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Paulus Hochgatterer stellt seinen neuen Roman vor

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Paulus Hochgatterer stellt sein neues Buch vor
©APA, HANS KLAUS TECHT
Als Leiter einer klinischen Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie hatte Paulus Hochgatterer in den vergangenen Jahren erstens viel zu tun und zweitens viel Gelegenheit, intensive Erfahrungen mit den unterschiedlichsten Facetten des Aufwachsens, ja des Menschseins an sich zu machen. Sieben Jahre nach seinem Roman "FLIEGE FORT, FLIEGE fort" stellt der 65-Jährige am Donnerstag zum Abschluss des Literaturfestivals O-Töne seinen neuen Roman "Mio und die Unsterblichkeit" vor.

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Mio ist eine junge schwarze Katze. Eigentlich heißt sie "Maid Marian" (nach einer Figur aus "Robin Hood"), doch Ingemar setzt sich mit seiner persönlichen Namensgebung allmählich durch. Wie bei so vielem. Ingemar ist die Hauptfigur des Romans. Der 16-Jährige mit dem nervenden Namen (weil jeder dabei an Skistar Ingemar Stenmark denkt) hat spinale Muskelatrophie, Typ 2, mit schlechter Prognose, einen persönlichen Assistenten (Jack) und einen Physiotherapeuten (Fred), der zwar Gewichtheber war, aber schon mal kurz die Fassung verlieren kann, wenn bei Ingemar der wochenlang trainierte Pinzettengriff nicht mehr möglich ist, weil sich die Finger der Reihe nach "verabschieden".

Ingemar hat auch einen Neurologen (Al-Wahidi), einen Elektrorollstuhl (Lamborghini), eine jüngere Schwester (Lori), die in Tränen aufgelöst ist, als sie eine Doku über assistierten Suizid sieht ("Versprich mir, dass Du es nie machst!"), eine gleichaltrige Seelenfreundin (die er "dicke Judith" nennen darf), eine ältere Angebetete, deren Nähe ihm gut tut, und mit der er sich lauter schöne Sachen vorstellen könnte (Regina), und einen über 90-jährigen Gesprächspartner ("der alte Mann"), der ihn regelmäßig für philosophische Gespräche (etwa "über Ewigkeit, Gerechtigkeit und Dummheit") besucht und der ihn "Krüppelkind" nennen darf. Ingemar verfügt also über ein dichtes Beziehungsnetz, und souverän versteht er es, dieses zu nutzen.

Hochgatterer zeichnet die Probleme, Ängste und Stimmungsschwankungen seines Protagonisten nicht nur mit großer Empathie und Kenntnis, sondern hat ihm auch eine große Portion Intelligenz, Eloquenz und Humor gegeben. Das macht "Mio und die Unsterblichkeit" trotz der Bitternis, die über der Grundsituation liegt, zu einem großen Lesevergnügen. Mit geradezu spielerischer Leichtigkeit und einigem Sarkasmus geht es um die letzten Dinge, um die alte Frage "Was ist der Mensch?". Dass Ingemars Beziehung zu seinen Eltern, die zwischen dem Selbstvorwurf, dass bei der Vererbung einiges schiefgegangen ist (spinale Muskelatrophie Typ 2 ist eine neuromuskuläre Erkrankung, die vererbt wird), und dem Versuch, nicht ihr gesamtes Leben davon dominieren zu lassen, schwanken, nicht im Zentrum steht, sondern das schwarze Kätzchen, dessen Tagebuch er zu führen beginnt, ist ein gelungener Kunstgriff.

Dabei ist Mio keineswegs ein unschuldiges Geschöpf. Die Katze, deren Berührungen Ingemar so gut tun, mitunter aber auch tiefe Kratzer hinterlassen, stellt Singvögeln nach, tötet ein Gimpelweibchen und bringt ihre Leiche Ingemar stolz als Geschenk. Mit ihren (angeblich) sieben Leben geht sie allerdings recht sorglos um. "Das Leben ist auf individueller Ebene immer eine Abwehrschlacht gegen den Tod", sagt Hochgatterer in einem von seinem Verlag verbreiteten Interview. "Wenn wir diesen Rahmen akzeptieren, haben wir auch Gestaltungsmöglichkeiten, egal, welchen Beeinträchtigungen wir uns zu unterwerfen haben. Wenn wir ihn nicht akzeptieren und von unserer Gottgleichheit und Unsterblichkeit überzeugt sind, wird die Sache schiefgehen. Am Ende menschlicher Hybris steht immer die Vernichtung. Das haben die Dichter seit jeher gewusst. Man hört nur nicht auf sie."

(Von Wolfgang Huber-Lang/APA)

(S E R V I C E - Paulus Hochgatterer: "Mio und die Unsterblichkeit", Zsolnay Verlag, 144 Seiten, 23,70 Euro, Buchpremiere bei den O-Tönen im Wiener Museumsquartier: Do., 27.8., 20.30 Uhr)

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