Die Goldgelbe Vergilbung bedroht den steirischen Weinbau, übertragen wird sie von der Amerikanischen Rebzikade. Ein neues Forschungsprojekt setzt bis 2029 auf Drohnenbilder, Kameras auf Traktoren und künstliche Intelligenz. Was geplant ist und was Winzerinnen und Winzer schon jetzt tun müssen.
Im Kampf gegen eine Quarantänekrankheit, die ganze Weingärten befallen kann, setzt die Steiermark auf neue Technik. Ein Forschungsprojekt von Bund und Ländern soll die Goldgelbe Vergilbung der Rebe mit Drohnen, Kameras auf Traktoren und künstlicher Intelligenz früher erkennbar machen. Übertragen wird die Krankheit von der Amerikanischen Rebzikade, auch sie soll gezielter bekämpft werden. Das hat das Land Steiermark am Freitag bekanntgegeben.
Umgesetzt wird das Projekt von der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) im Auftrag der Steiermark. Partner sind das Landwirtschaftsministerium sowie die Länder Niederösterreich, Burgenland und Wien. Es läuft bis 30. Juni 2029 und kostet insgesamt 578.633 Euro, die Steiermark trägt davon 65.840 Euro.
Drohnen über den Weingärten, Kameras auf dem Traktor
Geplant sind Luftaufnahmen der steirischen Risikogebiete mit Drohnen. Mehrere KI-Systeme sollen die Bilder auswerten, verglichen wird, wie genau sie kranke Rebstöcke erkennen und wie gut sie sich in der Praxis bewähren. Dafür soll ein österreichweites Team von geschulten Drohnenpilotinnen und Drohnenpiloten aufgebaut werden.
Zusätzlich wird ein Kamerasystem mit KI-Software entwickelt, das auf Weingartentraktoren montiert wird. Es soll Symptome während der normalen Arbeit im Weingarten in Echtzeit erkennen und dabei kostengünstig sein. Außerdem will das Projekt die österreichischen Weinbaugebiete nach ihrem Risiko einteilen, anhand von Befallsraten und einer genetischen Typisierung der Erreger, und nachhaltige Strategien gegen die Rebzikade in der Praxis testen.
Agrarlandesrätin Simone Schmiedtbauer (ÖVP) sieht in früher Erkennung und gezielter Überwachung den größten Hebel. Moderne Technik wie künstliche Intelligenz und Drohnen könne helfen, infizierte Rebstöcke rechtzeitig zu finden. Die Steiermark habe bereits im Vorjahr strengere Kontrollen, gezielte Beratung und Strafen eingeführt.
Warum die Goldgelbe Vergilbung so gefährlich ist
Die Goldgelbe Vergilbung ist eine EU-weit geregelte Quarantänekrankheit, die sich direkt kaum bekämpfen lässt. Die Amerikanische Rebzikade trägt sie von Stock zu Stock, so kann sie sich in einem Weingarten oder einer ganzen Region rasch ausbreiten. Laut Land breitet sich die Krankheit in europäischen Weinbaugebieten aus. Slowenien ist stark betroffen, deshalb gelten die Steiermark und das Burgenland als besonders gefährdet.
Wie groß das Problem ist, zeigte das Jahr 2025. Ab Mitte Juni wurden in der Steiermark Verdachtsfälle untersucht, bis Ende August waren es mehr als 300 Proben. Im Vulkanland waren laut Abteilung für Land- und Forstwirtschaft mehr als 80 Prozent der untersuchten Proben positiv. Besonders betroffen waren Klöch, St. Anna am Aigen, Tieschen und Straden.
Erkennbar ist die Krankheit an schlechtem Fruchtansatz und Blättern, die sich dachziegelartig überlappen. Ab dem Sommer rollen sich die Blätter ein und verfärben sich gelb oder rötlich, die Trauben reifen ungleichmäßig und die Triebe verholzen nicht.
Was Winzerinnen und Winzer tun müssen
Winzerinnen und Winzer sollen ihre Weingärten regelmäßig auf Symptome kontrollieren und Verdachtsfälle dem amtlichen Pflanzenschutzdienst melden. Rebstöcke mit Symptomen müssen laut Land sofort entfernt werden, und zwar samt Wurzelstock, ein Rückschnitt reicht nicht. In stark betroffenen Gemeinden sind auch benachbarte Stöcke ohne Symptome zu roden, weil sie häufig bereits unerkannt infiziert sind.
Gegen die Rebzikade selbst haben die Behörden nach hohen Larvenfängen Pflichtbehandlungen angeordnet. Wer sich nicht an die Vorgaben hält, riskiert Strafen von bis zu 30.000 Euro, im Wiederholungsfall bis zu 60.000 Euro. Das neue Projekt soll helfen, kranke Stöcke künftig früher und mit weniger Aufwand zu finden, bevor sich die Krankheit weiter ausbreitet.
