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ORF-Wahl: Thurnher winkt ab, ORF-III-Chefin Zierhut-Kunz und Ex-HBO-Manager Johannes Larcher bewerben sich

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Kathrin Zierhut-Kunz

©K. Piles, Imago

Die Interims-Direktorin will Nachfolger:in bestmöglich unterstützen, Zierhut-Kunz' Ziel ist ein „moderner, effizienter und glaubwürdiger ORF“, während Larcher seine Unabhängigkeit betont.

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Am letzten Tag der Bewerbungsfrist für die ORF-Generaldirektion wird das Bewerberfeld immer konkreter. ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher ließ wissen, sich nicht für die Periode ab 2027 zu bewerben.

Ihre Kandidatur bekannt gaben unterdessen ORF-III-Geschäftsführerin Kathrin Zierhut-Kunz, APA-CEO Clemens Pig sowie – überraschend – der Ex-HBO-Manager Johannes Larcher. Schon beworben haben sich u.a. Ex-ProSiebenSat.1Puls-4-Geschäftsführer Markus Breitenecker und ORF-Magazinchefin Lisa Totzauer.

Zierhut-Kunz: „Qualität, Relevanz und Verantwortung“

Zierhut-Kunz gehe diesen Schritt, „weil ich das Unternehmen aus langjähriger Führungsverantwortung und genauer Kenntnis seiner Strukturen, Abläufe und Potenziale kenne“, heißt es in einem der APA übermittelten Statement. „Mein Ziel ist ein moderner, effizienter und glaubwürdiger ORF, der seinen öffentlich-rechtlichen Auftrag mit Qualität, Relevanz und Verantwortung erfüllt“.

Als Geschäftsführerin von ORF III kenne sie die Herausforderungen des Hauses aus operativer Verantwortung. „Mit meiner Kandidatur verbinde ich den Anspruch, den ORF strukturell weiterzuentwickeln und die journalistische Qualität nachhaltig zu stärken.“

Steckbrief

Kathrin Zierhut-Kunz

geboren
01.02.1969

Kathrin Zierhut-Kunz absolvierte ein Studium der Handelswissenschaften an der Wirtschaftsuniversität Wien und arbeitete ab Anfang der 1990er als Steuerberaterin in Wirtschaftsprüfungsunternehmen wie KPMG Alpen-Treuhand und Auditor Treuhand. Mitte der 90er war sie zudem FPÖ-Bezirksrätin.

Ab 2009 war sie im ORF in der Kaufmännischen Direktion tätig, insbesondere im Beteiligungsmanagement für die Tochtergesellschaften. Ab 2015 war sie als Leiterin „Finanzen und Personal“ in der ORF-Tochtergesellschaft ORF-Marketing und Creation GmbH für den Personalbereich mehrerer Unternehmen mit ca. 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verantwortlich.

2018 wurde sie mit der Leitung der ORF-Abteilung für Personalentwicklung (Human Resources) betraut und 2019 übernahm Zierhut-Kunz die Leitung der ORF-Hauptabteilung „Strategische Planung und Administration“, 2022 übernahm sie die Kaufmännische Leitung von ORF III.

Larcher: 5-säuliges Konzept

Mit Johannes Larcher begibt sich laut Medienberichten eine weitere Person ins Rennen um die ORF-Generaldirektion. Der Österreicher ist hierzulande den Wenigsten ein Begriff, hat aber international bereits einige gewichtige Unternehmen gemanagt. Er betätigte sich etwa bei der Streamingplattform Hulu, dem arabischsprachigen Streamer Shahid und bei HBO MAX in der Führungsetage. Beim ORF war er Anfang der 90er-Jahre kurz als Produzent tätig.

„Meine Unabhängigkeit ist nicht nur ein Versprechen – sie ist meine Stärke. Ich stehe für einen ORF, der niemandem verpflichtet ist außer seinem Publikum und dem österreichischen Gemeinwohl“, so Larcher. Sein Konzept stützt sich auf fünf Säulen: Zur Absicherung der redaktionellen Unabhängigkeit schlägt er laut Medienberichten eine eigenständige Informationsdirektion vor. Zudem plane er eine Aufwertung lokaler Inhalte aus den Bundesländern sowie eine digitale Omni-Channel-Strategie, die ORF-Inhalte auch auf Drittplattformen wie TikTok ausbaut.

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Johannes Larcher

 © Imago, TT

Steckbrief

Johannes Larcher

Johannes Larcher studierte in Wien an der Universität für Musik und darstellende Kunst und später der Wharton School der Universität von Pennsylvania. Dazwischen dockte er 1990 beim ORF an, wo er als Produzent an der Sendung „Kunst-Stücke“ arbeitete. 1992 zog er schon wieder weiter und beriet das Filmfestival Viennale und den Wiener Filmfonds. Auch in diesen Funktionen hielt es ihn nicht lange: Er arbeitete ab 1995 für das Beratungsunternehmen McKinsey, später für Yahoo und begründete das soziale Netzwerk Friendster mit.

Von 2009 bis 2013 war er Senior Vice President International bei der Streamingplattform Hulu und ab 2016 war er bei der Gründung von SubVRsive mit dabei – ein Studio für Augmented und Virtual Reality. Anschließend verschlug es ihn 2018 zum arabischsprachigen Streamingdienst Shahid der in Dubai angesiedelten MBC Group. Er verantwortete einen Relaunch der Plattform und den Launch von Shahid VIP.

