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Im Schatten des ORF beginnt das große Fressen

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Peter Plaikner

©Matt Observe

Während Ingrid Thurnher und Clemens Pig den Küniglberg aufräumen, startet auch bei Österreichs privaten Medienhäusern die Fusionswelle. Kooperation als neuer Grundgedanke für ORF und Konkurrenz taugt für ein nationales Bollwerk, darf aber kein bloßer Kostenkiller des Journalismus sein

Seit vor 100 Tagen am Weltfrauentag Roland Weißmann als Burgherr auf dem Küniglhügel zurückgetreten wurde, beansprucht der ORF Österreich noch mehr, als er es sonst schon übermäßig tut. Der angebliche Skandal um die vermeintliche Wahl zum nächsten General war zwar bloß eine transparentere Bestellung als je zuvor, aber ihr Gewinner Clemens Pig wurde trotzdem skrupellos als Partei-Günstling diffamiert – was er definitiv nicht ist.

Sonst hätte er kaum ständig betont, dass er hofft, das von Vizekanzler Andreas Babler für 10./11. September angekündigte „Zukunftsforum“ werde statt eines puren ORF-Konvents zur Standortbestimmung und -verteidigung für die gesamte Medienlandschaft. Denn eine Fusion im Schatten des ORF-Traras zeigt, wie sehr die ganzheitliche Neuorientierung drängt: Vorarlbergs Russmedia (VN, Neue) übernimmt Tirols Moser Holding (TT). Das war für die allzu Wien-fixierte einschlägige Berichterstattung nur eine Randnotiz, schafft aber ein Unternehmen in der Dimension von Mediaprint (Krone, Kurier) und Styria (Kleine, Presse), den hinter Red Bull (ServusTV, Red Bulletin) größten privaten Medienhäusern.

ORF ist so groß wie drei Riesen

Während die von Dietrich Mateschitz gegründete GmbH ihre Umsatzgröße vor allem mit internen Geschäften erzielt, stehen die Top 3 dahinter für sieben der noch zwölf hiesigen Tageszeitungen. Sie haben aber samt ihren angehängten Gratisblättern, Digital-Angeboten, TV-Programmen und Radiosendern zusammen nur so viel Einnahmen wie der zu zwei Dritteln abgabenfinanzierte, 1,1 Milliarden Euro starke ORF. Tendenz sinkend, weil sich die Werbeerlöse immer noch stärker in Richtung der globalen Plattformen verschieben.

Deshalb ist Kooperation mit den Privaten ein dominantes ORF-Konzept. Es geht um ein nationales Bollwerk gegen digitale Kolonialisierung. Angesichts der neuen Gemeinsamkeit gerät aber ein interner demokratiepolitischer Aspekt zu kurz: Das große Fressen, für das Russmedia und Moser Holding (MoHo) den Auftakt geben, dient der Kostenverringerung. Das stärkste Einsparungspotenzial sehen viele Medienmanager im Journalismus.

Konzentration verringert Vielfalt

Am Beispiel der VN aus dem Medienhaus von Eugen A. Russ schaut das so aus: Für Landes- und Innenpolitik gibt es nur noch zwei Redakteure, das Äußere erledigen Layouter mit Hilfe von KI. Für den regionalen Österreich-Rekord mit 62 Prozent Reichweite genügt eine weniger als zwei Dutzend Köpfe zählende Redaktion. Wer’s breiter will, muss die interne Tagblatt-Konkurrenz Neue lesen, die alles Überregionale von der Kleinen bezieht. Die hauseigenen Gratis-Wochenblätter für den Quasi-Lokal-Wettbewerb wurden eingestellt.

Durch den MoHo-Deal gerät Russ aber zum 50-Prozent-Gesellschafter des größten bundesweiten Kost-Nix-Zeitungsrings. Die andere Hälfte gehört der Styria, die bei Kleine und Presse soeben die Zusammenarbeit bis zum Artikelaustausch forciert. Wenn alle ORF-Konzepte neben Kooperation die Landesstudios in den Vordergrund rücken, liegt das auch an der langfristig die Meinungsvielfalt verringernden Konzentration im privaten Medienbereich. Das einzige Medium, das neben dem ORF noch in jedem Bundesland eine Redaktion betreibt, ist die Krone. Auf dieser bedenklichen Grundlage muss im Herbst die ORF-, Medien- und vor allem Journalismusförderung gemeinsam diskutiert werden.

Was meinen Sie? Schreiben Sie mir: pp@plaikner.at

Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 25/2026 erschienen.

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