Die Konzessionen für Leih-E-Scooter in Wien laufen Mitte 2027 aus. Die Stadt schreibt sie europaweit neu aus und verschärft die Regeln für die Betreiber: höchstens zwei Anbieter, rund 4.200 Roller und 15 Minuten Zeit, um falsch abgestellte Scooter zu entfernen. Was sich für Nutzerinnen und Nutzer ändert.
Wien vergibt das Geschäft mit Leih-E-Scootern neu. Weil die bestehenden Konzessionen Mitte 2027 enden, schreibt die Stadt das Scooter-Sharing europaweit neu aus, wie sie am 28. Oktober in einer Aussendung zur Neuausschreibung bekanntgab. Den Zuschlag sollen die besten Gesamtkonzepte bekommen, zugelassen werden höchstens zwei Anbieter.
Die Flotte bleibt bei rund 4.200 Fahrzeugen gedeckelt. Neu sind strengere Pflichten für die Betreiber: Falsch abgestellte Scooter müssen innerhalb von 15 Minuten entfernt werden, sonst werden pro Fahrzeug 50 Euro fällig. Bei schweren Verstößen kann die Stadt die Verträge sofort kündigen.
Was sich für Nutzerinnen und Nutzer ändert
Für alle, die einen Leih-Scooter mieten, ist vor allem eine Regel neu: Endet eine Fahrt in einem Umkreis von rund 100 Metern um eine der etwa 400 fixen Abstellflächen, muss der E-Scooter dort abgestellt werden. Zugleich sollen die Roller künftig seltener auf Fahrradabstellanlagen stehen. Deren Nutzung durch Miet-Scooter wird laut Stadt stark eingeschränkt.
Auch technisch verlangt die Stadt mehr. Die Fahrzeuge müssen Vorkehrungen gegen das Fahren zu zweit und gegen das Fahren auf dem Gehsteig haben. Die Betreiber müssen außerdem eigene Kontrollen vor Ort und eigene Ordnungsdienste stellen. Bewertet werden in der Ausschreibung unter anderem Kontrollsysteme, technische Parksperren, Nachhaltigkeit, der Nutzen für den Wirtschaftsstandort und Angebote für die sogenannte letzte Meile.
Konzessionen für drei Jahre
Die neuen Konzessionen laufen drei Jahre und können zweimal um jeweils ein Jahr verlängert werden. Für Verstöße sind Vertragsstrafen vorgesehen. Wann genau das Vergabeverfahren startet und wann die Entscheidung fällt, nennt die Stadt in ihrer Aussendung nicht.
Mobilitätsstadträtin Ulli Sima (SPÖ) verweist auf die bisherigen Ergebnisse der Regeln: „Mein Ziel war es, das völlig inakzeptable E-Scooter-Chaos in unserer Stadt zu beenden.“ Die Neuausschreibung soll den erreichten Stand absichern.
Von 9.000 auf 4.200 Roller
Die Neuausschreibung baut auf dem Paket auf, das seit Sommer 2023 gilt. Seither ist das Abstellen auf Gehsteigen verboten, es gibt fixe Abstellflächen, Verbotszonen etwa bei Spitälern, Märkten und Gemeindebauten, Langsamfahrzonen mit höchstens 25 km/h und eine Kennzeichenpflicht für jeden Scooter. Vorgeschrieben sind außerdem zwei unabhängige Bremsen, Blinker und Warnsignale.
Laut einer früheren Bilanz der Stadt Wien waren 2019 rund 9.000 Leih-E-Scooter von neun Anbietern unterwegs. Heute sind es etwa 4.200 von zwei Anbietern. Seit Juni 2023 hat die Stadt nach eigenen Angaben rund 54.000 Verwaltungsstrafverfahren gegen Betreiber eingeleitet. Die Zahl der Beschwerden sank von 2.500 bis 7.200 pro Monat im Jahr 2023 auf durchschnittlich rund 120 im Jahr 2026, im September waren es 124.
Für Fußgängerinnen und Fußgänger, Radfahrerinnen und Radfahrer bedeutet die Neuvergabe vor allem eines: Die Obergrenze bleibt, und die Betreiber haften stärker dafür, dass Roller nicht im Weg stehen.
Quellen
Stadt Wien: Stadt Wien: Neuausschreibung der Leih-E-Scooter-Konzessionen (28.10.2026)
Stadt Wien: Sima/Krumpschmid: Maßnahmenpaket der Stadt gegen E-Scooter-Chaos wirkt (30.07.2025)
