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Partisanin und Museumsdirektorin: Aleš Štegers Roman "Feuer"

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Roman nach einer historischen Figur
©Wallstein Verlag, APA
Mehr als Historiker denn als Romancier betätigt sich der slowenische Dichter Aleš Šteger in seinem nun auf Deutsch erschienenen Roman "Feuer": Der 1973 in Ptuj Geborene erzählt die wechselvolle Lebensgeschichte der ungewöhnlichsten Tochter seiner Heimatstadt, deren Erinnerung aus der Stadtgeschichte nahezu getilgt wurde. Das Feuer als Zentralmotiv der vielen Schrecken ihres Lebens arbeitet er deutlich heraus, ansonsten hält er sich in der literarischen Verarbeitung zurück.

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Es geht um Števka Cobelj (1923-1989) - und vieles, was Šteger über ihre erste Lebenshälfte erzählt, erinnert an die Erfahrungen der Protagonistin des Romans "Engel des Verschwindens" des kroatischen Autors Slobodan Šnajder, dessen Übersetzung im Frühjahr erschienen ist. Unter dem Kampfnamen Zora ist sie eine Heldin des Partisanenkampfes, wird in Gestapo-Haft gefoltert, vergewaltigt und zum Tode verurteilt und unmittelbar vor ihrer Erschießung befreit. Nach dem Sieg erlebt sie die Ernüchterungen des Tito-Regimes, in dem die einstigen Kämpfer für Freiheit und Unabhängigkeit von der sich breit machenden neuen Funktionärsclique zunehmend marginalisiert werden.

Zora glaubt an den Kommunismus, aber sie arrangiert sich nicht, biedert sich nicht an und legt sich - auch ganz buchstäblich - mit den neuen Machthabern nicht ins Bett. Sie bleibt unnahbar und kompromisslos. Eine angemessene Wohnung erhält sie erst nach einer entwürdigenden Scheinheirat, ihr Studium an der Journalismus- und Diplomatenschule in Belgrad wird ohne Angabe von Gründen abgebrochen, ihre Berechtigung für ein Kunstgeschichtsstudium muss sie sich erkämpfen. Sie ist lästig und bleibt lästig. Nur wenige einflussreiche Freunde hat sie noch. Diese sorgen dafür, dass ihre Talente, ihre Vielsprachigkeit, ihr Ehrgeiz, ihr unerschöpflicher Arbeitseifer und ihr Glaube an den Kommunismus - alles Dinge, die sie bei den meisten eher verdächtig machen - im blockfreien Jugoslawien nicht ganz ungenützt bleiben.

Zora kann die Folter nur ertragen, indem sie sich von ihrem Körper abspaltet. Sie muss vergessen. Sie kann nicht weiterleben, muss stattdessen ein zweites Leben beginnen. Nach 50 Seiten wechselt Aleš Šteger vom Sie zum Du. Fortan erzählt er über sie, indem er sie direkt anspricht. Doch auch dieses Du kommt ihr nicht nahe. Er erzählt von einem Leben, das wie ein grotesker Roman wirkt, von Kämpfen gegen Windmühlen, von Verzweiflung und Verrat - und scheut sich davor, ihr zu nahe zu treten, sich für eine der Möglichkeiten zu entscheiden, wie es ihr damit gegangen ist, was sie angetrieben hat, und wie sie das alles ausgehalten hat. Am Ende hat man zwar mitgelitten, weiß aber nicht, ob einem die Protagonistin auch sympathisch gewesen wäre.

Es sind Höhen und Tiefen, von denen Šteger erzählt, filmreife Szenen eines Lebens, in dem es auch Erfolge und Anerkennung, aber vor allem Neid und Intrige gab. Als Folge der umtriebigen Diplomatie Titos kann sie als Vertreterin der jugoslawischen Regierung unzählige Auslandsreisen absolvieren - die ihr, als sich der Wind ein wenig dreht, sogleich vorgeworfen werden. Als Kuratorin und Museumsdirektorin wird sie von hohen ausländischen Besuchern wegen ihrer Fach- und Sprachkenntnisse gleichermaßen geschätzt, von ihrer Mitarbeitenden aber gehasst, weil sie Missstände und Korruption abstellt.

Die Partisanenkämpferin wird von ihrer Belegschaft "Hitler" genannt, als Direktorin des Ptujer Museums abgesetzt, persönlich diffamiert. Sie geht nach Afrika. In Mogadischu hilft sie beim Aufbau von Museen und erlebt auch dort Anfeindungen, Ignoranz und Inkompetenz. Ihre lebenslange Angst vor dem Feuer, das alles verzehrt, alles Schöne in vernichtender Hitze zu Asche macht, holt sie auch dort ein. Brieflich erfährt sie von der Vernichtung ihres Ptujer Lebenswerks, vom Verbrennen der von ihr zusammengetragenen regionalen ethnologischen Sammlungsbestände, und auch das von ihr in Somalia aufgebaute Museum wird bei einem Bombenangriff gegen Rebellen zerstört. Die dem Erdboden gleichgemachte Rebellenstadt wird fortan das "Dresden Afrikas" genannt.

Am Ende wird sogar Zoras Grab in Ptuj zerstört. "Nichts von dem, was du getan hast, nichts von dem, wofür du mit all deinem revolutionären Eifer, aus Überzeugung und Notwendigkeit, aus dem Wunsch heraus, frei und anders zu handeln, und die Welt um dich herum zu verändern, gekämpft hast, wird bleiben", schreibt Šteger. "Die Welt verachtet arrogante Weltveränderer."

(Von Wolfgang Huber-Lang/APA)

(S E R V I C E - Aleš Šteger "Feuer", aus dem Slowenischen übersetzt von Matthias Görritz, Wallstein Verlag, 218 Seiten, 24,70 Euro)

BERLIN - DEUTSCHLAND: FOTO: APA/APA/Wallstein Verlag

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