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Autorin Lídia Jorge mit Staatspreis ausgezeichnet

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Babler, Jorge und die Staatspreisurkunde
©APA/APA/BMWKMS/SCHNEIDER
Die portugiesische Autorin Lídia Jorge (80) ist am Montag im Solitär der Salzburger Universität Mozarteum mit dem Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur ausgezeichnet worden. Vizekanzler und Kulturminister Andreas Babler (SPÖ) überreichte den Preis, würdigte sie als "Chronistin des Wandels" und forderte das Publikum auf: "Lesen Sie Lídia Jorge!"

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Jorge habe in ihren Büchern Figuren geschaffen, die einem "so lebendig und leibhaftig erscheinen, dass man sich nicht wundern würde, würde man ihnen auf der Straße begegnen", sagte Babler. Vor allem aber habe sie sich immer wieder "den starken Frauen" gewidmet und in ihren Büchern "den widerständigen Frauen Portugals" einen Platz in der Weltliteratur verschafft.

Die Laudatio des aus gesundheitlichen Gründen verhinderten Philosophen und Kulturwissenschafters Thomas Macho verlas Andrea Zederbauer, die ebenfalls Mitglied der Staatspreis-Jury war und eingangs einen persönlichen Dank an die Übersetzerinnen und Übersetzer aussprach, die uns ermöglichten, europäische Literatur wie jene von Lídia Jorge auch ohne entsprechende Sprachkenntnisse zu lesen.

Macho begann seinen Text mit dem 80. Geburtstag, den Jorge kürzlich gefeiert hatte, und ließ ihre Werke, beginnend von ihrem 1980 erschienenen Debütroman (1989 auf Deutsch als "Der Tag der Wunder" herausgekommen), Revue passieren. Dem Debütroman folgten bis heute zwölf weitere Romane, die allerdings nur teilweise auf Deutsch übersetzt wurden. So konnte am Büchertisch der Rupertus Buchhandlung neben Sven Hartbergers Chronologie über "Das Große Salzburger Affentheater" nur Lídia Jorges jüngst erschienene Übersetzung des Romans "Die Stunde der Nelken" aufliegen.

Macho referierte die Karriere Jorges, die sie spätestens mit ihrem 1984 erschienenen dritten Roman (1990 in Übersetzung als "Nachricht von der anderen Seite der Straße" herausgekommen) einem wachsenden Lesepublikum neben José Saramago und Antonio Lobo Antunes als eine kraftvolle literarische Stimme Portugals verankerte.

Mit dem im Original 2014 erschienenen Roman "Die Stunde der Nelken" kehrte sie wieder zum Thema ihres Debüts zurück, der portugiesischen Nelkenrevolution, die sie diesmal aus der Perspektive eines an einer Doku arbeitenden CBS-Filmteams, erzählte. Ihr 2022 veröffentlichter, bisher letzter Roman "Misericórdia" ist auf Deutsch vor zwei Jahren unter dem Titel "Erbarmen" erschienen.

Die Staatspreisträgerin bedankte sich danach für diese "zarte und sensible Reise durch meine Bücher", bei Babler für seine würdigenden Worte, die sie "für immer bewahren" werde, und bei der Jury für die für sie sehr überraschende Wahl, die sie sogleich an Musil und Mozart denken habe lassen. In ihrer auf Portugiesisch vorgetragenen hoch literarischen Dankesrede erinnerte sie daran, dass es noch Ende der 70er-Jahre geheißen habe, "die portugiesischen Schriftsteller trügen nichts zur literarischen Vorstellungswelt Europas bei". Doch Europa spreche "viele Sprachen. Sprachen der Berge und Sprachen der Ebenen, Sprachen der Wälder und Sprachen der Seen, Sprachen des Schnees und des Eises. Und Sprachen des Meeres. Portugiesisch ist eine Sprache des Meeres."

Jorge erinnerte sich an zwei Szenen ihres Lebens, in einem Klassenzimmer in Portugal und in einem Kreißsaal in Mosambik, die sie davon überzeugt hätten, "dass der Weg in die Zukunft Hand in Hand beschritten werden muss". Die Literatur dürfe nicht aufhören, daran zu arbeiten, und die Schönheit menschlicher Erfahrung gegen die Infantilisierung des Denkens und die Abstumpfung gegenüber Gewalt zu stellen.

"Ich küsse den Boden Europas wegen der Sünden der Vergangenheit, in der Hoffnung, dass die Erinnerung daran es uns ermöglicht, den Frieden und die Vision der Schönheit zu bewahren", schloss Jorge mit Tränen in den Augen. "Deshalb fühle ich mich geehrt, wenn man mir sagt, dass meine Bücher Erzählungen enthalten, die in ihrem bescheidenen Rahmen unseren Traum von der Entwicklung einer Würde für die Kinder unserer Zeitgenossen unterstützen."

Die Grande Dame der portugiesischen Literatur folgt mit dieser Auszeichnung einer Reihe prominenter Vorgänger wie den späteren Literaturnobelpreisträgern Patrick Modiano (2012) und László Krasznahorkai (2021). Der Österreichische Staatspreis für Europäische Literatur wird seit 1965 für das literarische Gesamtwerk einer europäischen Autorin bzw. eines europäischen Autors verliehen, "das international besondere Beachtung gefunden hat, was durch Übersetzungen dokumentiert sein muss", wie es heißt.

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