In Meidling starten die Arbeiten am ersten verkehrsberuhigten Wohnviertel nach Londoner Vorbild. Welche Straßen betroffen sind, wer weiter zufahren darf und welche Bezirke als Nächstes an der Reihe sind.
Wien bekommt sein erstes „Low Traffic Grätzl“. In Meidling wird das Gebiet zwischen Längenfeldgasse, Steinbauergasse, Siebertgasse und Arndtstraße vom Durchzugsverkehr befreit, die Wolfganggasse wird ab der Hausnummer 14 bis zur Tichtelgasse zur Fußgängerzone. Die ersten Arbeiten starten in diesen Tagen, bis Ende des Jahres soll der Bereich rund um die Wolfganggasse verkehrsberuhigt umgestaltet und anschließend begrünt sein, wie die Stadt Wien mitteilt.
Für Anrainerinnen und Anrainer heißt das vor allem: Schleichwege durch das Viertel fallen weg, die eigene Wohnung bleibt aber mit dem Auto erreichbar. Laut Stadt bleibt die Zufahrt für Lieferungen, Anrainerinnen und Anrainer sowie Einsatzfahrzeuge bestehen, unterbunden wird nur der Durchzugsverkehr.
So funktionieren die Diagonalfilter
Das wichtigste Werkzeug sind sogenannte Diagonalfilter. Dabei werden an Kreuzungen Pflanztröge aufgestellt, die den Verkehr umleiten, sodass Autos das Viertel nicht mehr in gerader Linie durchqueren können. In Meidling entstehen solche Filter an den Kreuzungen Tichtelgasse und Fockygasse sowie Tichtelgasse und Schallergasse. Als Tröge dienen große Beton-Mistkübel, die früher auf der Donauinsel standen und nun wiederverwendet werden. Ergänzend werden Einbahnregelungen angepasst.
Radfahrerinnen und Radfahrer sollen sich im Grätzl künftig in alle Richtungen bewegen können, weil eine Einbahnstraße für den Radverkehr in beide Richtungen geöffnet wird. Neue Radbügel kommen im Bereich Tichtelgasse und Malfattigasse dazu. An den Kreuzungen werden die Gehsteige vorgezogen, mobile Pflanztröge, neue Sitz- und Liegemöbel und ein Hydrant mit Trinkaufsatz ergänzen die Umgestaltung. Die Fahrbahn der Wolfganggasse erhält bunte Bodenmarkierungen und steht vorrangig Fußgängerinnen und Fußgängern sowie dem Radverkehr zur Verfügung.
Vorbild London, Kosten gering
Das Konzept stammt aus London, wo „Low Traffic Neighbourhoods“ seit Jahren ohne große Umbauten für ruhigere Wohngebiete sorgen. Fachleute sprechen von „Tactical Urbanism“: Der öffentliche Raum wird rasch und mit einfachen Mitteln verändert, statt Straßen aufwendig neu zu bauen. Die Grätzl müssen laut Stadt nicht auf einmal fertig sein, sondern können schrittweise wachsen.
„In Zeiten knapper Budgets ist das auch für Wien ein tolles Konzept, um mit einfachen Mitteln für mehr Begrünung, weniger Lärm, bessere Luft und mehr Sicherheit in den Grätzln zu sorgen“, sagt Planungsstadträtin Ulli Sima (SPÖ). Meidlings Bezirksvorsteher Wilfried Zankl (SPÖ) verweist auf die Nachbarschaft, die die Wolfganggasse schon jetzt mit bepflanzten Beeten nutzt. Angelika Pipal-Leixner, Mobilitäts- und Umweltsprecherin der NEOS, betont den Hitzeschutz und mehr Platz zum Spielen für Kinder.
Diese Bezirke sind als Nächstes dran
Meidling ist der Auftakt. Laut Stadt Wien laufen Planungen für weitere Grätzl in Mariahilf, Rudolfsheim-Fünfhaus und Alsergrund. Sieben weitere Bezirke haben Interesse gezeigt, ihre Vorschläge werden geprüft. Voraussetzung ist jeweils eine Prüfung, welche verkehrsorganisatorischen Maßnahmen möglich sind, damit das Gebiet genau abgegrenzt werden kann.
Jeder Bezirk kann in der laufenden Legislaturperiode, also bis 2030, ein Low Traffic Grätzl umsetzen. Die Stadt fördert das mit 50.000 Euro pro Bezirk. Das Modell ist Teil des Koalitionsabkommens von SPÖ und NEOS. Wer in einem der künftigen Gebiete wohnt, sollte die Informationen des eigenen Bezirks verfolgen, denn Einbahnänderungen und neue Filter verändern oft auch die gewohnten Wege zum Parkplatz.
Quellen
Stadt Wien, Rathauskorrespondenz: Baustart für Wiens erstes „Low Traffic Grätzl“ in Meidling (30.10.2026)
Stadt Wien auf APA-OTS: Baustart für Wiens erstes „Low Traffic Grätzl“ in Meidling (30.10.2026)
