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Moderator Klaus Kastberger betonte seine große Wiedersehensfreude, hatte Hochgatterer doch seit "FLIEGE FORT, FLIEGE fort" (2019) keinen weiteren Roman mehr veröffentlicht. Die Antwort auf seine Frage, woran das liege, leitete der Autor mit dem Bekenntnis "Da müssen wir über das Alter reden" ein. Er sei "mit ganz viel Lust" Leiter der klinischen Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Tulln wie auch Autor gewesen - zwei Tätigkeiten, die zu verbinden ihm zunehmend schwerer gefallen seien. Mit Erreichen des Pensionsalters könne er sich nun wieder mehr auf das Schreiben konzentrieren.
Dass er dabei aus einem reichen klinischen Erfahrungsschatz schöpft, wird auch in "Mio und die Unsterblichkeit" klar. Seinen Protagonisten Ingemar, ein 16-Jähriger mit spinaler Muskelatrophie und schlechter Prognose, habe er zwar nicht einem konkreten Vorbild nachgebildet, aber "mit Personen in der Manier der Hauptperson bin ich tatsächlich immer wieder zusammengetroffen", sagte Hochgatterer. Gerade junge Menschen agierten im Umgang mit ihrer Krankheit oft souverän und klug und dramatisierten diese nicht zusätzlich. Dass Themen wie Tod oder Unsterblichkeit, die Ingemar etwa bei regelmäßigen Besuchen eines alten Mannes bespricht, präsenter sein als bei anderen Jugendlichen, sei "naheliegend".
Im übrigen überraschte der 65-Jährige mit der Ansage, der dreibändige Sammelband des 1985 bis 1995 erschienenen Comics "Calvin und Hobbes" sei das beste therapeutische Lehrbuch, das er kenne. Er bedaure sehr, dass der US-Zeichner Bill Watterson, dessen Zitat "Wenn Vögel rülpsen, schmeckt das garantiert nach Insekten" er seinem Buch neben Montaignes "Ich will, dass der Tod mich beim Kohlpflanzen antreffe" vorangestellt hat, sich weitgehend zurückgezogen habe.
Hobbes ist ein großer Stofftiger, der in Calvins Fantasie ihn als sein sprechender Freund durchs Leben begleitet. Mio, Namensgeber von Hochgatterers Buch, heißt eigentlich "Maid Marian" (nach einer Figur aus "Robin Hood") und ist eine junge schwarze Katze, deren Berührungen Ingemar gut tun, mitunter aber auch tiefe Kratzer hinterlassen. Katzen seien in seinem eigenen Leben seit langem sehr präsent, sagte der Autor, outete sich als "Katzenmensch" und begründete Mios Bedeutung für Ingemar so: "Eine Katze mit ihren sprichwörtlichen sieben Leben spielt für jemanden, der nur ein halbes Leben zur Verfügung hat, natürlich eine wichtige Rolle."
(S E R V I C E - Paulus Hochgatterer: "Mio und die Unsterblichkeit", Zsolnay Verlag, 144 Seiten, 23,70 Euro)
