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APA: Nach 2020 jetzt also wieder. Waren Sie überrascht, als man Sie gefragt hat, erneut die "Sommergespräche" zu moderieren?
Simone Stribl: Ja, ich war schon sehr überrascht. Aber ich habe mich gefreut. Ich habe einen Tag lang überlegt, eine Pro-Kontra-Liste erstellt und dann beschlossen, dass ich die "Sommergespräche" wieder mache.
APA: Was steht auf der Pro-Seite?
Stribl: Auf der Pro-Seite steht, dass die "Sommergespräche" eine tolle Sendung und für mich eine große Chance sind - schließlich bin ich seit 18 Jahren Innenpolitikjournalistin, und mein Kerngeschäft sind Interviews. Auf der negativen Seite steht, dass ein unbeschwerter Sommer mit Freunden nicht möglich ist. Es gibt natürlich auch sehr viele Meinungen dazu, wie die "Sommergespräche" sein sollten, und sehr viel Wirbel in den sozialen Netzwerken. Das zeigt aber, dass die Sendung noch immer eine große Relevanz hat.
APA: Lesen Sie Kommentare auf Social Media, oder sind Ihnen die egal?
Stribl: Ich werde versuchen, im Sommer weniger in den sozialen Netzwerken unterwegs zu sein und mich nicht durch Foren zu wühlen, um zu schauen, was die Leute da über mich schreiben. Aber manchmal lässt es sich nicht ganz vermeiden. Man kriegt ja auch E-Mails und direkte Nachrichten.
APA: Das Feedback von Freunden, Familie und Bekannten wird ja aber hoffentlich ohnehin positiv ausfallen?
Stribl: Manchmal sind Familie und Freunde auch große Kritiker und haben Verbesserungsvorschläge parat. Aber das ist ja okay.
APA: Was ist Ihnen von Ihren "Sommergesprächen" vor sechs Jahren besonders in Erinnerung geblieben? Wollen Sie nun bestimmte Dinge anders machen oder genau gleich behalten?
Stribl: Für mich sind die "Sommergespräche" von damals abgeschlossen. Ich denke nicht mehr viel daran zurück, weil ich mich seitdem weiterentwickelt habe. Ich moderiere jetzt zum Beispiel "ZiBs" in der Früh, auch Diskussionsformate wie den "ZiB Talk". Für mich fühlt es sich jetzt wie ein neues Kapitel an.
APA: Das heißt, Sie legen auch die Gespräche von Grund auf neu an?
Stribl: Ich weiß, was auf mich zukommt und was ich machen werde und was nicht. Es sind fünf politische Interviews, und die Zeiten sind ernst. Es stehen viele Reformen in Österreich an. Ich plane keine leichten Sommerinterviews. Für mich stehen Entscheidungen der Politik im Vordergrund, die direkt die Österreicherinnen und Österreicher betreffen.
APA: Die Person hinter der Politikerin, hinter dem Politiker, wird also nicht näher beleuchtet?
Stribl: Seit dem vergangenen Jahr hat es keine Wechsel an den Parteispitzen gegeben. Sie sind alle schon länger im Amt. Wir kennen sie, und daher geht's heuer vor allem um die Inhalte.
APA: Die Gespräche finden im ORF-Zentrum statt. Ist diese Entscheidung von Ihnen getroffen worden?
Stribl: Es war schon klar, dass die "Sommergespräche" heuer im ORF stattfinden, als ich gefragt wurde. Das ist auch gut so - und ist natürlich auch dem Spargedanken geschuldet. Hier haben wir alles, was wir brauchen, und auch für die Politikerinnen und Politiker ist es bequem, hierherzukommen.
APA: Erst kürzlich ist von der Bundesregierung fixiert worden, dass der ORF weitere 93 Millionen Euro pro Jahr einsparen muss. Befürchten Sie Abstriche auch in der Info?
Stribl: Ich bin seit 18 Jahren im ORF-Newsbereich tätig, und in dieser Zeit sind wir immer effizienter in unserer Arbeitsweise geworden. Wir befinden uns bereits in einem Sparprogramm, und meine Hoffnung und mein Wunsch ist, dass wir weiterhin finanziell so ausgestattet sind, dass wir unsere unabhängigen Arbeit fortführen können.
APA: Wird der ORF Thema bei den Gesprächen sein?
Stribl: Wahrscheinlich mehr als letztes Jahr. Im Herbst steht eine Enquete zum ORF als Start eines größeren Reformprozesses an. Ich wünsche mir als Mitarbeiterin aber, dass wir mit unserer Arbeit und unserem Programm wieder für Schlagzeilen sorgen - und nicht mit Vorgängen im ORF.
APA: Herbert Kickl wird auch zu Gast sein und tritt bekanntlich für einen "Grundfunk" ein, der aus dem Bundesbudget finanziert wird. Ändert das etwas an der Gesprächsführung?
Stribl: Nein, ich gehe in jedes Gespräch mit dem gleichen Zugang: kritisch und fair. Aber natürlich weiß ich, dass der ORF von Herbert Kickl wahrscheinlich stärker thematisiert wird. Auf das stelle ich mich ein.
APA: Wie schaut Ihre Vorbereitung auf so ein langes, großes Interview aus?
Stribl: Die meiste Zeit fließt ins erste Gespräch, weil dieses definiert, wie alle weiteren Gespräche aussehen werden. Ich führe auf dem Handy bereits eine Liste mit Themen, die ich gerne ansprechen würde. Ich notiere mir auch spannende Aussagen von Politikerinnen und Politikern, wenn ich mir denke, dass das im Sommer noch mal Thema sein könnte. Das Wichtigste ist aber, dass man im Gespräch dem Gegenüber auch wirklich zuhört und auf Gesagtes reagiert. Das ist die große Kunst.
APA: Was entgegnen Sie jemandem, der sagt, Gespräche mit Politikern sind langweilig, da kommt nie was raus?
Stribl: Das finde ich nicht, sonst wäre ich nicht Politikjournalistin. Wir wissen aber natürlich, dass Politikerinnen und Politiker ihre Botschaften haben, die sie gerne anbringen möchten. Das wird auch bei diesen "Sommergesprächen" nicht anders sein. Meine Aufgabe ist, es anzusprechen, wenn jemand nur seine Botschaft rüberbringen will und nicht auf Fragen antwortet.
APA: Sie führen Interviews auf der Kurz-, Mittel- und Langstrecke. Haben Sie eine Lieblingsspielart?
Stribl: Ich liebe es, wenn etwas passiert, ich live dabei bin und ohne Vorbereitung ein Interview machen muss. Es ist aber auch toll, wenn man Zeit hat - so wie jetzt bei den "Sommergesprächen" - und sich strukturiert vorbereiten kann und das dann auch eine gewisse Dynamik entwickelt.
APA: Wann ist ein Gespräch geglückt?
Stribl: Der Idealfall ist, wenn am Tag danach darüber diskutiert wird. Wenn man ein neues Thema gesetzt hat oder eine überraschende Aussage gefallen ist. Dann bin ich zufrieden.
(Das Gespräch führte Lukas Wodicka/APA)
ORF-"Sommergespräche"-Moderatorin Simone Stribl im Rahmen eines Interviews mit der APA am 10. Juni 2026, in Wien
