Im europaweiten Vergleich haben in Österreich besonders viele Menschen das Gefühl, dass sich der Lebensstandard für sie persönlich verschlechtert. Mehr sind es nur in Griechenland.
Auch aus Sicht von Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP), Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) und Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) könnte die Stimmungslage in der Bevölkerung schlechter kaum sein: Sie sind abhängig davon, dass eine Mehrheit Verbesserungen wahrnimmt und das Gefühl hat, dass es für sie persönlich aufwärts geht. Dann können sie am ehesten davon ausgehen, wieder gewählt zu werden.
Davon sind sie jedoch weit entfernt: Bei einer Eurobarometer-Erhebung, die im Auftrag der Europäischen Kommission im März und im April durchgeführt wurde, gaben in Österreich gerade einmal zwölf Prozent von insgesamt 1.004 befragten Männern und Frauen an, dass sich ihr Lebensstandard in den vergangenen zwölf Monaten verbessert habe. 47 Prozent berichteten von keiner Veränderung, ganze 41 Prozent jedoch von einer Verschlechterung. Auffallend: Unter Jüngeren taten dies mit gut einem Viertel deutlich weniger, unter Älteren mit bis zu 44 Prozent mehr.


Auffallend ist außerdem, dass mit den insgesamt 41 Prozent hierzulande außerordentlich viele Menschen der Überzeugung sind, dass es finanziell abwärts geht für sie. In fast allen anderen Mitgliedsländern der EU tun das weniger. In Deutschland etwa handelt es sich um 30 Prozent, in Dänemark und den Niederlanden überhaupt nur um 13. Mehr als in Österreich sind es einzig und allein in Griechenland mit 48 Prozent.
Woher kommt das? Erstens: In Österreich ist die Teuerung* weiterhin überdurchschnittlich stark im europaweiten Vergleich.
Teuerung
Seit dreieinhalb Jahren ist die Inflationsrate in Österreich meist überdurchschnittlich hoch im europäischen Vergleich. Auch zuletzt, im April, war sie das mit 3,4 Prozent. EU-weit betrug sie 3,2, im Euroraum 3,0 Prozent.
Zweitens: Parallel dazu sieht sich der Staat mehr als in vielen anderen Ländern gezwungen, die Neuverschuldung zu drücken und Leistungen zu streichen. Das trägt zur Wahrnehmung vieler Menschen bei, immer weniger zur Verfügung zu haben.
Nicht immer muss der wirklich so sein, es ist aber möglich – zum Beispiel infolge von Pensionsanpassungen unter der maßgeblichen Inflationsrate, durch die es real zu einer Kürzung bzw. einem Wertverlust kommt.
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 23/2026 erschienen.







