https://www.icbs2026.org/de/aktivitaten/musik-film-und-performance/ )

WIEN - ÖSTERREICH: FOTO: APA/Wikimedia Commons

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