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Gletscherarchäologie in Norwegen: Was das schmelzende Eis jetzt freigibt

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Berglandschaft in Jotunheimen in Norwegen
Foto:©Wikimedia Commons/Guyon Morée/CC BY 2.0

In den Bergen Norwegens tauen Eisfelder ab, die seit Jahrtausenden bestehen. Was dabei zum Vorschein kommt, begeistert Archäologinnen und Archäologen und beunruhigt sie zugleich.

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48 Pfeile aus der Steinzeit bis ins Mittelalter

Im Gebirge Jotunheimen im Süden Norwegens hat das abschmelzende Eis heuer 48 prähistorische Pfeile freigegeben. Das berichtet das Gletscherarchäologie-Programm Secrets of the Ice der Provinz Innlandet. Zu den ältesten Funden gehört ein Pfeil mit Schieferspitze und Holzschaft, der auf etwa 5.000 bis 6.000 Jahre geschätzt wird, also aus der Jungsteinzeit stammt. Das Alter ist bisher eine Schätzung auf Basis früherer, vergleichbarer Funde, eine Radiokarbondatierung liegt noch nicht vor.

Gesucht wurde drei Wochen lang am Rand mehrerer Eisfelder im Gebiet Kvitingskjølen. „Heuer haben wir 48 prähistorische Pfeile gefunden. Das ist viel“, sagt Espen Finstad, der Leiter des Programms. Zum ersten Mal habe das Team die Arbeit aber auch emotional getroffen: „Wo wir früher große Eisfelder hatten, sind nur noch Reste übrig. Das ist brutal.“

Warum die Funde immer älter werden

Als das Programm 2006 startete, waren die meisten Funde jünger als 2.000 Jahre, viele stammten aus der Wikingerzeit. Inzwischen tauchen laut Secrets of the Ice immer mehr Objekte aus der Stein- und Bronzezeit auf, weil das Eis immer weiter zurückweicht. „Hier liegt seit 6.000 bis 7.000 Jahren Eis“, sagt Finstad. „Aber jetzt gibt es auf.“

Das Eisfeld Langfonne war 2006 noch eine zusammenhängende Fläche, inzwischen ist es in mehrere kleine Teile zerfallen. Die meisten Eisfelder mit Funden dürften laut dem Programm innerhalb von 20 Jahren verschwunden sein. Für die Archäologie ist das ein Wettlauf, denn die Objekte, die das Eis Jahrtausende lang bewahrt hat, zerfallen laut Secrets of the Ice rasch, sobald sie ausapern.

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Berglandschaft in Jotunheimen in Norwegen
 © Wikimedia Commons/Guyon Morée/CC BY 2.0

Von der Muschelschale bis zur Eisenspitze

Die Funde reichen über Jahrtausende. Unter den heurigen Funden ist laut Secrets of the Ice eine rund 3.600 Jahre alte Pfeilspitze aus Muschelschale aus der Bronzezeit, ein vollständiger, etwa einen Meter langer Pfeil mit Knochenspitze, der auf rund 1.800 Jahre geschätzt wird, sowie eiserne Pfeilspitzen aus den vergangenen 1.000 bis 1.500 Jahren. In früheren Jahren fanden die Forschenden unter anderem Reste der Rentierjagd, Kleidung, Schuhe und Skier.

Seit 2006 hat das Programm 73 Fundstellen dokumentiert und mehr als 5.000 Objekte aus dem Eis geborgen. Wie viele Pfeile die Eisfelder bergen, zeigte schon eine Studie zum Eisfeld Langfonne im Fachjournal The Holocene: Die ältesten dort gefundenen Pfeile wurden auf etwa 6.200 bis 5.700 Jahre vor heute datiert. Einige der neuen Funde sind im Norwegischen Gebirgsmuseum in Lom in einer gekühlten Vitrine zu sehen.

Auch in den Alpen schwindet das Eis

Dass schmelzendes Eis Zeugnisse der Vergangenheit freigibt, ist aus den Alpen bekannt. Der bekannteste Fund ist der Mann aus dem Eis, der 1991 am Tisenjoch in den Ötztaler Alpen entdeckt wurde und rund 5.300 Jahre alt ist. Auch die Gletscher in Österreich gehen stark zurück: Laut dem Gletscherbericht des Österreichischen Alpenvereins zogen sich die gemessenen Gletscher im Messjahr 2024/25 im Schnitt um 20,3 Meter zurück. Der bisherige Rekord liegt bei 28,7 Metern im Messjahr 2021/22.

Am stärksten schrumpfte laut Alpenverein der Alpeiner Ferner in den Stubaier Alpen mit 114,3 Metern. Die Pasterze am Großglockner hat sich seit Beginn der Messungen 1879 um mehr als 2,3 Kilometer zurückgezogen, fast ein Drittel davon in den vergangenen zehn Jahren.

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