Im Pazifik baut sich einer der stärksten El Niños seit Beginn der Messungen auf, Wetterdienste sprechen von einem außergewöhnlichen Ereignis. Was das für den kommenden Winter in Europa und Österreich heißt und warum Fachleute vor allem auf das Jahr 2027 schauen.
Was El Niño für den Winter in Europa bedeutet
Für Europa ist der Einfluss von El Niño deutlich schwächer als in anderen Weltregionen. „El Niño ist für das Wetter in Österreich und im Alpenraum kein Hauptregler“, sagt Marc Olefs von GeoSphere Austria. Seine Signale kämen bei uns „nur abgeschwächt, indirekt und nicht verlässlich an“. Für Winter, Niederschläge und Hitzewellen sei meist die Zirkulation über dem Atlantik und Europa entscheidend.
Die Jahreszeitenprognose des EU-Klimadienstes Copernicus deutet für Dezember bis Februar auf einen eher milden und nassen Winter hin: Überdurchschnittliche Temperaturen gelten für den Großteil Europas als wahrscheinlicher, ebenso mehr Niederschlag als üblich. Der britische Wetterdienst Met Office erwartet für Nordwesteuropa im Frühwinter eher nasses und stürmisches Wetter, später im Winter ein höheres Risiko für Kälteeinbrüche. Beides sind Wahrscheinlichkeiten, keine Vorhersagen für einzelne Wochen.
Wie stark der El Niño ist
Die Weltorganisation für Meteorologie WMO erwartet, dass die Abweichung der Meerestemperatur im entscheidenden Messgebiet im zentralen Pazifik von Oktober bis Dezember im Schnitt rund 3,7 Grad erreicht, mit einem Höhepunkt um Dezember. Das wäre der höchste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen, der bisherige Rekord lag im Winter 2015/16 bei 2,6 Grad. Dass El Niño bis mindestens Februar 2027 anhält, gilt laut WMO als nahezu sicher.
Das Climate Prediction Center der US-Wetterbehörde NOAA rechnet in seinem Bericht vom 8. Oktober mit einem starken bis sehr starken El Niño bis in das Frühjahr 2027. Die Wahrscheinlichkeit für ein historisches Ereignis, das alle El Niños seit 1950 übertrifft, gibt die Behörde für Oktober bis Dezember mit 83 Prozent an. Die beiden Organisationen verwenden unterschiedliche Messgrößen, ihre Zahlen lassen sich daher nicht direkt vergleichen.
Warum 2027 ein Rekordjahr werden könnte
El Niño setzt Wärme aus dem Ozean frei und treibt so die globale Durchschnittstemperatur nach oben, mit einigen Monaten Verzögerung. Schon jetzt ist das Jahr außergewöhnlich warm: Laut Copernicus war der September 2026 weltweit der zweitwärmste seit Beginn der Aufzeichnungen, der laufende El Niño sei bereits stärker als jener von 2023. Das Jahr 2026 könnte damit an 2024 heranreichen, das bisher wärmste Jahr.
Den größeren Effekt erwarten Fachleute aber für das kommende Jahr. „2027 wird sehr wahrscheinlich 2024 als wärmstes Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen ablösen“, sagt Nick Dunstone vom Met Office. WMO-Generalsekretärin Celeste Saulo betonte, der außergewöhnliche El Niño speise sich aus einem Ozean, der so warm sei wie nie zuvor gemessen.
Was hinter El Niño steckt
El Niño ist die warme Phase eines natürlichen Wechselspiels von Ozean und Atmosphäre im tropischen Pazifik. Dabei erwärmt sich das Oberflächenwasser im zentralen und östlichen Pazifik entlang des Äquators ungewöhnlich stark, was Wind- und Niederschlagsmuster in vielen Teilen der Welt verändert. Die WMO warnt deshalb bis ins Jahr 2027 vor erhöhten Risiken für Wetterextreme, betont aber, dass die Stärke eines El Niño nicht direkt bestimmt, wie stark eine einzelne Region betroffen ist.
Warum Europa weniger direkt betroffen ist, erklärt die US-Klimabehörde auf ihrem Fachblog climate.gov: Hier prägt vor allem der Polarwirbel in der Stratosphäre den Winter. El Niño begünstigt zwar dessen Zusammenbruch im Spätwinter, was kalte Luft nach Europa lenken kann, der Zusammenhang gilt aber als unsicher. Unabhängig davon wirkt laut GeoSphere Austria die menschengemachte Erwärmung weiter.
Quellen
WMO: Sea-surface temperatures reflect strengthening El Niño (8. Oktober 2026)
NOAA Climate Prediction Center: ENSO Diagnostic Discussion (8. Oktober 2026)
Copernicus Climate Change Service: Seasonal forecasts (Oktober 2026)
GeoSphere Austria: Die Signale stehen klar auf El Niño (10. Juni 2026)
Met Office: Record-Breaking El Niño Surpasses Previous Benchmarks (22. September 2026)