Von Gerhard Zeiler, Österreichs wohl gewichtigster Medienmanager im Ausland, wurde er schließlich 2020 zu Warner Media geholt. Dort kümmerte sich Larcher für zwei Jahre als Head of HBO Max Global darum, dass der Streamingdienst in viele Teile der Welt ausgerollt wurde. Anfang des Jahres ist HBO Max auch in Österreich gestartet. Larcher, der im Zuge seiner Tätigkeit an Zeiler, der einst den ORF oder auch RTL führte, berichtete, war zum Start der Plattform hierzulande aber nicht mehr an Bord. Zu dem Zeitpunkt hatte er laut Eigenangaben die Hörbuch- und E-Book-Plattform Storytel von 2022 bis 2024 wieder in die Gewinnzone geführt.

Seitdem betätigt er sich als Berater, um Medienunternehmen beim Sprung vom linearen Broadcaster zum „digital, direct-to-consumer media business“ zu helfen, wie er auf LinkedIn schreibt. Dort hält er auch fest, dass er an Zusammenarbeit und empathische Führung glaube. Ehrenamtlich sitzt er nach wie vor im Board der Austin Opera.

Thurnher will Missstände aufarbeiten

In einem der APA vorliegenden Schreiben an die ORF-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter begründet Thurnher ihre Entscheidung damit, dass ihr in der verbleibenden Zeit so mehr Freiheit bleibe, um Missstände aufzuarbeiten, die richtigen Weichen zu stellen und das Vertrauen in den ORF zu stärken. „Ich muss nicht taktieren, ich muss nicht tun, was opportun ist“, schreibt Thurnher.

Thurnher ist Mitte März nach dem Rücktritt von Roland Weißmann mit der vorläufigen Führung der Geschäfte des ORF-Generaldirektors betraut worden. Mitte April wurde sie mit 31 von 35 Stimmen im ORF-Stiftungsrat zur regulären ORF-Chefin bestellt. Damals kündigte sie an, in ihren acht Monaten an der Spitze des öffentlich-rechtlichen Medienhauses „die Weichen für einen besseren ORF“ stellen zu wollen. Sie wolle diverse Missstände im ORF „klar, konsequent und ohne jedes Ausweichen“ aufarbeiten, sagte die 63-jährige gebürtige Vorarlbergerin damals.

Transparenzbeirat-Bericht vor dem Sommer

Sie richtete bereits einen Transparenzbeirat ein, der sich kursierenden Vorwürfen widmet, Fehlverhalten aufdecken und erforderliche Konsequenzen aufzeigen soll. Er werde noch vor dem Sommer seinen Bericht vorlegen. „Dort, wo Entscheidungen in meiner Verantwortung als Generaldirektorin liegen, werde ich diese Empfehlungen auch umsetzen“, versichert sie nun und meint, dass manche Entscheidungen „möglicherweise weh tun“ und „Widerstand auslösen“ werden.

Thurnher räumt ein, dass es für sie reizvoll gewesen wäre, sich zu bewerben. „Es wäre auch ein besonderer Abschluss meiner jahrzehntelangen Karriere im ORF gewesen. Aber jetzt geht nicht um mich. Es geht um den ORF“, so die bekannte Journalistin und Medienmanagerin, die seit 1985 dem ORF verbunden ist und dabei u.a. als ZiB2-, „Im Zentrum“- und „Sommergespräche“-Moderatorin breite Bekanntheit erlangte. Später betätigte sie sich als ORF III-Chefredakteurin und ORF-Radiodirektorin.

„ORF nicht Spielball der Politik“

Sie geht davon aus, dass der ORF-Stiftungsrat bei der Wahl am 11. Juni eine Entscheidung treffen wird, „die im Interesse des Publikums und eines starken ORF ist“. An die Politik appelliert sie, sich mit Zurufen zurückzuhalten. „Der ORF ist nicht der Spielball der Politik und er gehört auch nicht der Politik“, erinnert Thurnher.

„Selbstverständlich werde ich die neue Generaldirektorin oder den neuen Generaldirektor ab 2027 bestmöglich unterstützen. Und ich werde die Amtsübergabe ordentlich vorbereiten“, versichert sie. Zudem wolle sie im Sommer mit der künftig an der Spitze des ORF stehenden Person einen „Planungs-Summit“ einberufen. Gemeinsam will sie erarbeiten, wie der ORF ab 2027 zusätzlich notwendige Einsparungen erbringen könne. Erst vor wenigen Tagen zeigte sich Thurnher über von der Regierung gewälzte Sparüberlegungen in Höhe von 80 bis 90 Mio. Euro pro Jahr alarmiert. Diese würden an den „Grundfesten“ des ORF rütteln.

„Bis 1. Jänner wird nicht auf Pause gedrückt. Im Gegenteil“, lässt sie die Tausenden ORF-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter wissen. „Das nächste halbe Jahr wird intensiv, arbeitsreich – und ich werde mich mit aller Kraft dafür einsetzen, dass wir wieder der ORF werden, der wir sein wollen, auf den wir stolz sein können, auf den ich stolz sein kann“, so Thurnher.

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