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Den Beginn der langjährigen und zeitweise intensiven Freundschaft bildete im Februar 1996 Handkes Lesung im Frankfurter Schauspielhaus aus "Eine winterliche Reise zu den Flüssen Donau, Save, Morawa und Drina oder Gerechtigkeit für Serbien". Das anschließende Treffen mit dem Dichter und seinem Übersetzer Žarko Radaković mündete in eine im Mai 1996 für den "sommerlichen Nachtrag" unternommene gemeinsame Belgrad-Reise, denen rund 30 weitere Begegnungen folgten, "etwa die Hälfte davon im Rahmen gemeinsamer Reisen auf dem Balkan", wie es heißt.
Seit vielen Jahren habe er sich mit dem Gedanken getragen, seine in Kisten aufbewahrten Notizen und Negative der gemeinsamen Reisen wieder herauszukramen und zu ordnen, schreibt Deichmann. Ein freundschaftlicher Brief von Peter Handke zu Weihnachten 2020, der ihn mahnte, "es sei doch langsam an der Zeit, ein Buch über die gemeinsamen Reisen und Erlebnisse auf dem Balkan vor zwanzig bis dreißig Jahren zu schreiben", habe dann den entscheidenden Anstoß gegeben, "einen für mich persönlich bedeutsamen Lebensabschnitt" aufzuarbeiten.
Deichmann macht kein Hehl daraus, dass auf seiner Seite nicht nur die Grundhaltung der meist sehr kurzfristig geplanten Reisen jener von Handke wiederholt geäußerten Absicht, sich Land und Geschehen "unvoreingenommen fragend, Erklärungen und Antworten suchend, Eindrücke sammelnd, den Menschen zuhörend, sie verstehen und mitfühlen wollend. Widersprüche und Nichtverstehen zu überwinden suchend", zu nähern, glich. Auch seine Einschätzung gegenüber der als "einseitig und damit 'ungerecht' gegen die serbische Seite und Bevölkerung" empfundenen Berichterstattung der "westlichen Meinungseliten" gleicht mancher umstrittenen Äußerung des österreichischen Literaturnobelpreisträgers.
Der Chronist und Reisegefährte legt daher Lesern, "die das früher verbreitete Draufschlagen auf alles Serbische bis heute nicht haben ablegen können oder wollen", sein Buch "mit Vorsicht zu genießen oder die Lektüre sein zu lassen". Nicht alle haben diesen Rat befolgt. In der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" fühlte sich der Rezensent von derlei Sätzen "ungut an das Vokabular der Putin-Versteher in der AfD und der SPD erinnert", in "Die Welt" zweifelte man daran, "ob ein knapper 'Exkurs' in einem Buch, das 'persönliche Erlebnisse und Eindrücke' bieten will, der richtige Ort für die Verhandlung eines historisch, juristisch und erinnerungspolitisch so hochkomplexen Themas ist". Versöhnlicher räumte man immerhin ein: "Als Beitrag zu jener Chronik der wohl noch immer laufenden Ereignisse der 'Handke-Debatte' haben Deichmanns zwei Bände aber ihre volle Berechtigung."
(S E R V I C E - Thomas Deichmann: "Durch Jugoslawien im roten Peugeot", Wieser Verlag, Band 1: Berichte, 322 Seiten, 25 Euro, ISBN: 978-3-99029-705-6; Band 2: Fotografien, 258 Seiten, 25 Euro, ISBN: 978-3-99029-706-3)
WIEN - ÖSTERREICH: FOTO: APA/APA/Wolfgang Huber-Lang
